Ausgewählte Referenzen

Maurer

Bukarest, Residenz des Botschafters der Bundesrepublik Deutschland

Bukarest liegt in einem uralten Siedlungsgebiet. Zuerst erwähnt wird die Stadt aber erstmals am 20. September 1459 – in einer Urkunde, die der Woiwode Vlad Tepes ausstellte, besser bekannt als Dracula. Heute ist Bukarest eine riesige, lebendige Stadt mit demnächst zwei Millionen Einwohnern. Und Bukarest gehört wie Tokio, Neapel oder San Francisco zu den Großstädten, die in einer hochaktiven Erdbebenregion liegen. Besonders stark bebte in Bukarest die Erde am 30. August 1986 und am 30. Mai 1990. Zum Glück hat man schon lange dieses Problem berücksichtigt und so sind gerade aus dem 19. und dem frühen 20. Jahrhunderts viele bedeutende Bauwerke erhalten geblieben, die bis heute dokumentieren, dass Bukarest damals nicht umsonst das „kleine Paris“ genannt wurde. In dieser Zeit orientierten sich die Eliten des noch jungen Königreichs Rumänien hinsichtlich der Lebensart nach Paris, hinsichtlich der Technik und der Organisation des Landes aber nach Deutschland, von wo man sich viele Techniker und solides technisches Wissen holte. Wenn so manches Gebäude dieser Zeit trotzdem in der Zwischenzeit verschwunden ist, so liegt das nur z. T. an den Kräften der Natur. Letztlich wirkten sich die Abrissaktionen des Diktators Nicolae Ceausescu, der Bukarest zu einer kommunistischen Musterstadt machen wollte, verheerender aus als alle Erdbeben der letzten hundert Jahre zusammen.

Zu den vielen schönen und luxuriösen Wohnbauten, die um 1900 in Bukarest entstanden, gehört eine 1903 bis 1904 gebaute herrschaftliche Villa, die die Bennert Gruppe jetzt zur Residenz des deutschen Botschafters umgebaut hat. Die Gestaltung des dreieinhalbgeschossigen Gebäudes orientiert sich an französischen Palais des 18. Jahrhunderts. Das gilt nicht nur für das Grundkonzept des Baus, sondern auch für solche Details wie den kunstvoll geschmiedeten eisernen Zaun. Es wurde an nichts gespart, wie schon die Stuckpilaster mit ihren ionischen Kapitellen bezeugen. Zwischen diesen der Wand vorgelegten flachen Säulen öffnen sich die hohen Fenster der beiden Hauptgeschosse, die jeweils mit einem kleinen Balkon geschmückt sind. Ein wirkliches Schmuckstück ist das in schwungvollen Jugendstilformen gehaltene Vordach, das den Haupteingang überspannt. Es sieht aus, als wäre es von einer Pariser Metrostation abmontiert und nach Bukarest gebracht worden.

Das alles und noch viel mehr zeigt, wie hoch das bauliche und künstlerische Niveau im damaligen Bukarest war. Dennoch: Auch die schönsten Jugendstilformen können nicht darüber hinwegsehen lassen, dass es heute andere Standards für Erdbebensicherheit gibt als 1904. Dass das Gebäude seither schon mehrere dramatische Situationen überstanden hat, ist kein Beweis dafür, dass es auch in Zukunft den seismischen Kräften trotzen wird. Die modernen Bestimmungen zur Erdbebensicherheit machten es jedenfalls erforderlich, das Gebäude grundständig zu sichern.
Es wurde einer der anspruchvollsten Aufträge, die die Bennert Gruppe je ausgeführt hat – und das unter den speziellen Bedingungen, die bei einem Bau für einen deutschen Botschafter einzuhalten sind, in einer Stadt, die von unserer „Basis“ im thüringischen Klettbach doch ziemlich weit entfernt ist. Beteiligt waren alle Gewerke, von den Bauhauptarbeiten über die restauratorische Instandsetzung bis hin zur gärtnerischen Gestaltung der Dachterrasse und der Außenanlagen. Die technische Gebäudeausstattung wurde mit Partnerfirmen auf modernstem technischen Niveau realisiert.

Im Zentrum der Bauaufgabe stand jedoch die Erdbebensicherung. Entscheidend dafür war die Errichtung eines massiven Betonkerns, der sich vertikal durch das Gebäude erstreckt und an den die Geschossdecken kraftschlüssig angeschlossen sind. Die Basis für die Erdbebensicherheit des Betonkernes bilden 24 Bohrpfähle mit einem Durchmesser von 40 cm, die 8 m in den Untergrund abgetäuft wurden und eine massive 80 cm starke Bodenplatte. Diese Arbeiten waren mit Respekt vor der historischen Bausubstanz unter stark beengten Verhältnissen unterhalb des Gebäudes auszuführen. Gleichzeitig konnten in diesem Betonkern der Aufzug, die Küche und die Nasszellen untergebracht werden. Besondere Aufmerksamkeit galt den Decken, deren Stabilität für den Erdbebenschutz entscheidend ist. Die Decke über dem Hochparterre musste dabei mit besonderer Sorgfalt behandelt werden, um den kostbaren Stuck zu erhalten. Deshalb wurde hier eine Stahlbeton-Holzverbundkonstruktion hergestellt, um die gewünschte Deckentragwirkung zu erreichen. Alle anderen Geschossdecken wurden in Massivbauweise ersetzt. Ein weiterer großer Teil unserer Arbeiten betraf das Dachgeschoss.

Da der vorhandene nachbauzeitliche Bestand im Rahmen der Erdbebensicherung beseitigt werden musste, bot es sich an, hinter der hohen Attika eine moderne Dachterrasse anzulegen, die einen ungehinderten Ausblick über die Stadt bietet und die als Ersatz für einen größeren Garten dient, über den die Anlage nicht verfügt. Im Inneren lag ein Schwerpunkt auf der Restaurierung der historischen Repräsentationsräume, die mit ihrem filigranen Stuck, ihren Wandverkleidungen, sowie den originalen Fenstern und Türen echten Pariser Charme widerspiegeln, den man im alten Bukarest so liebte.

Die Vorbildwirkung Deutschlands in der Umweltpolitik, die durch den VW-Skandal etwas gelitten hat, zeigt sich hier jedoch besonders im energetischen Konzept. Eine Wärmepumpe, die ihren Wärmegewinn aus 14 Erdsonden ohne CO2-Ausstoß und Stickoxide bezieht, sorgt für die nötige Wärme im Winter, und im Sommer durch eine Umkehr des Betriebes für die erforderliche Raumkühlung.
Die historischen Fenster wurden unter Beibehalt ihrer formschönen Profilierung und Sprossung mit Isolierglasscheiben energetisch aufgewertet, Das Farbkonzept, das nach ausgiebiger Befundung entwickelt wurde, orientiert sich am Pariser Jugendstil der Erbauungszeit.

Ein paar Zahlen, die den Umfang der Arbeiten dokumentieren: 3.500 Tonnen Schutt mussten entsorgt werden. Bei den Bauhauptarbeiten haben wir 110 Tonnen Betonstahl und 650 m³ Beton verbaut. 320 m² historische Balkendecken waren zu sanieren, ebenso 1.500 m² Putz- und Stuckfassaden und 250 m² Doppelfensterflächen. 6500 m² wurden gestrichen. In den Außenanlagen haben wir ungefähr 4500 Pflanzen eingesetzt. Nicht zu vergessen: der Einbau einer Großküche. Durchschnittlich waren pro Tag fast 60 Mitarbeiter auf der Baustelle.

Natürlich lief nicht immer alles wie am Schnürchen, schließlich hielt unsere Villa einige Überraschungen parat, wie zum Beispiel die zu geringe Fundamentierung in den Tiefkellerbereichen. Die zusätzlichen Unterfangungen kosteten zusätzliche Bauzeit aber durch die gute, konstruktive Zusammenarbeit aller am Bau Beteiligten konnten wir die Reibungsverluste sehr gering halten. Bei den enormen Mengen, die auf engstem Raum abzuarbeiten waren, war Einfallsreichtum gefragt, um die Effektivität hochzuhalten. Weil die Gebäudeunterfangungen noch nicht abgeschlossen waren, wurde beispielsweise der Betonkern von oben nach unten etagenweise betoniert. Durch die nötige Sorgfalt bei den Betonarbeiten, trafen sich die oberen und unteren Wände in den vorberechneten Punkten und wir konnten Bauzeit einsparen. Und am Ende spricht das Werk für sich. Innerhalb von nur zwei Jahren haben wir das 862seitige Leistungsverzeichnis mit seinen ungefähr 3000 Positionen in bester Qualität bewältigen können. Darauf dürfen wir schlicht und einfach stolz sein.


Wir danken den Mitarbeitern der Deutschen Botschaft in Bukarest für ihre Unterstützung bei vielen organisatorischen Herausforderungen, die im Ausland eben doch anders zu lösen sind als in Deutschland. Wir danken allen deutschen und rumänischen Planern und Fachplanern, vor allem Herrn Reckow und Herrn Fiege vom Büro Dr. Krekeler, die sich genau wie wir immer wieder neu auf die baulichen Herausforderungen einstellen mussten. Und wir danken unserem Auftraggeber, dem BBR für einen pragmatischen und fairen Umgang mit allen baulichen und finanziellen Herausforderungen dieser Bauaufgabe. Weiterhin bedanken wir uns besonders bei unseren Mitarbeiten vor Ort, Ingo Lange, Sorin Tont, Adrian Pandele, Tim Klopfer und Giancarlo Nisi sowie allen beteiligten Bennert Mitarbeitern in Deutschland, die durch ihre engagierte Mitarbeit zum Gelingen des Projektes beigetragen haben.

Bühne frei am Schlosstheater Celle – Nachhaltige Sicherung und denkmalgerechte Modernisierung

Der Schlossflügel mit dem Celler Barocktheater ruht seit mehr als 300 Jahren auf den Mauern eines alten Burgturms. Dessen Instabilität hatte sich inzwischen auch auf Teile der historischen Spielstätte ausgeweitet. Die notwendige Stabilisierung des Bauwerks verband man mit einer umfassenden und grundlegenden Modernisierung hinter den Kulissen.



Das Celler Schloss

gehört zu den besterhaltenen geschlossenen Barockanlagen Norddeutschlands und ist eines der wertvollsten Baudenkmale in Niedersachsen. Das Schlosstheater entstand zwischen 1670 und 1675 auf Initiative von Georg Wilhelm Herzog von Braunschweig-Lüneburg als regierendem Welfenherzog. Es ist eines der ältesten erhaltenen Hoftheater Deutschlands mit hufeisenförmigem Zuschauerraums nach italienischem Vorbild und eines der wenigen erhaltenen Barocktheater in Norddeutschland.

Das Schloss in Celle hat keine einheitliche Entstehungszeit, sondern besteht vielmehr aus verschiedenen Gebäudeteilen, die erst im 15. Jahrhundert zu der heutigen vierflügeligen Form zusammengefasst wurden. Sein ältester Teil ist der gut 1000 Jahre alte Wehrturm, dessen mittelalterlicher Mauerwerksverband auch Teile des Schlosstheaters trägt. Die in den letzten Jahrzehnten am Celler Schloss erfolgten Sanierungsarbeiten hatten den ältesten Teil des Schlosses mit dem Schlosstheater nicht berührt – die letzte Restaurierung aus den 1930er Jahren hatte insbesondere die Reste der einzigartige Farbfassung des Zuschauerraums überdeckt und beschädigt, auch die Bühnentechnik stammte aus dieser Zeit.



