Ausgewählte Referenzen

Restaurierung

Beten und Arbeiten im Zisterzienserkloster Walkenried

Die Hansestadt Wesel am Rhein kann seit dem Sommer 2011 wieder stolz auf eines ihrer bedeutendsten historischen Wahrzeichen blicken. Dank des unermüdlichen Engagements der Bürgerinitiative Historisches Rathaus Wesel e.V. hat die Rekonstruktion der spätgotisch-flämischen Rathausfassade von 1455 nach ihrer völligen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg einen erfolgreichen Abschluss gefunden.

 

Wachsender Wohlstand und ein neues Rathaus

Die stolze Bürgerschaft Wesels zeichnete sich in allen Epochen durch ein großes Engagement aus. So machten sich schon Anfang des 15. Jahrhunderts Weseler Bürger mit geistlichem Beistand durch den Prior des Dominikanerklosters in Wesel, Heinrich von Essen, nach Lübeck auf den Weg, um den Beitritt zur Hanse zu beantragen. Darauf entwickelte sich die Stadt zum wichtigsten Stapel- und Umschlagplatz zwischen Amsterdam und Köln.

Der wachsende Wohlstand der Stadt ermöglichte es den Weseler Bürgern, sich ab 1455 ein neues Rathaus zu errichten. Die Fassade war sechsfach senkrecht unterteilt und zusätzlich stark vertikal gegliedert. Sie hatte eine Liliengalerie über hochgotischen Spitzbogenfenstern und auf Fernwirkung abgestellte, schlanke Fialen. Auf der Marktseite erhielt der Anbau eine Freitreppe und ein Portal. Zwischen den Fenstern des ersten Stockes standen Skulpturen, ehemals Heilige mit Bezug zu Wesel und zum Niederrhein, die im 19. Jahrhundert durch deutsche Fürsten ersetzt wurden. Das Problem einer immer größer werdenden Verwaltung existierte schon im 17. Jahrhundert, so dass das gotische Rathaus nicht mehr den Anforderungen der Zeit entsprach. Durch die Nutzung der Nachbarhäuser östlich vom bisherigen Rathaus konnte die Amtsfläche vergrößert werden. Für die Fertigstellung des barocken Anbaus mit der imposanten Turmgestaltung ist das Jahr 1698 überliefert.

 

„Wesel hilft sich selbst“

Während des Zweiten Weltkrieges geriet Wesel insbesondere wegen seiner strategischen Lage ins Visier der Alliierten; im Februar 1945 führten Bombenangriffe und Granatbeschuss zu einer weitgehenden Zerstörung der Stadt. Am 23. März zerstörten in Vorbereitung der Operation „Plunder“ Bomber und 3.000 Geschütze 97 Prozent des Stadtgebiets, bis Wesel schließlich von alliierten Truppen eingenommen wurde.

Nach dem Krieg gründeten Wesels Bürger das Notstandswerk „Wesel hilft sich selbst“. Den überwiegenden Teil der Gebäude errichtete man in der für die Nachkriegszeit typischen, zweckmäßigen Architektur. Als 1986 die seit dem Zweiten Weltkrieg brachliegende Südseite des Großen Marktes im modernen Stil bebaut werden sollte, gründete der Weseler Unternehmer Dr. Siegfried Landers zusammen mit Freunden und Weggefährten die Bürgerinitiative „Historisches Rathaus Wesel“. Die kühne Idee dieser Initiative bestand darin, anstelle einer modernen Stahl-Glas-Fassade die historische Fassade des Rathauses zu rekonstruieren und den

Bürgern ihrer Heimatstadt das Bewusstsein einer auf langer Geschichte beruhenden urbanen Identität wieder zu geben.