Umfangreiche Arbeiten zur Aussteifung,
Mauerwerksertüchtigung und Erneuerung der Theaterbühne

Vor allem aber in baufachlicher Hinsicht bestand dringender Handlungsbedarf. Die historische Bausubstanz des Burgturms als ältestem Teil der Schlossanlage, auf dem das Theater ruht, war statisch nachhaltig zu sichern.

Das Wehrturmmauerwerk war durch Auswaschungen und Hohlräume inhomogen geworden. Unregelmäßige Lastabtragungen, Deformationen des Mauerwerks und Risse waren die Folge. Die Tragfähigkeit der Decken war zu prüfen und zu erhöhen ebenso wie die modernen Belange des Brandschutzes zu berücksichtigen waren. Zahlreiche Einrichtungen der Bühnentechnik waren den heutigen Anforderungen anzupassen und deshalb auch baulich zu erneuern.

Wesentliche Teile der tragenden Konstruktion im Nord- und Westflügel waren im Lauf der Jahrhunderte geschädigt worden und bedurften einer Stabilisierung. In den Deckenlagen und Dachstühlen musste das Bauwerk durch Verspannungen und Verankerungen stabilisiert werden. Vor allem auch im Bereich der Fundamente waren Schäden durch Feuchtigkeitseinwirkungen zu beobachten.

Umfangreiche Arbeiten zu Aussteifung des Bauwerks waren zu erbringen. Dafür wurden insbesondere der historische Mauerwerksverband ertüchtigt, die Decken ausgesteift und über Spannanker kraftschlüssig mit dem aufgehenden Mauerwerk verbunden. Die Dachkonstruktion konnte ebenfalls gesichert werden.

Mit dem Abschluss der umfangreichen Arbeiten im Oktober 2012 ist das Schlosstheater Celle als Europas ältestes, regelmäßig bespieltes Barocktheater mit festem Ensemble wieder in der Mitte der niedersächsischen Stadt angekommen.

Gewerk Maurer

  • Abbruch von 600 m² Fliesen, 1000 m² Holzfaserplatten, 1800 m² Dielung, Abbruch von 90 m² Asbest, Ausbau von 13t Stahl, Abbruch von 350 m³
  • Wänden und Decken
  • Durchführung von Erdarbeiten im Außenbereich (350m³), Einbau einer 5 m hohen Hebeanlage
  • 260 m² neue Stahlbetoninnenwände
  • 950 m² neue Stahlbetondecken
  • Herstellung von 14 neuen Ortbetontreppen
  • Einbau von 36 t Bewehrungsstahl
  • Einbau eines neuen Stahlträgerschnürbodens für die Bühnentechnik
  • Abfangung eines Kreuzgewölbes mit anschließendem Einbau von neuen Stahlträgern und Stahlstützen
  • Abbruch eines 180 t Stahlbetondaches, mittels Sägeschnitten und Abtransport per Kran
  • Herstellung des neuen Stahlbetondaches (Satteldach) und Giebelwand mit Voutenausbildung
  • es wurde ca. 80 m³ neues Mauerwerk verbaut
  • Betonage von Decken ohne Lastabtragung auf die darunterliegende Decke (da Stuckdecken und Wandmalereien)
  • Ausführung von 360 Kernbohrungen für neue Installationen (längste Bohrung 5 m)
  • es wurden ca. 850 m² neuer Estrich mit Dämmung eingebaut
  • Ausbau und Entsorgung der alten Bühnentechnik mit anschließender Vorbereitungen für den Einbau der neuen Bühnentechnik
  • Umbau von Lüftungskaminen (Einbau von Stahlstürzen)
  • Herstellen und Schließen von Brandschutzöffnungen
  • Herstellung des runden Bühnenringes für einen drehbaren Boden der Bühnentechnik

Zeitraum
März 2011 – Sep. 2012

Auftragswert
1,1 Mio € (brutto)

Ansprechpartner
Jan Gallas
Bernd Miller

Objektadresse
Celler Schlosstheater e.V.
Schlossplatz 1
29221 Celle

Beten und Arbeiten im Zisterzienserkloster Walkenried

Am ehemaligen Zisterzienserkloster Walkenried waren neben Arbeiten der Ruinensicherung auch hochanspruchsvolle Umbauten und Mauerwerkssanierungen an Klausur und Kreuzgang auszuführen.


Ora et Labora

Seine Randlage an der innerdeutschen Grenze versetzte das ehemalige Zisterzienserkloster Walkenried für mehr als vier Jahrzehnte in eine Art Dornröschenschlaf. Im Süden und Osten unmittelbar von DDR-Grenzposten „bewacht“, gelang es nur wirklich Interessierten, sich einen Weg in den verschlafenen Harzort zu bahnen. Dabei birgt die Gemeinde eines der drei ältesten Klöster des Zisterzienserordens auf deutschem Boden und eine der ehemals reichsten Abteien Niedersachsens. Die imposante frühgotische Kirchenruine lässt selbst den Laien die Bedeutung des Klosters erkennen. Die wenigen heute noch aufrecht stehenden Bauglieder vermitteln dem Besucher einen Eindruck davon, welch gewaltige Dimensionen die Basilika einst erreichte und wie vielen tiefgläubigen Gottesmännern sie seinerzeit Herberge für Meditation und Gebet war.

Die Angst vor herabstürzenden Mauerwerksteilen trübte jedoch in den vergangenen Jahrzehnten den Besuch einer der bedeutendsten Klosteranlagen des 13. Jahrhunderts im mitteldeutschen Raum. Zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts stürzten Teile der Chorruine ein und ein Novembersturm des Jahres 1972 löste die endgültige Entscheidung aus, den Bogen des letzten gotischen Maßwerkfensters wegen drohender Einsturzgefahr abzutragen.



Stetiges Absacken erforderte neue Sicherungsarbeiten

Das Fundament für den Ruin haben die mönchischen Bauherren im 13. Jahrhundert wohl selbst gelegt. Hunderte von Eichenpfählen bildeten die Basis für den Kirchenbau. Die Überlebensstrategie des Konvents basierte auf Eigenwirtschaft und Selbstversorgung und dafür war auch hier die Anlage dutzender Fischteiche nötig. Mit den Wasserläufen jedoch änderte sich auch der Grundwasserstand, was den Eichenstämmen, die die ungeheure Last der Kirchenmauern aufnehmen sollten, wohl den Halt nahm. Die Folge war ein deutliches Absacken und Verformen des aufgehenden Mauerwerks.

Maßnahmen zur statischen Ertüchtigung wurden bereits in den 80er Jahren durchgeführt. Die vergangenen zwei Jahrzehnte zeigten, dass die Gründung noch nicht zur Ruhe gekommen ist. Neben neuen Rissbildern ist eine teilweise deutliche Fortsetzung der Verformungen feststellbar, die neue Sicherungsarbeiten erfordern werden. Um den Verfall der frei begehbaren Kirchenruine zumindest zu verlangsamen und die Sicherheit von Besuchern zu gewährleisten, wurden durch uns im Vorgriff mit einem Personenlift lose Teile der Mauerkrone und Bewuchs entfernt sowie vorhandene Risse verschlossen.

Im Gegensatz zur Kirchenruine befindet sich der größte Teil der Klausurgebäude und des Kreuzgangs in seinem ursprünglichen baulichen Zustand. Er vereint sämtliche angrenzenden Gebäude des Klosters zu einer geschlossenen Architektur. Was den Walkenrieder Kreuzgang gegenüber unzähligen anderen Klosteranlagen Europas so einzigartig macht, ist sein wunderschöner zweischiffiger Nordflügel, eine Besonderheit, die nur wenige andere monastische Bauwerke aufweisen und deren Entstehung.

In Vorbereitung seiner neuen Nutzung als Zisterziensermuseum war nicht nur die Instandsetzung und Sicherung der Architektur des Klosters notwendig. Auch eine moderne Wegeführung musste durch sensible Einbauten realisiert werden. Der ursprünglich desolate Zustand des Ostflügels mit Abtei, Latrine und dem „Prolog“ des Dormitoriums verlangte unseren Mitarbeitern einmal mehr all ihre Fähigkeiten bei der Restaurierung hochwertiger Denkmalarchitektur ab.



Die zimmermannsmäßige Instandsetzung des Dachstuhls

Vor ca. 20 bis 30 Jahren hatte es bereits eine Komplettinstandsetzung der Dachstühle des Prologs Dormitorium und der Abtei gegeben, in deren Ausführung es jedoch teilweise erhebliche Mängel gab. Ziel der Arbeiten im Prolog des Dormitoriums war die zimmermannsmäßige Instandsetzung des Dachstuhls und angrenzender Dachstuhlteile des Kalefaktoriums bzw. Dormitoriums sowie die Errichtung einer begehbaren Fläche im 1. Obergeschoss über dem Kreuzgratgewölbe des Brüdersaales. Soweit es technisch möglich und sinnvoll war, wurden die Holzreparaturen im Querschnitt mit traditionellen zimmermannsmäßigen Holzverbindungen unter Verwendung moderner Verbindungsmittel ausgeführt.

Die Bearbeitung begann mit Abbruch von Resten der Holzbalkendecke über dem zukünftigen Treppenhaus. Nach Einrüstung und Aufnahme des kompletten Schadbildes der Dachkonstruktion durch Inaugenscheinnahme stellte sich heraus, dass der Umfang der Holzschäden weitaus größer war als vorher vermutet.

Die innere und äußere Mauerlatte auf der Ostseite wurde einschließlich der quer zur Mauerkrone angeordneten Lagerhölzer komplett mit Altholz Eiche erneuert. Am aufwendigsten gestaltete sich die Sanierung des nordwestlichen Dachbereichs im nördlichsten liegenden Stuhl, in dem nahezu alle Holzbauteile abschnittsweise ersetzt oder ergänzt werden mussten. Durch den weitaus größeren Umfang der Zimmerarbeiten wurden neben den beschriebenen Arbeiten an den Anschlusskehlen auch viel größere Eingriffe in die Dacheindeckung der Ostseite erforderlich. So musste durch die komplette Erneuerung der Aufschieber auf der Ostseite die Dacheindeckung einschließlich Dachlattung auf einer Dachhöhe von 3-4 m zurückgebaut und neu eingedeckt werden.

Die verbliebenen Bauteile im 1. Obergeschoss des Prologs (Stützen, Unterzüge) deren Holzverbindungen teilweise weit aufklafften wurden ertüchtigt indem passgenaue Ausklotzungen vorgenommen wurden. Die Gewölbe über dem Brüdersaal erhielten eine vollflächige entsprechend Vorgaben aufgedübelte Dämmung aus Mineralfaserdämmplatten. Parallel zu den beschriebenen Arbeiten erfolgte die Aufarbeitung der historischen, bauseits vorgehaltenen ca. 5 cm starken Dielenbretter. Diese mussten aufwendig sortiert, ausgewählt und „gesund“ geschnitten werden.

 

Gewerk Maurer

  • Entfernung loser Teile der Mauerkrone und des Bewuchses sowie vorhandener Risse mittels Personenlift
  • Wiederherstellung des Raumerlebnisses im Refektorium durch Rückbau des später eingefügten Kreuzgewölbes
  • Mauerwerksertüchtigung in der Abtei, der “Latrine”, im “Prolog” und dem nordöstlichen Treppenhaus
  • Bestücklung und Ausstellung mit aufgefundenen Artefakten, Spolien, Statuen und Werksteinfragmenten früherer Bauphasen des Klosters

 

Gewerk Zimmerer

  • Instandsetzung des Dachstuhls und angrenzender Dachstuhlteile des Kalefaktoriums bzw. Dormitoriums
  • Errichtung einer begehbaren Fläche im 1. Obergeschoss über dem Kreuzgratgewölbe des Brüdersaales
  • Die komplette Erneuerung der Aufschieber auf der Ostseite die Dacheindeckung einschließlich Dachlattung
  • Aufgedübelte Dämmung aus Mineralfaserdämmplatten im Bereich der Gewölbe über dem Brüdersaal
  • Aufarbeitung der historischen, bauseits vorgehaltenen ca. 5 cm starken Dielenbretter

 

Gewerk Restaurierung

  • Restauratorische Bearbeitung von Wand-, Putz-. Werksteinflächen und Fußböden
  • Bestückelung uns Ausstellung mit aufgefundenen Artefakten, Spolien, Statuen und Werksteinfragmenten früherer Bauphasen des Klosters

Zeitraum
2004 – 2006

Auftragswert
450.000,- € (brutto)
680.000,- € (brutto)

Ansprechpartner
Bernd Miller

Planungsbüro
Architekturbüro Kleinberg und Pohl
Hamburger Straße 267
38114 Braunschweig

Objektadresse
Kloster Walkenried
Steinweg 4a
37445 Walkenried

Sensibler Umgang mit Mauerwerksoberflächen – die Marienkirche in Beeskow

Einem der bedeutendsten Zeugnisse der norddeutschen Backsteingotik verlieh die Restaurierung der Mauerwerksoberfläche rechtzeitig zur 500-jährigen Kirchweihe neue Würde.


Wiederaufbau nach schwerer Zerstörung als „Ruine unter Dach”

Die Beeskower Kirche St. Marien zählt mit ihren erstaunlichen Ausmaßen zu den bedeutendsten Zeugnissen der Backsteingotik in Norddeutschland. Ihr Hallenumgangschor ist einer der frühesten, die in der Mark errichtet wurden. Aber auch die jüngere deutsche Geschichte ist überdeutlich an der Erscheinung des gewaltigen Baus der Beeskower Marienkirche ablesbar: Als in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs die Ostfront über die kleine märkische Stadt rollte, wurde die Kirche durch Artilleriebeschuss so schwer beschädigt, dass der Turmhelm in den Dachstuhl stürzte; Dach und Kirche brannten mitsamt ihrer kostbaren Ausstattung vollständig aus.

Der Mangel der Nachkriegszeit verhinderte die Holzbeschaffung für ein Notdach. Der Witterung schutzlos preisgegeben, stürzten eine Stunde vor Beginn der Christvesper an Heiligabend 1947 das Chorgewölbe und vier Pfeiler der Backsteinkirche ein. Weitere Pfeiler und das Gewölbe von Haupt- und Seitenschiffen folgten in den Jahren darauf. Eine gigantische Ruine mit den hoch aufragenden Außenmauern des Kirchenschiffes und einem breit gelagerten Turmstumpf prägte daraufhin für die folgenden vier Jahrzehnte die Silhouette der märkischen Stadt. Der vollständige Verlust des Baus konnte vor allem durch die private Initiative von Bürgern der Stadt verhindert werden.

Nach der politischen Wende von 1989 eröffneten sich – wie für viele andere Baudenkmale im Osten Deutschlands – auch für die Ruine der Marienkirche neue Perspektiven. Bereits 1991 begann der Wiederaufbau der Kirche – vom ersten Tag an auch mit der Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und anderer Fördermittelgeber. Heute gilt die Kirche nur als eine Ruine unter Dach.



Sensibler Umgang mit Mauerwerksoberflächen

Seit April 2010 durfte unsere Firmengruppe ihre Erfahrungen bei der Sanierung und Restaurierung von Mauerwerksoberflächen bei dem Wiederaufbauprojekt in Beeskow einbringen. Gerade die Backsteingotik ist im Wesentlichen von den Nuancen in Farbe, Textur und Haptik des verwendeten Baumaterials und seiner Verfugung geprägt. Das erfordert, mehr noch als bei vielen anderen Bauten einen sensiblen Umgang mit den Oberflächen. Hinzu tritt, dass insbesondere bei Ergänzungen von Stein und Mörtel Fehler bei der Materialauswahl sofort sichtbar werden. Andererseits kann es dabei auch in ästhetisch zufrieden-stellender Weise gelingen, historisch begründete Verwundungen des Mauerwerks – wie beispielsweise Kriegsschäden – in diesen Ergänzungen gewollt sichtbar zu machen.

Sankt Marien – eines der bedeutendsten Zeugnisse der Backsteingotik in Norddeutschland.

Wir hatten an der Beeskower Kirchenfassade den am deutlichsten wahrnehmbaren Teil zu bearbeiten. Die Leistungen umfassten die sogenannte finale Mantelflächensanierung und Steinsubstitution auf der gesamten Südseite zwischen Sockel- und Kaffgesims, auf der Ostseite des Chors und der Westfassade bis in die Höhe des Kaffgesimses sowie Teilbereiche der Nordseite bis in die Höhe des Daches. Das Hauptaugenmerk lag dabei – wie beim übrigen Wiederaufbau auch – darauf bestandsanaloge Materialien einzusetzen. Neben den Substitutionen und Ergänzungen mit Handstrichziegeln wurde der Fugenmörtel unter restauratorischer Begleitung als Baustellenmischung entwickelt. Die Vorgabe der Denkmalpflege sah den Verzicht auf den unter anderem verwendeten Mörtelzuschlag mit Muschelbeimengung vor. Durch diese Maßnahme konnte eine weitgehende Angleichung des Erscheinungsbildes der bearbeiteten Oberflächen mit den angrenzenden originalen Mauerwerksflächen erreicht werden.

Unsere Arbeiten an der außergewöhnlichen Ruine wurden rechtzeitig zum Jubiläum der 500-jährigen Kirchweihe der Beeskower Marienkirche abgeschlossen – zwei Gründe für eine Festwoche der märkischen Stadt im August 2011.

Gewerk Maurer

  • Ergänzungen des Mauerwerks im Bereich der Wände mit eigens angefertigten Ziegelsteinen
  • finale Mantelflächensanierung und Steinsubstitution auf der gesamten Südseite zwischen Sockel- und Kaffgesims, auf der Ostseite des Chors und der Westfassade bis in die Höhe des Kaffgesimses sowie Teilbereiche der Nordseite bis in die Höhe des Daches
  • Einsatz bestandsanaloger Materialien
  • Substitutionen und Ergänzungen mit Handstrichziegeln
  • Entwicklung des Fugenmörtels unter restauratorischer Begleitung als Baustellenmischung
  • weitgehende Angleichung des Erscheinungsbildes der bearbeiteten Oberflächen mit den angrenzenden originalen Mauerwerksflächen

Zeitraum
2010 – 2011

Ansprechpartner
Enrico Herda

Planungsbüro
Dipl.-Ing. Arch. Thomas Alt
Wilhelm-Staab-Str. 4
14467 Potsdam

Bauherr
Evangelische Stadt- und Landkirchengemeinde Beeskow
Brandstr. 35
15848 Beeskow

Die Verlängerung des Meininger Theaters – Translozierung der östlichen Giebelwand

Für die Erweiterung des historischen Theaters in Meiningen war der gesamte Ostgiebel vom Rest des Gebäudes wie eine Scheibe Brot vom Laib zu schneiden und die 650 Tonnen schwere Wand um fünf Meter zu verschieben.


Wir schaffen mehr Platz für die Hinterbühne

Im Laufe unserer Firmengeschichte haben wir die Umzüge von sehr verschiedenartigen Gebäuden geplant und verwirklicht. Meist war der Wunsch nach Erhaltung von denkmalwürdiger Bausubstanz maßgeblich für die Bewegung von Objekten, bei deren Planung eine spätere Ortsveränderung noch undenkbar gewesen war; manchmal ist jedoch eine Translozierung sogar kostengünstiger als die Alternative Abriss und Neubau – so auch bei der Verschiebung der klassizistischen Theatergiebelwand in Meiningen.

Das historische Theater der südthüringischen Stadt mit ihren derzeit 20000 Einwohnern ist unter den Bühnen der Welt eine Legende. Doch in den Jahren nach 1990 zeigte sich immer deutlicher, dass moderner Theaterbetrieb in einem Bau, dessen Konzept und technische Ausstattung sich über die letzten hundert Jahre praktisch nicht verändert hatten, unmöglich war. Die Aufführungen in der mit 733 Plätzen ausgestatteten Spielstätte erfolgten mit Ausnahmegenehmigungen für Brandschutz, Sicherheit und Fluchtwege – ein unhaltbarer Zustand. Vorsintflutlich war auch der Umgang mit Kulissen und Bühnenbildern, die teilweise außen an der Ostfassade hochgezogen und durch ein Fenster ins Gebäudeinnere bugsiert werden mussten.



Gebäudeteile versetzen – Die Bennert Translozierungen

Deshalb entschloss man sich, im Zuge der bis Dezember 2011 vorgesehenen und 21,5 Mio Euro teuren Generalsanierung die Rückwand des Bühnenraumes um 5 Meter nach außen zu versetzen. Dem Theaterchef Ansgar Haag wären 10 Meter zwar lieber gewesen, aber dann hätte die Wand bereits im See gestanden. Damit stand die Aufgabe einer Translozierung des Ostgiebels mit 14,58 m Breite, 20,86 m Höhe und einer Masse von 560 Tonnen.

Kernstück des von uns dafür vorgeschlagenen Konzeptes waren FLUID-Transportmodule, die aus einem hydraulischen Hubzylinder bestehen, durch dessen Mittelachse mit hohem Druck Stickstoff nach unten gepresst wird, so dass sich zwischen Transportmodul und Bodenplatte ein Gaspolster aufbaut, auf dem die Last praktisch schwebt. Auf diese Weise lassen sich Reibungsbeiwerte erreichen, die deutlich unter µ = 0,01 liegen, was die für den Verschub erforderlichen Horizontalkräfte drastisch reduziert. Vor allem gibt es aber bei dieser Technologie kaum noch einen Unterschied zwischen (größerer) Haftreibung und (kleineren) Gleitreibung; damit tritt auch der bei Translozierungen gefürchtete „Anfahrruck“ nicht auf, dessen Beschleunigungswerte die Bausubstanz schädigen können.