Die Bürgerinitiative verlor ihr Ziel trotz manchem Gegenwind von Kommunalpolitikern, Bau- und Kunstexperten nicht aus den Augen. Mit viel Engagement und Einfallsreichtum wurde immer wieder die Idee der rekonstruierten Rathausfassade präsentiert. Die Akzeptanz des Vorhabens erhöhte sich ungemein und die Bürgerinitiative begann 2003 Geld für die Fassadenrekonstruktion zu sammeln. Schließlich erkannte der Rat der Stadt den Bürgerwillen an und erklärte sich gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen bereit, mit Fördermitteln die Rekonstruktion zu unterstützen. Für die Umsetzung des Projektes gründete sich 2006 die Bürgerstiftung „Historisches Rathaus Wesel“, die als Bauherr fungiert. Im Jahr 2007 erfolgte die Grundsteinlegung und Dombaumeister Prof. Dr. Wolfgang Deurer begann mit umfangreichen Untersuchungen und Planungen zur Fassadenrekonstruktion.

 

Die Werkplanung – Von der Quelle zum 3D-Solid-Modell

Bestandteil unserer Leistung waren unter anderem die Herstellung einer Vielzahl von Modellen für die Bildhauerarbeiten und die Werkplanung für Fassade und Dach. Besonders die Werkplanung stellte große Anforderungen, da durch die Kriegsschäden in Wesel nur wenige historische Quellen verfügbar waren. Aus den Vorgaben von Prof. Deurer und einigen Fotos wurden die Fassadenelemente zeichnerisch in CAD rekonstruiert.

Für uns war es beeindruckend zu erleben, wie Prof. Deurer auf großformatigem Papier und mit weichem Bleistift Krabben und Kreuzblumen entwarf – andererseits erfüllte es uns mit Stolz, dass wir den skeptischen Prof. Deurer von den Vorteilen moderner Werkplanung überzeugen und seine Vorgaben zügig in die CAD-Zeichnungen übertragen konnten. Aus der 2D-Planung für die gesamte Fassade konnte ein 3D-Solid-Modell erstellt werden, aus dem sich alle Bauteile einzeln für die Bearbeitung an der 5-Achs-CNC-Fräse in unserer Werkstatt exportieren ließen.

 

Steinbearbeitung mit der 5-Achs-CNC-Fräse

Die ehrgeizige Vorstellung der Bauherren, die Fassade innerhalb von 18 Monaten herzustellen und zu versetzen, war nur unter Verwendung moderner Fertigungstechnik für das Herstellen der Werksteine zu realisieren. Dazu konnten aus dem 3D-Solid-Modell der Fassade alle Bauteile einzeln als 3D-DWG-Datei für die Bearbeitung an der 5-Achs-CNC-Fräse exportiert werden.

Mit unserem 5-Achs-CNC-Bearbeitungszentrum in der Lage, komplizierte Werksteinelemente in kurzer Zeit herzustellen.

Gewerk Maurer

  • Entfernung loser Teile der Mauerkrone und des Bewuchses sowie vorhandener Risse mittels Personenlift
  • Wiederherstellung des Raumerlebnisses im Refektorium durch Rückbau des später eingefügten Kreuzgewölbes
  • Mauerwerksertüchtigung in der Abtei, der “Latrine”, im “Prolog” und dem nordöstlichen Treppenhaus
  • Bestücklung und Ausstellung mit aufgefundenen Artefakten, Spolien, Statuen und Werksteinfragmenten früherer Bauphasen des Klosters

 

Gewerk Zimmerer

  • Instandsetzung des Dachstuhls und angrenzender Dachstuhlteile des Kalefaktoriums bzw. Dormitoriums
  • Errichtung einer begehbaren Fläche im 1. Obergeschoss über dem Kreuzgratgewölbe des Brüdersaales
  • Die komplette Erneuerung der Aufschieber auf der Ostseite die Dacheindeckung einschließlich Dachlattung
  • Aufgedübelte Dämmung aus Mineralfaserdämmplatten im Bereich der Gewölbe über dem Brüdersaal
  • Aufarbeitung der historischen, bauseits vorgehaltenen ca. 5 cm starken Dielenbretter

 

Gewerk Restaurierungen

  • Restauratorische Bearbeitung von Wand-, Putz-. Werksteinflächen und Fußböden
  • Bestückelung uns Ausstellung mit aufgefundenen Artefakten, Spolien, Statuen und Werksteinfragmenten früherer Bauphasen des Klosters