 

Zur prinzipiellen Abfolge der technologischen Schritte:

  • Statisch-konstruktive Sicherung der Fassade und angrenzender Bauteile durch Aussteifung der Öffnungen und Montage einer inneren und äußeren Fassadengurtung.
  • Montage eines Raumgerüstes im verbleibenden Gebäudeteil
  • Vergütung der freigelegten Giebelfundamente durch Injektion bzw. Verfugung
  • Herstellung von vier Fundamentdurchbrüchen mit einer maximalen Breite von 1,50 m für das Einbringen der Transportmodule
  • Herstellung von horizontalen Kernbohrungen für die unteren Stahlprofil-Querträger im Abstand von 1 m durch die Außenwand sowie Einschub und Verpressung der Profile
  • Montage der beidseitig der Wand verlaufenden Längsstahlprofile unter den Querträgern und Verspannung der Stahlkonstruktion
  • Herstellung von vier Verschubbahnen mit der geforderten Oberflächenbeschaffenheit auf der Bodenplatte
  • Einbau und Befestigung von Stahlprofilen als Aufstandsfläche für die wandaussteifenden Stahlfachwerkkonstruktionen
  • Montage und Aussteifung von vier Stahlfachwerken zur Wandscheibenstabilisierung
  • Lösen der Fassade vom Bestand, beginnend mit der Dachkonstruktion und anschließend der vertikalen Mauerwerksverbindungen mit Diamant-Sägetechnik
  • Herstellung des horizontalen Fundamenttrennschnitts unterhalb der Querträger mit Diamantseilsäge sowie Lagesicherung durch Auskeilungen
  • Positionierung und Einrichtung von acht FLUID-Transportmodulen – jeweils vier an der Innen- und Außenseite der Wandscheibe – unter den
  • Querstahlprofilen, Montage von zwei Hydraulikeinheiten für den Horizontalverschub einschl. Wegmesseinrichtungen
  • Ausheben der Wandscheibe durch die FLUID-Module, Feinjustierung mittels Wegmesseinrichtungen
  • Computergesteuerter Horizontalverschub unter ständiger Kontrolle der lotrechten Wandposition
  • Einfahren der Module durch vorbereitete Nischen im neu hergestellten Stahlbetonfundament der Giebelwand, Schließen des Zwischenraumes zwischen Wand und Fundament durch Spritzbeton, Überwachung der Module bis zur Aushärtung des Spritzbetons, Lagesicherung der Wandscheibe

Betrieb für Bauwerkssicherung

  • Statisch-konstruktive Sicherung der Fassade und angrenzender Bauteile durch Aussteifung der Öffnungen und Montage einer inneren und äußeren
  • Fassadengurtung
  • Montage eines Raumgerüstes im verbleibenden Gebäudeteil
  • Vergütung der freigelegten Giebelfundamente durch Injektion bzw. Verfugung
  • Herstellung von vier Fundamentdurchbrüchen für das Einbringen der Transportmodule
  • Herstellung von vier Verschubbahnen
  • Lösen der Fassade vom Bestand mit Diamant-Sägetechnik
  • Ausheben der Wandscheibe durch die FLUID-Module, Feinjustierung mittels Wegmesseinrichtungen
  • Computergesteuerter Horizontalverschub

Zeitraum
2010

Auftragswert
300.000,- €

Ansprechpartner
Andreas Wallot
Konrad Kahle

Planungsbüro
Arge.org II:
Architekturbüro Kessler & Partner,
BauConsult Hermsdorf GmbH,
PGS+P Planungsgesellschaft
Steiner und Palme mbH

Objektadresse
Meininger Theater
Südthüringisches Staatstheater
Bernhardstr. 5
98617 Meiningen

Unsere größte Baustelle – Die Bastion Maria-Theresia in Timisoara

Nach über 2,5 Jahren Bauzeit ist das mit fast 10 Mio. € Umsatz größte Bauvorhaben unserer Firmengeschichte, die Maria-Theresia-Bastion in Timisoara, erfolgreich beendet. Die Sanierung der gewaltigen Festung beschäftigte nahezu all unsere Gewerke und umfasste unter anderem die Aufarbeitung von 25.000 m² Klinkermauerwerk, die Herstellung von 6.800 m² Gründächern oder die Verlegung von 30.000 m² Cat6-Kabel.



Festungsreste im Westen Rumäniens

Die Geschichte Timisoaras reicht bis in das 1. Jahrhundert zurück, Ursprung der Stadt war ein römischer Wehrbau zwischen Theiß und Donau gegen die Daker. Über das gesamte Mittelalter bis in die Neuzeit hinein blieb das als Banat bezeichnete Gebiet ein heiß umkämpftes Bollwerk abendländischer Kultur gegen Invasoren aus Asien und dem Orient. Die später zum Königreich Ungarn gehörende Stadt Timisoara wird 1552 schließlich von den Türken eingenommen und gehört 162 Jahre lang zum Osmanischen Reich.

Erst im Zuge des venezianisch-österreichischen Türkenkrieges gelingt es 1716, das Banat wieder von den Osmanen zu befreien. Nun siedelten hier auch Deutsche aus dem Südwesten des Reiches – die Banater Schwaben – und errichtete zwischen 1723 und 1765 in Timisoara eine moderne Festung, welche die alte mittelalterliche Zitadelle ersetzte. Die Anlage war eine der größten Europas und von insgesamt 9 Bastionen umgeben. Heute ist allerdings nur noch die 1,7 ha umfassende Maria-Theresia-Bastion vollständig erhalten.

Auch die Maria-Theresia-Bastion war eigentlich für den Abriss bestimmt, erstaunlicherweise entschied man sich für eine Integration der Festungsüberreste in das Stadtbild. Nach dem Sturz der kommunistischen Diktatur in Rumänien gab es erste Bemühungen um eine Revitalisierung. Aber erst 2008 bekommt die alte Festung wirklich eine neue Chance: Die EU stellt 5 Millionen Euro aus dem PHARE-Fonds für die Sanierung und bauliche Aufwertung der riesigen Anlage zur Verfügung. Im Ergebnis einer europaweiten Ausschreibung liegt die BENNERT-Gruppe nur auf dem dritten Platz, erhält jedoch wegen der ungleich besseren Referenzen den Zuschlag – und damit einen Auftrag, der das Unternehmen vor neue Herausforderungen stellt.



Vielfältige Anfonderungen in höchster Qualität

Die Höhe der Einzelaufträge liegt bei einem Sanierung- und Restaurierung-Unternehmen wie der BENNERT-Gruppe meistens im sechsstelligem Bereich; Millionenaufträge sind in der Minderzahl. Grundsätzlich ist dies wünschenswert, weil die Vermeidung der Abhängigkeit von wenigen Großaufträgen höhere wirtschaftliche Stabilität verspricht. Dennoch freuten wir uns über den Eingang eines Auftrags mit einem Volumen von 9,9 Millionen Euro, auch wenn der Ort seiner Ausführung 1.152 Autokilometer vom Firmensitz entfernt lag. Auch wenn in der Vergangenheit sporadisch im europäischen Ausland gearbeitet wurde, waren für die Sanierung der gewaltigen Festung logistische Probleme in einer neuen Größenordnung zu bewältigen.

Als Maßeinheit für mehrere Positionen des Leistungsverzeichnisses wären Hektar und Kilometer durchaus angebracht gewesen; entsprechend hoch war der Materialbedarf für Leistungen, von denen nur einige hier aufgeführt werden sollen:

  • Aufarbeitung von 25.000 m² Klinkermauerwerk mit Austausch von Einzelsteinen, Verfugung, Festigung und Hydrophobierung
  • Austausch von 750 m³ Mauerwerk
  • 800 m Risssanierung
  • Bearbeitung von 17.000 m² Putz- und Malerflächen
  • Verlegung von 12.000 m² Kalksteinplatten innen und außen
  • Herstellung von 6.800 m² Gründächern
  • Aufbringen von 2.300 m² Biberschwanzdoppeldeckung einschließlich der Unterkonstruktion
  • Verlegung von 2.200 m² Parkett
  • 7.000 m³ Erdaushub
  • Abbund von 300 m³ Konstruktionshölzern
  • Herstellen von 650 m³ Ortbeton
  • Einbau von 1.500 m² Fenster und Türen
  • Installation von 1.200 Stück Lampen
  • Verlegung von 30.000 m Cat6-Kabel

Auch der Neubau aus Beton und Glas, der zu zwei Dritteln unter der Erde liegt, war sehr aufwändig. Denkmalpflegerische Prinzipien besaßen bei dem Bauvorhaben nicht die von Deutschland gewohnte Priorität, stattdessen mussten höchste Ansprüche an die Qualität von Material und Ausführung erfüllt werden.

Unsere umfangreiche Leistungspalette verwandelte das Areal zum Knotenpunkt zwischen historischem Stadtkern und neueren Gebieten.

Gewerk Maurer

  • Entfernung loser Teile der Mauerkrone und des Bewuchses sowie vorhandener Risse mittels Personenlift
  • Wiederherstellung des Raumerlebnisses im Refektorium durch Rückbau des später eingefügten Kreuzgewölbes
  • Mauerwerksertüchtigung in der Abtei, der “Latrine”, im “Prolog” und dem nordöstlichen Treppenhaus
  • Bestücklung und Ausstellung mit aufgefundenen Artefakten, Spolien, Statuen und Werksteinfragmenten früherer Bauphasen des Klosters

 

Gewerk Zimmerer

  • Instandsetzung des Dachstuhls und angrenzender Dachstuhlteile des Kalefaktoriums bzw. Dormitoriums
  • Errichtung einer begehbaren Fläche im 1. Obergeschoss über dem Kreuzgratgewölbe des Brüdersaales
  • Die komplette Erneuerung der Aufschieber auf der Ostseite die Dacheindeckung einschließlich Dachlattung
  • Aufgedübelte Dämmung aus Mineralfaserdämmplatten im Bereich der Gewölbe über dem Brüdersaal
  • Aufarbeitung der historischen, bauseits vorgehaltenen ca. 5 cm starken Dielenbretter

 

Gewerk Restaurierung

  • Restauratorische Bearbeitung von Wand-, Putz-. Werksteinflächen und Fußböden
  • Bestückelung uns Ausstellung mit aufgefundenen Artefakten, Spolien, Statuen und Werksteinfragmenten früherer Bauphasen des Klosters

Zeitraum
2004 – 2006

Auftragswert
450.000,- € (brutto)
680.000,- € (brutto)

Ansprechpartner
Bernd Miller

Planungsbüro
Architekturbüro Kleinberg und Pohl
Hamburger Straße 267
38114 Braunschweig

Objektadresse
Kloster Walkenried
Steinweg 4a
37445 Walkenried

Wasserspiele im Bergpark Kassel Wilhelmshöhe

Rückbau und Neuaufbau von Basaltpyramiden und Kaskaden:
Die Ausführung der Arbeiten in Anlehnung an das historische Vorbild in freier Gestaltung unterlag einem sehr hohen gestalterischen Anspruch.



Nun rauscht er wieder wie vor 200 Jahren

Die hessische Kunstministerin Eva Kühne-Hörmann bezeichnete den Steinhöfer Wasserfall bei seiner feierlichen Wiederinbetriebnahme im April 2010 als ein Glanzstück der Wasserkünste im Bergpark Wilhelmshöhe. Und tatsächlich ist es ein imposanter Anblick, wie die Wassermassen weiß schäumend über den 25 Meter hohen Felsabhang tosen wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr.

Der Wasserfall ist ein Teil der Kasseler Wasserspiele, welche über den Hang des 2,4 km² großen Areals verteilt sind und jährlich Zehn- tausende von Besuchern anlocken. Dem Ideal des englischen Gartenbaustils von Natürlichkeit und Wildheit folgt auch der Stein- höfer Wasserfall. 1793 wurde er durch den namensgebenden Brunneninspektor Karl Steinhöfer (1747 bis 1829), den die Bevölkerung als „Wassergott“ verehrte, fertig gestellt. Entlang des Steinhanges wurden dafür Tausende von Basaltsteinen in Form von Stelen, Oktaedern, wildern Sprotten und Wackern aufgebaut. Zur Abdichtung des Bodens und zum Vermörteln der Steine nutzte man Lehm und Ton. Bei späteren Sanierungsarbeiten wurde auch mit Trassmörtel und Beton nachgebessert. Dennoch verblasste die Wirkung des Wasserfalls in den mehr als 200 Jahren seiner Existenz zusehends. Das Dichtungsmaterial bekam Risse, die Steine verwitterten oder fielen um und immer mehr Wasser versickerte bei den Wasserspielen einfach im Boden. Von den einstigen tosenden Wassermassen war nichts mehr zu sehen.



Wiederherstellung des historischen Zustands

2007 begann eine grundlegende Sanierung. Während der knapp 2 ½ Jahre dauernden Arbeiten wurden Moos und anderer Pflanzen- bewuchs vom Basalt entfernt und die Steine in Trockenbauweise neu aufgeschichtet. Über 1.500 m² Felsenlandschaft wurden aufwendig gereinigt und 150 m³ Schotter größtenteils von Hand eingebaut. Eingestürzte, aus Basaltstelen formierte Pyramiden mussten aufwendig zurückgebaut und möglichst genau dem Original entsprechend neu erstellt werden.

Dazu wurden über 2.000 gestaltbildende Basaltsteine mit einem Einzelgewicht zwischen 100 und 600 kg dem alten Standort entnommen und neu versetzt. Die wasserführenden Wege auf dem Wasserfall wurden neu abgedichtet. Bereits in den 60er Jahren hatte man sie ausgebessert und hierfür Beton verwendet.

Dieser bildete jedoch zusammen mit den Steinen einen starren Körper, der auf dem Steilhang teilweise abrutschte. Aus diesem Grund wurde wieder auf die Technologie  unserer Altvorderen zurückgegriffen und die Abdichtung mit dem auf natürlichen Materialien (Sand und Ton) basierenden Abdichtungsmaterial DERNOTON® vorgenommen.

Scheinbar unerreichbar oder unzugänglich.

Bennert machts möglich:
Wir nutzen alpine Zugangstechniken und erreichen so auch die schwierigsten Stellen.

Gewerk Maurer

  • Verlegung eines ca. 250 m langen „Bypasses“ DN 250 vom Sammelbecken während der Wartungsarbeiten
  • ca. 300 m² Abdichtungsarbeiten der Bearbeitungsflächen mittels „Dernoton“
  • ca. 100 m³ Rückbau und Neuaufbau von Basaltpyramiden (Aufrichten
  • und Neuversatz von ca. 2.000 Basaltstelen) und Kaskaden (größtenteils als Trockenmauerwerk)
  • ca. 600 m² Entfugungs- und Neuverfugungsarbeiten im Trockenspritzverfahren im Bereich der wasserführenden Wege
  • Instandsetzung der Steinhöfer Grotte, eines in Trockenmauerwerk erstellten Gewölbes

 

Gewerk Freiflächengestaltung

  • Pflanzarbeiten und Wegebau
  • ca. 100 m³ Rückbau und Neuaufbau von Basaltpyramiden (Aufrichten und Neuversatz von ca. 2.000 Basaltstelen) und Kaskaden (größtenteils als Trockenmauerwerk

Zeitraum
Sep. 2007 – Jun. 2010

Auftragswert
1.250.000,- €

Ansprechpartner
Bernd Miller

Planungsbüro
Büro für Landschafts- und Freiraumplanung
Herr Dipl.-Ing. Borgolte
Heideweg 32
34131 Kassel

Bauherr
HBM Niederlassung Nord
Herr Jakumeit
Goethestraße 46
34119 Kassel

56 m bis in die Öffentlichkeit – Das Römische Bad in Bonn

Beim Bau des neuen United Nations Congress Centers in Bonn wurden Überreste eines antiken römischen Bades ausgegraben. Wir translozierten das antike Bad um 56 m, um es zu bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Translozierung von außerordentlich fragilen Überresten

Im ehemaligen Regierungsviertel von Bonn fand man bei Bauarbeiten für das neue United Nations Congress Center eine fast 2.000 Jahre alte römische Badeanlage. Die bis in eine Höhe von 1,50 m erhaltenen Reste der ca. 200 m² großen Therme sollten nach dem Entschluss des Bauherren und des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege in den Wellnessbereich innerhalb des Hotelkomplexes sichtbar integriert werden. Dafür jedoch mussten die Überreste des Bades auf ein eigens dafür errichtetes Betonfundament gesetzt werden – ein Vorhaben, das hinsichtlich der Schwierigkeit mit dem Versuch zu vergleichen ist, eine Sahnetorte unversehrt anzuheben, die ohne Teller auf einer nackten Tischplatte steht.

Den Auftraggeber überzeugte schließlich unser technisches Konzept für die Umsetzung des Vorhabens. Demgemäß wurde zunächst das Erdreich um die Therme bis auf ein Niveau unterhalb des Fundamentes abgetragen. Anschließend setzten wir Bohrungen ins Erdreich unter die bauliche Substanz und schoben 40 cm breite Stahlrohre nach, welche – durch Schlösser miteinander verhakt – einen stabilen, flächigen „Teller“ für den Hauptteil des „Kuchens“ bildeten.

Nachdem das Mauerwerk verpresst wurde, um eine höhere Festigkeit für den Transport zu gewährleisten, trennten wir die „Torte“ mit einer Diamantseilsäge in fünf Stücke, so dass die maximale, durch einen Gittermastkran zu bewegende Einzellast 120 t betrug.

Von den Stahlträgern, die quer am Ende der Rohre montiert waren, verliefen Anker senkrecht nach oben zu einer Traverse – ebenfalls aus Stahlprofilen und vom gleichen Grundriss wie das Bauteil unter ihr -, deren vier Ecken wiederum durch Ketten mit dem Kranhaken verbunden waren. Auf diese Art gesichert, waren die fragilen Gebilde schließlich bereit für die Umsetzung zu ihrem neuen Standplatz, einem Betonfundament mit unterschiedlichen Höhenniveaus, so dass die Teile in exakter Analogie zum alten Bestand aneinander gefügt werden konnten.

Gewerk Maurer

  • Horizontale Kernbohrungen unterhalb des historischen Fundamentes (d = 40 cm)
  • Fundament- und Baugrundvergütung zur Herstellung der Transportstabilität
  • Trennen der Badeanlage in fünf Teilstücke mit Diamantseilsägetechnik
  • Mauerwerksunterfahrung
  • Verpressarbeiten

 

Gewerk Stahlbau

  • Herstellen einer stabilen Transportunterlage aus miteinander verbundenen, horizontal eingeschobenen Stahlrohren
  • Herstellung und Modifikation einer an das Bauwerk angepassten Transporttraverse

 

Spezialleistungen

  • Translozierung der fragilen Reste der römischen Badeanlage in fünf Teilen um ca. 100 m

Zeitraum
2007

Ansprechpartner
Andreas Wallot
Jörg Frobel

Objektadresse
United Nations
Congress Center
Görresstr. 15
53113 Bonn

Die Rettung und Wiedererweckung von Burg Storkow

Der Palas der Burg Storkow wäre buchstäblich fast untergegangen. Die Burg versank in zweieinhalb Jahren um 13 Zentimeter. Erst Bohrpfähle mit einer Länge von 13 m konnten das Gebäude für kommende Generationen sichern.

 

Eine Burg versinkt …

Dort, wo heute Besucher des Kultureums auf der Burg Storkow entspannt Konzerten lauschen und im NatureumAusstellungen zu Natur und Geschichte betrachten können, fühlten sich noch vor zehn Jahren Brennnessel, Giersch und Quecke heimisch. Vom einst stolzen bischöflichen Wohnschloss, dem Palas, standen zu diesem Zeitpunkt bereits seit zwei Jahrzehnten nur noch die Außenwände.

Ein durch Fahrlässigkeit ausgelöster Großbrand hatte Ende der 1970er Jahre den Renaissancebau schwer zerstört. Zudem drohte die Burg als eine der ältesten und bedeutendsten Burganlagen des östlichen Brandenburg buchstäblich fast unterzugehen. Der Palas versank in nur zweieinhalb Jahren um 13 Zentimetern im märkischen Boden. Zumindest mittelfristig stand der Gesamtverlust der Burganlage bevor.

Vor mehr als 900 Jahren war die Burg Storkow Ausgangspunkt der deutschen Besiedlung Ostbrandenburgs gewesen. Die mittelalterliche Burganlage legte man als Niederungsburg in sumpfigem Gelände an. Der slawische Name von Ort und Burg leitet sich wohl aus dem feuchten Wohnort ab: „sturkuowe“ – Weg durch den Sumpf.

Aus der eintausend Jahre alten Entscheidung für eine Sumpfburg resultierten ebenso typische wie massive Probleme bei der Erhaltung des Bauwerks. Die Gründung der Ziegelbauten bestand aus Spickpfählen, einer in feuchten Baugebieten seit dem Mittelalter durchaus üblichen Gründungsart. Dabei rammte man kurze Pfähle dicht an dicht und zueinander versetzt in den Untergrund, so dass der entstehende verfestigte Erdkörper als Fundament wirken konnte. Auf dem – aus Sicht der heutigen Bodenmechanik – so entstandenen „bewehrten Verbundkörper“ und damit direkt auf den Pfahlköpfen ruhte das aufgehende Mauerwerk.
Im Falle der Burg Storkow jedoch waren diese Pfahlköpfe durch säurebedingte Hydrolyse und hinzutretenden Pilzbefall so fortschreitend verrottet, dass unkontrollierte Absenkungen mit Setzungsraten von mehreren Zentimetern pro Jahr und damit erhebliche Deformationen an der gesamten Burganlage folgten.

 

Gemeinsam dem Morast abgetrotzt

Der Vielseitigkeit der zu bewältigenden Aufgaben stellte sich auch unsere Firmengruppe während der vergangenen Jahre mit beinahe ihrem gesamten Leistungsspektrum. Diese Bandbreite ist beispielhaft für die Stärke unserer Firmengruppe, in der Facharbeiter, Handwerksmeister und Ingenieure in nahezu allen Gewerken am Ziel einer innovativen und qualitätvollen Arbeit am Baudenkmal arbeiten.

Unsere Garten- und Landschaftsbauer schufen mit der Anlage einer nicht alltäglichen Baustraße einschließlich Dränagearbeiten und temporärer Wasserhaltung auf dem schwierigen Untergrund die Voraussetzung für den Transport von Technik und Baumaterialien.

Die Abteilung Spezialtiefbau nahm die Herausforderung unter teils sehr schwierigen Bedingungen an, den biotopartig überwachsenen Gewölbekeller im Palas zu beräumen und mit einer Nachgründung durch Kleinbohrpfähle das Gebäude und das nebenstehende Brauhaus zu stabilisieren. Allein diese Spezialarbeiten nahmen ein Jahr Bauzeit in Anspruch. Die Gesamtlänge der am Mauerwerk eingebrachten Bohrpfähle, die bis zu dreizehn Metern in die Tiefe reichen, würde eine Strecke von 2,5 Kilometern ergeben. Schon die Zahlen von 1400 m³ Beton und 200 t Bewehrungsstahl verdeutlichen die Mengen der mit Streichbalken, Fundamenten, Bodenplatten und Decken notwendigen neuen Tragelemente an diesen Gebäuden der Burg.