Zeitraum
2004 – 2006

Auftragswert
450.000,- € (brutto)
680.000,- € (brutto)

Ansprechpartner
Bernd Miller

Planungsbüro
Architekturbüro Kleinberg und Pohl
Hamburger Straße 267
38114 Braunschweig

Objektadresse
Kloster Walkenried
Steinweg 4a
37445 Walkenried

Steinmetzkunst und Hochtechnologie – Gotische Fenster im Collegium Maius, Erfurt

Die Wiedererstehung des im Bombenhagel untergegangenen alten Hauptgebäudes der Erfurter Universität krönten wir mit der Rekonstruktion der beispiellosen spätgotischen Stabwerksfenster. Die geborgenen Originalteile konnten wir in die neu erschaffenen Fenster integrieren.

Die Wiedererrichtung verlorengegangener Baudenkmäler

Die Wiedererrichtung verlorengegangener Baudenkmäler ist in jedem Einzelfall ein lebhaft umstrittenes Vorhaben. Dies gilt auch für das als Collegium maius bezeichnete Hauptgebäude der alten Erfurter Universität, das im Februar 1945 durch Bomben zerstört wurde. Damals sank ein Bauwerk von europäischem Rang in Schutt und Asche, das an der Schwelle von der Gotik zur Renaissance entstanden war. Bei dem 1485 begonnenen Bau hatte man ein Erdgeschoss mit aufwändigem Portal und Fenstern im Stil der Spätgotik geschaffen. Die Gotik setzt sich am Obergeschoss des Nordgiebels in grandioser Weise mit drei Stabmaßwerkfenstern fort, die bei Profanbauten zumindest in Mitteldeutschland ohne Beispiel sind. Wie ein geraffter Vorhang löst sich das Maßwerk von der Wand ab und schwingt in eigenwilligem Kontrast in organischen Bögen zum geraden Fenstersturz hin.

 

Hauptgebäude der alten Universität

Das Collegium maius war das Hauptgebäude und Herzstück der Universität in Erfurt, die von 1392 bis 1816 bestand. Nach der Zerstörung des Altbaues im Jahre 1945 wurde es ab 1998 im alten Stil wiedererrichtet. Im Jahr 2011,nach verschiedenen Umbauarbeiten und angegliederten Neubauten, zog das Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands in das neue Collegium maius ein.

 

Die Rekonstruktion eines einzigartigen Maßwerks

Parallel zum Innenausbau nahm die neue Eigentümerin die Restarbeiten an der Fassade in Angriff. Mit deren Ausführung wurden die Bennert Restaurierungen beauftragt. Unsere Steinmetzen mussten dazu weit über die Grenzen ihres Handwerks hinausgehen und Technologien nutzen, die vor wenigen Jahren noch unbekannt waren. Aus dem Kriegsschutt hatte man 1945 zahlreiche Maßwerkfragmente geborgen. Gemeinsam mit einigen gefundenen Fotos, die bereits Architekten des frühen 20. Jahrhunderts zu Ergänzungsversuchen mit Bleistift veranlasst hatten, sollte die Rekonstruktion des einzigartigen Maßwerks gemeinsam mit dem Ingenieurbüros Romstedt Gehring & Werner gewagt werden.
Ein Teil der wiederzuverwendenden Fragmente war viel zu massiv für eine effektive Handhabung bei der Suche nach möglichen Anschlussflächen. Statt sie mühsam mit diversen Hebezeugen einander anzupassen, wurden sie mit dem Ergebnis einer vollständigen dreidimensionalen Digitalisierung ihrer Geometrie eingescannt. Anschließend konnten exakte Modelle der Bruchstücke unter Benutzung eines Digital Fabricators – auch Fabber oder 3D-Drucker genannt – für die Anpassung wie bei einem Puzzle im Maßstab 1:7 hergestellt werden.
Für die Fenster des Nordgiebels wurden insgesamt etwa 20 m³ Neuteile und aufgearbeitete Altteile bereitgestellt. Dem Versetzen dieser großen Massen stellte sich ein grundsätzliches Hindernis in den Weg. Eine statische Überprüfung ergab, dass die darunterliegenden Fenster des Erdgeschosses nicht imstande waren, die auf sie einwirkenden Lasten abzuleiten. Gemeinsam mit dem Planungsbüro Bauconsult Hermsdorf konnte eine Lösung gefunden werden, welche in einer die gesamte Breite des Nordgiebels überspannenden Betonkonstruktion bestand, an die alle drei Fenster gehängt wurden. Für das Anhängen waren die Fensterstürze mit Stahlbetonbalken aufzudoppeln. In die rekonstruierte Nordfenstergruppe sind die originalen Fragmente gemeinsam mit den neuen Werkstücke integriert. Dabei konnte ein Maximum an Originalsubstanz unverändert erhalten werden, ohne die ursprüngliche Ansicht zu verfälschen. Die reiche Profilierung und das geometrische Gestaltungsprinzip erschließen sich dem Betrachter, jedoch bleiben bei einem geringen Betrachtungsabstand alle Bruchflächen und Inhomogenitäten innerhalb des Maßwerks sichtbar, so dass der Originalbestand eindeutig von den Neuteilen unterschieden werden kann.

Die einzigartigen Maßwerkfenster beschließen würdevoll den Großen Saal des Landeskirchenamtes.

Gewerk Restaurierung

  • Wiederaufbau weiter Teile des Gebäudes in den Stilen der Spätgotik und Renaissance
  • umfangreiche Steinbildhauerarbeiten zur Rekonstruktion des Kathederfensters sowie der Nordgiebelfenster
  • Neuanfertigung von Werksteinen aus Seeberger Sandstein
  • Rekonstruierung gotischer Bauelemente unter Einbeziehung der in Form von Bruchsteinen vorhandenen Bausubstanz
  • Restaurierung der Außenfassade
  • freihändige Entwicklung der Fenstergewände – Rekonstruktion der letzten Bauteile
  • Ausführungstechnologie – Vorfertigung von Sturzelementen, die Einzelsteine miteinander verbinden

Zeitraum
2009 – 2011

Ansprechpartner
Sören Blankenburg

Planungsbüro
Romstedt, Gehring & Werner
Ingenieurbüro für Restaurierung
Geleitweg 97/98
99334 Kirchheim

Bauherr
Evangelische Landeskirche in Mitteldeutschland
Michaelisstraße 39
99084 Erfurt

Die Restaurierung des Brautportals an der Jenaer Stadtkirche

In mehreren Bauabschnitten wurde die Stadtkirche St. Michael seit 1996 unter der Leitung von Dombaumeister Prof. Dr. Wolfgang Deurer aufwendig saniert. Gerade fertiggestellt wurde der 3. Bauabschnitt, die Restaurierungen am Brautportal der bemerkenswerten Hallenkirche mit einem beeindruckenden Ergebnis.

„Wie ein Möbel vor der Kirche“

Die Urform des Trauungszeremoniells in der Kirche war ursprünglich die sogenannte Kirchtür- oder Brauttorvermählung des späten Mittelalters, bei der der Priester das Brautpaar nicht innerhalb des Kirchenbaus sondern unter freiem Himmel vor der Kirchentür – oder eben vor den an großen Kirchen eigens errichteten Brautportalen – traute. Solche Brautportale sind noch an Kirchen in einigen deutschen Städten – wie eben auch an der Jenaer Stadtkirche – erhalten.