Verantwortlich für den mittlerweile wieder malerisch erstrahlenden Kontrast aus Ziegelstein- und Zyklopenmauerwerk am Palas und den historischen Burgmauern zeichnet unsere Maurerabteilung. Den Ergänzungen des Mauerwerks im Bereich der Wände und Gewölbe mit eigens angefertigten Ziegelsteinen, der Fugensanierung, den Abdichtungsmaßnahmen und dem Aufbringen von Putzen und Lasuren gingen Verankerungen und Vernadelungen in unterschiedlichsten Ausführungen voraus. Risssanierungen und Verpressarbeiten wurden ebenso ausge-
führt wie Hohlraumverfüllungen mit Injektionsschaummörtel. Den Schwammbekämpfungsmaßnahmen im Bestandsmauer-
werk stand der Neubau der gesamten nördlichen Umfassungsmauer inklusive eines Torbogens gegenüber.

Unsere Steinrestauratoren übernahmen es, Formergänzungen im Bereich von Ziegelsteinflächen und Naturwerksteinen vorzunehmen. Insgesamt waren am Ende 100.000 Ziegelsteine und etwa 350 t Mauer- und Fugenmörtel verbaut worden.

 

Der neue Dachstuhl nach überlieferten Formen

Einer anspruchsvollen Aufgabe stellten sich auch unsere Zimmerleute: Der Dachstuhl des Palas sollte vollständig neu errichtet, der des Brauhauses wegen des hohen Schädigungsgrades substantiell erneuert werden. Die überlieferten Formen von Dach und Gauben treten nun wieder nach außen in Erscheinung. Dabei gelang es, den modernen Dachstuhl an den historischen, nicht parallelen Verlauf der Palasmauern anzupassen, ohne dass dies nach außen hin sichtbar wäre. Im Ganzen wurden etwa 150 m³ Holz verschiedenster Qualitäten verbaut.
Den Dachstuhl des Palas, des Brauhauses und des Torbogens deckten unsere Dachdecker in einer gemischten Biberschwanzdoppeldeckung ein: eine seltene und nur von uns angewandte, aber im Ergebnis ästhetisch sehr überzeugende Maßnahme. Eine weitere Besonderheit des Daches sind die Fledermausgauben, deren Details der Zimmerer- als auch der Dachdeckerleistungen eine Ausnahmeerscheinung darstellen. Die Mauerkronenab-
deckungen und Wandanschlüsse führten unsere Dachspezialisten in Walzblei aus.

Gewerk Spezialtiefbau

  • Beräumung des überwachsenen Gewölbekellers im Palas
  • Nachgründung durch Kleinbohrpfähle mit einer Gesamtlänge von 2,5 Kilometern und einer Tiefe von bis zu 13 m
  • Einbringen von 1400 m³ Beton und 200 t Bewehrungsstahl an Streichbalken, Fundamenten, Bodenplatten und Decken
  • Sicherung der erhaltenen Teile des Kellergewölbes mit bewehrten Spritzbetonschalen
  • Nachgründung der historischen Umfassungsmauern aus Ortbetonpfählen

 

Gewerk Maurer

  • Ergänzungen des Mauerwerks im Bereich der Wände und Gewölbe mit eigens angefertigten Ziegelsteinen
  • Fugensanierung, Abdichtungsmaßnahmen und Aufbringen von Putzen und Lasuren
  • Verankerungen und Vernadelungen in unterschiedlichsten Ausführungen
  • Risssanierungen und Verpressarbeiten
  • Hohlraumverfüllungen mit Injektionsschaummörtel
  • Schwammbekämpfungsmaßnahmen im Bestandsmauerwerk
  • Neubau der gesamten nördlichen Umfassungsmauer inklusive eines Torbogens

 

Gewerk Restaurierung

  • Formergänzungen im Bereich von Ziegelsteinflächen und Naturwerksteinen

 

Gewerk Dachsanierung

  • Eindeckung des Palas’, des Brauhauses und des Torbogens in gemischter Biberschwanzdoppeldeckung
  • Neubau und Eindeckung von Fledermausgauben mit einer Traglattung aus Rundstahl statt in Holz

 

Gewerk Zimmerer

  • vollständige Neuerrichtung des Dachstuhls des Palas
  • substantielle Erneuerung des Dachstuhls des Brauhauses
  • raumbildender Ausbau des offenen Dachstuhls in Form einer eingehangenen Galerie
  • ingenieurstechnisch abgebundener Dachstuhl mit Verspannungen und Stahlsonderteilen
  • Neubau eines Dachstuhls über der neu errichteten Toreinfahrt
  • insgesamter Verbau von etwa 150 m³ Holz verschiedenster Qualitäten
  • Neubau der Traglattung an den Fledermausgauben mit Rundstahl statt in Holz
  • Verkleidung der Innenseite der Fledernmausgauben durch dünnes Birkensperrholz, das die geschweifte Form der äußeren Gauben vollständig aufnimmt

 

Gewerk Freiflächengestaltung

  • Anlage einer Baustraße einschließlich Dränagearbeiten und temporärer Wasserhaltung auf sumpfigem Untergrund

Zeitraum
2002 – 2008

Ansprechpartner
Enrico Herda

Planungsbüro
Dipl.-Ing. Arch. Thomas Alt
Wilhelm-Staab-Str. 4
14467 Potsdam

Bauherr
Stadt Storkow
Bauamtsleiter Manfred Filor
Rudolf-Breitscheid-Str. 74
15859 Storkow

Fassadentranslozierung in Hamburg, Große Bleichen 34

Um das Haus sanieren zu können und gleichzeitig die historische Fassade zu erhalten, musste die Hausfassade im Hamburger Straßenzug Große Bleichen abgenommen werden. Wir translozierten sie in drei Abschnitten.

 

Glaube vermag Berge zu versetzen. Wir versetzen Wände.

Die Fassade eines ca. 110 Jahre alten Gebäudes stand den Plänen eines Investors bei seinen Bemühungen, ein neues Geschäftshaus zu errichten, im Wege. Da das Bezirksamt Hamburg-Mitte den Erhalt der letzten noch im Straßenzug „Große Bleichen“ erhaltenen historischen Fassade verfügt hatte und ein Neubau wegen einer sehr aufwendigen Bohrpfahlgründung nicht möglich ist, wurden erfreulicherweise wieder einmal wir zu Hilfe gerufen.

 

Aussteifen, Sichern und Zerteilen

In der Vorbereitung ertüchtigten wir die Fassade statisch und trennten sie vom Rest des Hauses. Mittels Sägeschnitt in drei Fassadenelemente geteilt, konnten diese dann für den Transport vorbereitet werden: Kernbohrungen mit eingepressten Stahlträgern, Längs- und Queraussteifungen und dem Anschlagen dieses Tragwerks an eine Krantraverse.

 

Herausheben, Abtransportieren, Zwischenlagern

Die größte Herausforderung bei der Hamburger Translozierung waren – neben dem sehr knappen Vorbereitungszeitraum von nur vier Wochen und der Unzahl zu beantragender Genehmigungen – vor allem die örtlichen Gegebenheiten. So war es beispielsweise unmöglich, für die Vorbereitungsarbeiten einen Kran aufzustellen, die stark befahren, enge Straße war nahezu durchgängig passierbar zu halten und die zahlreichen Belange der umliegenden Hotels, Theater und Geschäfte dieser prominenten Stadtlage im Hanseviertel zu berücksichtigen.
Doch nicht nur die technischen, auch die logistischen und organisatorischen Probleme konnten im Verlauf der knappen Zeit gelöst werden. Die drei Fassadenelemente konnten schließlich erfolgreich mit einem Schwerlastkran aus der Blockrandbebauung gehoben werden und mit Tiefladern zum mehr als einen Kilometer entfernten Zwischenlagerplatz transportiert werden.

Im Jahr darauf setzten wir dann die Fassade als „Kulisse“ wieder vor den fertig errichteten Rohbau des neuen Geschäftshauses.

Spezialleistungen / Gewerk Maurer

  • Translozierung einer Fassade in drei Segmenten zum Zwischenlagerplatz über 1,5 km
  • anschließender Rücktransport und Wiederaufbau

Zeitraum
Juli – August 2007

Ansprechpartner
Bernd Miller

Bauherr
PHM Projekt GmbH & Co. Kg
Herr Patschieder
41352 Korschenbroich

Rokokosaal in der Schwebe – Anspruchsvolle Sanierung der Anna Amalia Bibliothek

Im Feuer der Brandnacht des 2. September 2004 verbrannten in der Weimarer Herzogin Anna Amalia-Bibliothek nicht nur mehr als 50.000 Bücher von unschätzbarem Wert. Vor allem auch das Gebäude selbst wurde vom Feuer stark geschädigt.

 

Weltkulturerbe fast verbrannt

Das historische Bibliotheksgebäude mit seinem berühmten Rokokosaal gehört seit 1998 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Über 1 Millionen Bücher gehören zum Bibliotheksbestand, darunter zahlreiche, die nur noch in wenigen Exemplaren weltweit existieren. Wenige Wochen, bevor die lange geplante Sanierung beginnen sollte, zerstörte ein Großbrand die beiden Mansardgeschosse und beschädigte das Gebäude schwer.

Der Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek war ein dramatisches und folgenreiches Ereignis für die Kulturlandschaft Thüringens und für die Stadt Weimar. Im wahrsten Sinne hautnah war dieser Eindruck für die Mitarbeiter, die über Wochen rund um die Uhr mit großer Einsatzbereitschaft die Brandruine zu sichern, zu beräumen und vor der Witterung zu schützen hatten. Aber auch in der gesamten Folgezeit bis zur Wiedereröffnung blieb die Arbeit an der Bibliothek eine besondere Herausforderung. Die vielfältigen Probleme verlangten nicht nur von den Planern außergewöhnliche Kreativität, sondern auch von den Ausführenden außerordentliches Engagement und Ideenreichtum.