In den letzten Jahrzehnten bot sich das Brautportal selbst dem Betrachter jedoch weit weniger verführerisch dar: Die Sandsteinoberflächen der fein gegliederten gotischen Bauzier waren korrodiert und verwittert; Abschuppungen und Absandungen hatten bis hin zum totalen Formverlust geführt. Auch die vergröberte Wiederherstellung verlorener Maßwerkteile in den 1990er Jahren verbesserte das Erscheinungsbild kaum. Zudem hatten die gotischen Baumeister den ebenso prächtigen wie ungewöhnlichen Bogen über der Doppeltür an der statischen Grenze zur Einsturzgefahr gebaut. Spätere Jahrhunderte hatten immer wieder versucht, dieses Problem zu korrigieren und dabei auch ihre ästhetischen wie statisch unbefriedigenden Spuren hinterlassen. Bei der Erarbeitung des Restaurierungskonzeptes war für das Planerteam daher der Ersatz des alten untauglichen Tragwerkes durch ein modernes und reversibles Tragelement eines Spritzbetonbalkens die einzig folgerichtige Maßnahme.

 

Die Kür der Steinrestaurierung

Die ungewöhnliche Maßwerkkonstruktion – ein vergleichbares, aber einfacher gestaltetes Pendant findet sich noch an der Teynkirche in Prag – ging durch die komplette Bandbreite einer Kur unserer Steinrestaurierung. Im Maßwerk gab es viele Fehlstellen, die zum Teil – wo keine Ornamentik mehr vorhanden war – großflächig durch Modellbau in der Fassade, zum Teil sparsam durch Mörtel, hoch anspruchsvolle Formergänzungen und Vierungen erst behutsam rekonstruiert werden mussten. Das Steindach über der Seitenkapelle erstellten wir nach dem historischen Vorbild neu. Die Maßwerke an den Kielbogenfenstern mussten unter Berücksichtigung der historischen Verformung neu geschaffen werden. Dabei kam auch unser hochmodernes 5-Achs-CNC-Steinbearbeitungszentrum zum Einsatz: Die originalen Anschlussbauteile wurden durch Laserscanner digitalisiert und die Ergänzungen verformungsgerecht vorkonstruiert. Der qualifizierte Steinmetz wird durch die 5-Achs-Fräse nicht ersetzt, aber sie macht die Ausführung vieler Arbeiten in der Kürze der Zeit überhaupt erst möglich. Oft genug war dann auch das Einfühlungsvermögen in die Formensprache der spätgotischen Steinmetzen gefragt: Fehler, Knicke und Asymmetrien waren in die Ergänzungen einzubeziehen: diese scheinbaren Makel sind oft Ursache für die Dynamik und Lebendigkeit gotischer Fassaden. So übernahmen unsere Steinmetzen ebenso die bauzeitliche Asymmetrie im hängenden Maßwerkfries über dem doppelten Portal. Nun steht als Abschluss nur noch die künstlerische Gestaltung des Glasfensters in dem großen Bogenfeld über dem Maßwerkfries aus.

Am 11. Dezember 2011 wurde das Jenaer Brautportal nach zwei Jahren Bauzeit fertiggestellt. Den Steinmetzen der Bennert Gruppe oblag die aufwändige Konservierung und Restaurierung des reich verzierten Portals, die ohne die außergewöhnlichen Planungsleistungen der Ingenieurbüros Romstedt Gehring & Werner und Ingenieurbüro für Bauwerkserhaltung Weimar nicht möglich gewesen wären. In einem feierlichen Akt fand die offizielle Enthüllung der künstlerisch herausragenden Pforte statt.

Neben der Enthüllung des Portals setzten unsere Mitarbeiter der Dachsanierung die eigens angefertigte Wetterfahne in Form des Erzengels St. Michael auf den Kirchendachfirst auf.

Gewerk Restaurierung

  • Mauerwerk- / Kalksteinreinigung
  • Natursteinfestigung
  • Rissklebung
  • Formergänzungen / Vierungen
  • Retusche
  • Bildhauerische Kopien
  • Laserreinigung und Lasur
  • Neuverfugung
  • Restaurierung Treppenstufen

Zeitraum
2009 – 2011

Auftragswert
700.000,- € (brutto)

Ansprechpartner
Sören Blankenburg

Planungsgemeinschaft
Romstedt Gehring & Werner Kirchheim /
Ingenieurbüro für Bauwerkserhaltung Weimar

Bauherr
Jenaer Kirchbauverein e.V.
Dr. Franz von Falkenhausen
c/o Superindentur Jena
Lutherstr. 3
07743 Jena

Mit Liebe zum Detail – die Rekonstruktion der historischen Rathausfassade zu Wesel

Die Hansestadt Wesel am Rhein kann seit dem Sommer 2011 wieder stolz auf eines ihrer bedeutendsten historischen Wahrzeichen blicken. Dank des unermüdlichen Engagements der Bürgerinitiative Historisches Rathaus Wesel e.V. hat die Rekonstruktion der spätgotisch-flämischen Rathausfassade von 1455 nach ihrer völligen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg einen erfolgreichen Abschluss gefunden.


Wachsender Wohlstand und ein neues Rathaus

Die stolze Bürgerschaft Wesels zeichnete sich in allen Epochen durch ein großes Engagement aus. So machten sich schon Anfang des 15. Jahrhunderts Weseler Bürger mit geistlichem Beistand durch den Prior des Dominikanerklosters in Wesel, Heinrich von Essen, nach Lübeck auf den Weg, um den Beitritt zur Hanse zu beantragen. Darauf entwickelte sich die Stadt zum wichtigsten Stapel- und Umschlagplatz zwischen Amsterdam und Köln.

Der wachsende Wohlstand der Stadt ermöglichte es den Weseler Bürgern, sich ab 1455 ein neues Rathaus zu errichten. Die Fassade war sechsfach senkrecht unterteilt und zusätzlich stark vertikal gegliedert. Sie hatte eine Liliengalerie über hochgotischen Spitzbogenfenstern und auf Fernwirkung abgestellte, schlanke Fialen. Auf der Marktseite erhielt der Anbau eine Freitreppe und ein Portal. Zwischen den Fenstern des ersten Stockes standen Skulpturen, ehemals Heilige mit Bezug zu Wesel und zum Niederrhein, die im 19. Jahrhundert durch deutsche Fürsten ersetzt wurden. Das Problem einer immer größer werdenden Verwaltung existierte schon im 17. Jahrhundert, so dass das gotische Rathaus nicht mehr den Anforderungen der Zeit entsprach. Durch die Nutzung der Nachbarhäuser östlich vom bisherigen Rathaus konnte die Amtsfläche vergrößert werden. Für die Fertigstellung des barocken Anbaus mit der imposanten Turmgestaltung ist das Jahr 1698 überliefert.



„Wesel hilft sich selbst“

Während des Zweiten Weltkrieges geriet Wesel insbesondere wegen seiner strategischen Lage ins Visier der Alliierten; im Februar 1945 führten Bombenangriffe und Granatbeschuss zu einer weitgehenden Zerstörung der Stadt. Am 23. März zerstörten in Vorbereitung der Operation „Plunder“ Bomber und 3.000 Geschütze 97 Prozent des Stadtgebiets, bis Wesel schließlich von alliierten Truppen eingenommen wurde.

Nach dem Krieg gründeten Wesels Bürger das Notstandswerk „Wesel hilft sich selbst“. Den überwiegenden Teil der Gebäude errichtete man in der für die Nachkriegszeit typischen, zweckmäßigen Architektur. Als 1986 die seit dem Zweiten Weltkrieg brachliegende Südseite des Großen Marktes im modernen Stil bebaut werden sollte, gründete der Weseler Unternehmer Dr. Siegfried Landers zusammen mit Freunden und Weggefährten die Bürgerinitiative „Historisches Rathaus Wesel“. Die kühne Idee dieser Initiative bestand darin, anstelle einer modernen Stahl-Glas-Fassade die historische Fassade des Rathauses zu rekonstruieren und den

Bürgern ihrer Heimatstadt das Bewusstsein einer auf langer Geschichte beruhenden urbanen Identität wieder zu geben.