 

Im Kampf gegen Brandschutt und Löschwasser

Insbesondere die bis zu 285.000 Liter Löschwasser, die das Gebäude durchtränkten, haben den komplexen Bauorganismus empfindlich getroffen. Die Schäden reichen von revitalisiertem Befall mit Echtem Hausschwamm an den Fußbodenbalken des Rokokosaals über durchfeuchtete Renaissancegewölbe des Erdgeschosses bis zu komplett durchnässtem Mauerwerk.
Seit dem ersten Tag war die Herzogin Anna Amalia-Bibliothek für uns nahezu tägliche Herausforderung und erforderte zahlreiche innovative Ideen. Bereits am Tag nach dem Brand schwebte über dem noch schwelenden Dachgebälk unser Krankorb, von dem aus die Brandursachenermittler die Situation einschätzten. Die Entscheidung, den nicht begehbaren Brandschutt sofort mit einem am Kranhaken hängenden Minibagger zu beräumen, erwies sich als rettende Idee: Unter der 1,20 m hohen Schicht aus verkohltem Holz, verbrannten Büchern, herabgestürztem Schiefer, Asche und Löschmitteln verbargen sich ausgedehnte Glutnester. Ohne das unverzügliche Abtragen des Brandschutts hätten sich diese Glutnester durch die Decke des Rokokosaales gebrannt – damit wäre dessen Untergang unvermeidlich geworden.
Die ungeheuren Mengen an Löschwasser waren bis in die Gewölbe des Erdgeschosses vorgedrungen und hatten die Gewölbefüllung durchnässt. Um eine Trocknung zu ermöglichen, mussten die Balken aufgenommen werden, die darüber in einer sogenannten Mannlage Balken an Balken den Fußboden des Rokokosaales bildeten. Dabei fanden wir alte Bestände eines Schwammbefalls, den das eingedrungenen Löschwasser revitalisiert hatte und der sich innerhalb kürzester Zeit über die gesamte Manndecke ausbreitete. Die vom Neubefall des Echten Hausschwamms betroffenen Hölzer waren noch nicht physisch zerstört und konnten deshalb nach dem Ausbau durch eine Begasung mit Methylbromid gerettet werden. Viele der Deckenbalken waren jedoch vom Altbefall so zersetzt, dass sie ihre Tragwirkung verloren hatten.

 

Rokokosaal in der Schwebe

Die Masse des Saales lastete somit auf den Gewölbekappen des Erdgeschosses und gefährdete deren Stabilität: es bildeten sich Risse, und die Gewölbe verformten sich. Um diese zu entlasten und die Balken unter den Stützen des Rokokosaales auszubauen, hoben wir den kompletten Rokokosaal um 3 mm an und hielten ihn für viele Wochen in der Schwebe. Dies gelang uns mit einer Stahlkonstruktion, die ihre Anschlagpunkte an Trapezrahmen über der ehemaligen Brandebene des Dachgeschosses hatte und die Lasten des Saales auf die massiven Außenwände leitete.

Die Holzbalken sollten nach der Planung des Ingenieurbüros Trabert und Partner durch massive Stahlträger ersetzt werden. Ein Einbau von neuen Holzbalken war nicht möglich, da der Abstand zwischen Gewölbe und Saal für die erforderlichen Holzquerschnitte zu gering gewesen wäre. Stattdessen ruhen die Stützen des historischen Saales jetzt auf Stahlträgern, welche die Kräfte über die Auflager in die Außenwände der Bibliothek ableiten. Diese Träger, die durch ihre dreigeteilte, um drei Millimeter überhöhte Konstruktion wie eine gewölbte Ebene vorgespannt sind, nahmen beim Ablassen der historischen Holzkonstruktion deren Vertikalschub auf und formten sich erst dadurch zu einer waagerechten Trägerlage.

 

Der Neubau des Daches

Teichfolie statt Wetterschutzdach
Nach der Beräumung des Brandschuttes auf der obersten Deckenebene hatte das Gebäude der Anna Amalia Bibliothek ein Notdach erhalten, dessen Vorhandensein für einen längeren Zeitraum der Sicherung und Instandsetzung auch nach den vorbeschriebenen Verfahren unabdingbar war. Problematisch wurde seine Existenz jedoch mit dem Zeitpunkt, zu dem die Montage der am Boden vorgefertigten großen Dachbinder anstand. Aus diesem Grund haben wir dem Bauherrn eine Technologie empfohlen, die wir mit hohem wirtschaftlichen Nutzen bereits bei der Dacherneuerung der großen gotischen Hallenkirchen St. Marien in Halle und St. Michael in Jena angewendet hatten. An ein Foliennotdach für die Anna Amalia Bibliothek waren auf Grund der kurzen Stellzeiten für das neue Dach weitaus geringere Anforderungen zu stellen; eine einlagige Ausführung mit Schutz gegen mechanische Beschädigungen reichte aus.

Die schützenden Gummischrotmatten stellten mit ihrem Gewicht gleichzeitig auch eine Sogsicherung bei höheren Windgeschwindigkeiten dar. Sorgfalt war allerdings bei der Anarbeitung an aufgehende Konstruktionsteile wie Sparrenfüße sowie bei der Eindichtung der Abläufe geboten. Die Folienabdeckung erwies sich auch auf der Anna Amalia Bibliothek als sehr brauchbare Möglichkeit zur Einsparung von Baukosten.Eigentlich hätten die Zimmererarbeiten im Bereich des Mansarddachs die Montage eines Raumgerüstes erfordert. Ein solches Gerüst kostet nicht nur Geld, es behindert auch immer wieder die durch den Dachraum vorzunehmenden Transporte. So entstand als alternative Zugangstechnik eine einfache Lösung, bei der eine mit Rollen versehene Arbeitsebene auf Gerüstkonsolen verschoben werden konnte.

 

Der Neubau des Daches

Holzprothetik
Die brandgeschädigten Balkenköpfe der Manndecke konnten nur durch das BETA-Verfahren denkmalverträglich saniert werden. Im Feldbereich der Deckenbalken wurde mit dem Polymerbeton COMPONO eine wesentliche Erhöhung der Tragfähigkeit erreicht.

Mauerwerkstrocknung
Die Mauerwerkstrocknung durch Mikrowellen und Infrarottechnologie konnte im Rahmen eines Forschungsvorhabens beurteilt und bewertet werden, das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert wurde.

Schwammbekämpfung

Die Schimmelbekämpfung an den Deckenbalken konnte nur durch eine Begasung mittels Methylbromid erfolgen, wobei auch gleichzeitig alte Schadstellen des Echten Hausschwammes mitbehandelt wurden. Die fungizide Wirkung von Methylbromid hat hier zur Abtötung aller Pilze geführt.

Bereits im Oktober 2007, zum 200. Todestag Anna Amalias, konnte das historische Stammgebäude der Bibliothek als „Studienzentrum für das alte Buch“ wiedereröffnet werden.
Die beim Brand verlorene zweite Galerie des Rokokosaals beherbergt heute unter dem von uns gerichteten Dachstuhl einen Sonderlesesaal.

Spezialleistungen

  • Beräumung der Brandebene, beginnend am Morgen nach dem Brand
  • Notsicherung der oberen Geschoßdecke und des Stucks im Rokokosaal
  • Bewahrung der Geschoßdecke vor dem Einsturz
  • Temporäre Abdichtung der offenen Dachebene mittels Teichfolie anstatt eines Wetterschutzdaches
  • Anheben des gesamten Rokokosaals zum Einbau einer neuen Tragkonstruktion
  • zahlreiche weitere Leistungen in den Gewerken Zimmerer und Maurer

 

Gewerk Zimmerer

  • Herstellen Notdach
  • Neubau von Dachstuhl
  • Bautrocknung, Reinigung
  • Schwammbekämpfung mit Microwelle
  • Schädlingsbekämpfung durch Begasung
  • Sanierung und Verstärkung der Deckenbalkenebene des Rokokosaals
  • Verstärkung durch neue Stahlträger in Deckenebene
  • Konstruktion des Daches
  • Brettschichtholzgebinde in Mansarddachform mit eingeschlitzten Stahlsonderteilen
  • Eingehängte Koppelpfetten und aufgesetzte Zwischensparren
  • Zwischengehängte Deckenbalken mit aufgeschraubter Furnierschichtplatte als aussteifende Scheibe
  • Einbau von Gaupen nach historischem Vorbild
  • Abdichtung des Gebäudes in der Montageebene mit Spezialfolie

 

Gewerk Maurer

  • bergmännisches Abteufen eines Aufzugsschachtes im bestehenden massiven Wandbereich

 

Monumedia

  • 3D-Visualisierung von verschiedenen Sicherungs- und Sanierungsverfahren im Rahmen des Projektes “Beseitigung spezieller Löschwasserschäden im Stammhaus” der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU)
  • Photogrammetrie der geschädigten Decke im Rokokosaal
  • Photogrammetrie der Fussbodenebene

Zeitraum
Sep. 2004 – Dez. 2007

Auftragswert
327.750,- € (brutto)

Ansprechpartner
Dipl.-Ing. Bernd Miller
Dipl.-Ing. Jörg Frobel
Dipl.-Ing. Holger Schmidt

Planungsbüro
Architekturbüro
Grunwald + Burmeister
Rainer-Maria-Rilke-Str.35
99425 Weimar

Bauherr
Stiftung Weimarer Klassik
Burgplatz 4
99425 Weimar

Rundumsanierung bei laufendem Betrieb

In der Regel ist ein Denkmal ein zur Ruhe gekommenes Monument. Am Erfurter Anger 10 erlebten wir das Gegenteil: Ein Denkmal voller Lebendigkeit, dessen Nutzung durch die Sanierung nicht beeinträchtigt werden durfte.

 

Altes Freimaurerhaus am Anger strahlt wieder

Die Freimaurerei hat eine lange Tradition. Was Anfang des 18. Jahrhunderts in England zunächst mit dem Ziel des Zusammen- schlusses von Handwerkern entstand, avancierte durch die aufkommende akademische Bewegung bald zum Überbegriff für Weltoffenheit und Toleranz.

Die Geschichte der deutschen Freimaurer begann 1737 in Hamburg. Nachdem dort die erste Loge auf deutschem Boden gegründet wurde, schwappte die Gründungswelle der Freimaurerlogen auf das gesamte Reichsgebiet über. So gründete sich am 17. Februar 1797 in Erfurt u. a. die Loge „Licht und Wahrheit“, die sich allerdings im Zuge der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten – denen eine solch liberale Geisteshaltung fremd war – im April 1933 auflösen musste.

Das von uns restaurierte Haus am Anger 10 in Erfurt, dessen markante Sandsteinfassade schon einen selbstsicheren und stolzen Eindruck vermittelt, wurde im Jahre 1896 erbaut und diente lange als Treffpunkt der Erfurter Freimaurer.

 

Eine Sanierung während des Tagesgeschäftes

An die alten Freimaurer erinnern allerdings lediglich noch die an der Fassade glänzenden, für Menschlichkeit und Arbeit stehenden Symbole Winkel und Zirkel. Im Inneren sind Kreditinstitute, Immobilien- und Kommunikationsfirmen sowie Modegeschäfte untergebracht. Das bedeutete, dass eine Sanierung während des Tagesgeschäftes und laufenden Betriebes stattfinden musste, was bei dem Umfang der auszuführenden Leistungen keine einfache Aufgabe war. Das Ziel der dortigen Sanierung war eine Überarbeitung der gesamten Dachkonstruktion sowie der Gaupen, der Dachdeckung und der Einbau einer nichtvorhandenen Dämmung als Vorarbeit für einen kompletten Dachausbau. Der Bauherr, eine Immobilienfirma aus Berlin, schenkte uns sein vollstes Vertrauen, dass sämtliche Sanierungsarbeiten ohne Beeinträchtigung der Mieter dieses Hauses vonstatten gehen würden.

Hier mussten hohe Anforderungen an die Durchsetzung des Arbeitsschutzes gestellt werden, was in der Endkonsequenz den Einsatz einiger Schnellinnovationen, wie die Trennung zwischen dem Sanierungsbereich und dem Arbeitsbereich der Computer- arbeitsplätze durch abgehangene Kassetten- bzw. Unterdecken, erforderlich machte. Auch außerhalb des Gebäudes musste im Bereich des Angers auf bestimmte Veranstaltungen und Märkte Rücksicht genommen werden. Dies wurde uns immer wieder durch ein beherztes Eingreifen einiger Damen des Ordnungsamtes versüßt, welche des Öfteren versuchten, über den Kopf des Kulturdezernates hinweg unsere Baustelle zum Stillstand zu bringen, was allerdings zur Folge gehabt hätte, dass der angesetzte Weihnachtsmarkt vollends entfallen wäre.

Gewerk Zimmerer

  • komplettes Entkernen der Dachräume
  • Sanierung der tragenden Holzkonstruktionen
  • Dämmen des gesamten Daches
  • komplette Überarbeitung des Fußbodenaufbaues von den Deckenbalken bis über den Teppichboden

 

Gewerk Restaurierung

  • steinmetzmäßige Überarbeitung bzw. das Herstellen von zerstörten Sandsteinelementen am geschwungenen Ziergiebel des Gebäudes

 

Gewerk Maurer

  • Maurer- und Putzarbeiten an Brandwänden und im Traufbereich
  • Erstellen von Trockenbauwänden, Fliesenspiegel, Malerarbeiten etc.

 

Zukunftssicherndes Projekt für das Erfurter Augustinerkloster

Mit der Rückverformung von Teilen des kriegsgeschädigten Bibliotheksgebäudes begann der Ausbau des Erfurter Augustinerklosters zu einem geistlich-kulturellen Zentrum der evangelischen Kirche in Thüringens Landeshauptstadt.

 

Rückverformung der westlichen Bibliotheksmauer

Für den weiteren Ausbau des bedeutenden Tagungs- und Begegnungszentrums der evangelischen Landeskirche war der Wiederaufbau des im Bombenkrieg zerstörten Biliotheksgebäudes beschlossen worden. Von den anstehenden Sanierungs-
leistungen durften wir einige Teile in unterschiedlichen Gewerken ausführen, die von uns im Oktober 2002 mit einem kleinen technologischen Glanzlicht abgeschlossen wurden.
Ein Teil der westlichen Bibliotheksmauer mit zwei gotischen Fenstern war zwar von dem gewaltigen Druck der Luftmine verformt worden, hatte ihm aber grundsätzlich standgehalten. Man hatte die Mauer mit einer mittleren Neigung von 5° neben dem ausgeräumten Keller belassen. Für eine Einbeziehung in den Neubau hätte sie abgebrochen und lotrecht wiederhergestellt werden müssen, denn mit dieser Schräglage war sie statisch nicht belastbar. Stattdessen schlugen wir vor, das Mauerstück wieder soweit in die Senkrechte aufzurichten, wie ihre horizontalen Krümmung dies erlaubte. Mit der Rückverformung von historischem Mauerwerk hatten wir an verschiedenen Objekten Erfahrungen sammeln können.
Von dem Mauerstück wurde zunächst ein verformungsgerechtes Aufmaß erstellt und die Masse mit einem Wert von 86 t berechnet. Dann waren unterhalb einer Kippachse Bohrungen einzubringen und mit Stahlträgern zu bestücken. An diesen Stahlträgern (s. Bild 2) konnten wir computer-
gesteuerte Hydraulikpressen ansetzen, um mit dem Hubweg als Führungsgröße das Wandstück anzukippen. Um die unterschiedliche Neigung des Stückes ein wenig auszugleichen, wurde dem Mauerwerk dabei eine geringfügige plastische Verformung zugemutet. Nach der Lagekorrektur der Mauer waren nur noch der horizontale und vertikale, mit Diamantseilsäge hergestellte Schnitt wieder zu schließen.

Gewerk Maurer

  • Horizontale Kernbohrungen in das historische Fundamente
  • Fundament- und Baugrundvergütung zur Herstellung der Transportstabilität
  • Abtrennen des Mauerteils mit Diamantseilsägetechnik

 

Spezialleistungen

  • Computergestützer Hubvorgang eines 86 t schweren Mauerteils mittel hydraulischer Pressen
  • Rückverformung der historischen Mauerwerks unter Sicherrung durch ein Stahlkorsett

Zeitraum
2002

Ansprechpartner
Jörg Frobel

Objektadresse
Ev. Augustinerkloster Erfurt
Augustinerstraße 10
99084 Erfurt

Austausch einer Säulentrommel am Brandenburger Tor

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Schaden am Brandenburger Tor nur notdürftig mit Holzstützen gesichert. Im Rahmen einer Gesamtrestaurierung 2000 bis 2002 tauschten wir mit großem technischen Know-how eine Säulentrommel aus.

 

Ein lange vergessener Kriegsschaden

Bei der großen Restaurierungskampagne ab dem Jahr 2000 entdeckte man am Brandenburger Tor einen lange vergessenen Kriegsschaden: Eine Säule hatte man in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg nur notdürftig repariert und die mit Holz ausgesteifte Fehlstelle später mit Sandstein verblendet, so dass auf den verbleibenden Säulenquerschnitt von wenigen Quadratzentimetern eine Last von mehr als 80 Tonnen einwirkte. Langfristig gefährdeten damit die vom Verfall bedrohten Holzstützen im Inneren der Säule die Stabilität eines der berühmtesten Bauwerke Deutschlands.

Wegen unserer bei Umlastungen und Translozierungen an verschiedenen Denkmalobjekten gewonnenen Erfahrungen konnten wir ein Sanierungskonzept vorlegen, das einen Austausch der geschädigten Säulentrommel in drei Abschnitten vorsah. Eine Herausforderung war es dabei, dass die Entnahme jeweils eines tragenden Abschnittes der Säule unter voller Last erfolgen musste, da die komplizierten Bodenverhältnisse eine Ablastung in den Untergrund neben der Säule nicht zuließen. Daher konzipierten wir eine zwischenzeitliche Abstützung durch rechnergesteuerte hydraulische Pressen innerhalb des Säulenquerschnittes. Die eigentlich verworfene Säulentrommel musste dafür statisch ertüchtigt werden. Nach dem Ausbau jeweils eines Drittels der geschädigten Säulentrommel wurden dann über ein mehrschichtiges Verschubsystem drei Sandsteinsegmente versetzt. Für deren Lagerfugen kam ein Spezialmörtel zum Einsatz: In dem Maße, wie dessen Festigkeit zunahm, konnten die Pressenkräfte heruntergefahren werden. Schließlich konnte die – die Originalsubstanz schützende – Stahlmanschette abgebaut und die neue Säulentrommel zur steinmetzmäßigen Bearbeitung freigegeben werden.

Nicht nur der Ausbau des geschädigten Säulenelementes und die temporäre Sicherung der unter einer Last von 80 t stehenden Säule erforderte ein innovatives Verfahren. Auch der Einbau der drei Segmente aus Sandstein erwies sich als ziemlich intelligenzintensives Vorhaben. Bei der Kombination von großer Masse mit minimaler Fugenbreite waren die üblichen Versetztechniken des Steinmetzhandwerks überfordert, so dass ein mehrschichtiges Verschubsystem konstruiert werden musste. Während die Vertikalfugen zwischen den Segmenten mit Epoxydharz vergossen wurden, kam in den Lagerfugen ein Spezialmörtel zum Einsatz. In dem Maße, wie die Druckfestigkeit dieses Mörtels zunahm, konnten die Pressenkräfte heruntergefahren werden. Letzter Akt der Sicherung war der Einbau von neun eingeklebten Edelstahlankern in das neue Element, das noch weitere vier Wochen messtechnisch überwacht wurde, bis wir schließlich die Stahlmanschette abbauen und die Säulentrommel zur steinmetzmäßigen Überarbeitung freigeben konnten.

Gewerk Maurer

  • Austausch einer kriegszerstörten Säulentrommel bei Ablastung einer anstehenden Last von 80 Tonnen innerhalb des Bauwerks und gleichzeitiger B
  • Begrenzung der Verformung am Bauwerk um wenige hundertstel Millimeter

 

Gewerk Restaurierung

  • Spezialmontage von Natursteinelementen
  • Steinmetz- und Steinbildhauerarbeiten

Zeitraum
2000 – 2002

Ansprechpartner
Bernd Miller
Sören Blankenburg

Objektadresse
Brandenburger Tor
Berlin

Gegen das Niederschlagswasser im Glockenturm

Bereits 1997 erfolgten erste Sicherungsmaßnahmen am Glockenturm der Gedenkstätte Buchenwald. Doch Haarrisse in den Fugen ließen weiter Niederschlagswasser eindringen. Eine nachhaltige Versiegelung der Fugen erreichten wir vier Jahre später durch die innovative Sandwich-Verfugung.

 

Mauerwerkssanierung je nach Wetterlage

Das relativ gute Erscheinungsbild der Fugen am Glockenturm des Buchenwald-Denkmals stand in krassem Gegensatz zur manchmal erstaunlichen Ergiebigkeit der in den Innenraum austretenden Quellen.

Die Verfugung schien insgesamt durchaus intakt zu sein, wenn man von zahlreichen haarfeinen Flankenabrissen und einzelnen lokalen Defekten absah. Doch der massive Glockenturm ist ein Lehrbeispiel zum Thema der Wanderung von Niederschlagswasser in einem Fugennetz.

Während für die Sanierung der Ost-, Süd- und Nordseite das Hochdruckspritzverfahren ausreichend erschien, kam für die durch Schlagregen außergewöhnlich stark belastete Westfassade die Sandwich-Verfugung zur Anwendung, die wir bereits an anderen Objekten mit Erfolg eingesetzt hatten.

 

Die Sandwich-Verfugung

Diese Verfahren folgt der Idee:

  • des Einbringens einer dauerelastischen Grundfuge auf Acryl-Basis mit hoher Haftzugfestigkeit an den Fugenflanken, welche die Aufgabe der Langzeitabdichtung der Bauwerksoberfläche zu übernehmen hat
  • des Aufbringens einer mineralischen Mörtel-Deckfuge als „Wetterschale“ und Sichtelement; sie gewährleistet den Schutz der Dichtfuge vor UV-Strahlung und anderen Witterungseinflüssen
  • einer form- und kraftschlüssigen Verbindung der beiden Schalen durch Streifen aus Edelstahlgewebe

Spezialleistungen

  • Verfugung des Natursteinsockels mittels Sandwich-Verfahren Mauerwerkssanierung
  • Beseitigung der Wasserschäden im inneren und äußeren Bereich durch Wanderung von Niederschlagswasser aufgrund zahlreicher kleiner Fugendefekte

 

Zeitraum
2001

Ansprechpartner
Bernd Miller

Planungsbüro
Dipl.-Ing. Lothar Stölzel
99438 Bad Berka


Gewerk Maurer

  • Mauerwerkssanierung – Beseitigung der Schäden an Beton und Bewehrung aufgrund des Eindringens von Niederschlag
  • Beseitigung Stalaktitenbildung im oberen Geschoss
  • Sanierung der Aufweitung des Turmganges in 38 m Höhe und der dadurch gerissenen eisernen Geländergurte (durch Frostsprengung in Fugen)


Zeitraum
1997

Ansprechpartner
Bernd Miller

Planungsbüro
Dipl.-Ing. Lothar Stölzel
99438 Bad Berka

Bauherr
Gedenkstätte Buchenwald
Herr Mönch
Herr Bleibtreu