Die Bürgerinitiative verlor ihr Ziel trotz manchem Gegenwind von Kommunalpolitikern, Bau- und Kunstexperten nicht aus den Augen. Mit viel Engagement und Einfallsreichtum wurde immer wieder die Idee der rekonstruierten Rathausfassade präsentiert. Die Akzeptanz des Vorhabens erhöhte sich ungemein und die Bürgerinitiative begann 2003 Geld für die Fassadenrekonstruktion zu sammeln. Schließlich erkannte der Rat der Stadt den Bürgerwillen an und erklärte sich gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen bereit, mit Fördermitteln die Rekonstruktion zu unterstützen. Für die Umsetzung des Projektes gründete sich 2006 die Bürgerstiftung „Historisches Rathaus Wesel“, die als Bauherr fungiert. Im Jahr 2007 erfolgte die Grundsteinlegung und Dombaumeister Prof. Dr. Wolfgang Deurer begann mit umfangreichen Untersuchungen und Planungen zur Fassadenrekonstruktion.



Die Werkplanung – Von der Quelle zum 3D-Solid-Modell

Bestandteil unserer Leistung waren unter anderem die Herstellung einer Vielzahl von Modellen für die Bildhauerarbeiten und die Werkplanung für Fassade und Dach. Besonders die Werkplanung stellte große Anforderungen, da durch die Kriegsschäden in Wesel nur wenige historische Quellen verfügbar waren. Aus den Vorgaben von Prof. Deurer und einigen Fotos wurden die Fassadenelemente zeichnerisch in CAD rekonstruiert.

Für uns war es beeindruckend zu erleben, wie Prof. Deurer auf großformatigem Papier und mit weichem Bleistift Krabben und Kreuzblumen entwarf – andererseits erfüllte es uns mit Stolz, dass wir den skeptischen Prof. Deurer von den Vorteilen moderner Werkplanung überzeugen und seine Vorgaben zügig in die CAD-Zeichnungen übertragen konnten. Aus der 2D-Planung für die gesamte Fassade konnte ein 3D-Solid-Modell erstellt werden, aus dem sich alle Bauteile einzeln für die Bearbeitung an der 5-Achs-CNC-Fräse in unserer Werkstatt exportieren ließen.

 

Steinbearbeitung mit der 5-Achs-CNC-Fräse

Die ehrgeizige Vorstellung der Bauherren, die Fassade innerhalb von 18 Monaten herzustellen und zu versetzen, war nur unter Verwendung moderner Fertigungstechnik für das Herstellen der Werksteine zu realisieren. Dazu konnten aus dem 3D-Solid-Modell der Fassade alle Bauteile einzeln als 3D-DWG-Datei für die Bearbeitung an der 5-Achs-CNC-Fräse exportiert werden.

Mit unserem 5-Achs-CNC-Bearbeitungszentrum in der Lage, komplizierte Werksteinelemente in kurzer Zeit herzustellen.

Gewerk Restaurierung

  • Recherche und Auswertung historischer Dokumente
  • Vermessung und Photogrammetrie
  • zeichnerische Rekonstruktion der Fassade in CAD
  • Tragwerksplanung
  • Herstellung einer Vielzahl von Modellen für Bildhauerarbeiten
  • Erstellung eines 3D-Solid-Modells als Grundlage für die CNC-gesteuerte Steinfertigung und weiterfüherende Planung
  • Werkstattplanung von Fassade und Dach
  • Fertigung von über 1000 Werksteinen
  • Montageplanung
  • Spezialmontage der Natursteine
  • Umbau des neuzeitlichen Giebels in ein historisches Walmdach mit Schieferdeckung

Zeitraum
08/2010 – 06/2011

Auftragswert
2.036.685,- € (brutto)

Ansprechpartner
Sören Blankenburg
blankenburg.soeren@bennert.de

Planungsbüro
Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Deurer
Architekt / Dombaumeister
Schepersweg 7
46485 Wesel

Bauherr
Bürgerstiftung
Historisches Rathaus Wesel
Fischertorstraße 3
46483 Wesel

Umfangreiche Natursteinrestaurierung in nur drei Monaten

Am besonders exponierten Hotel an der Wartburg in Eisenach konnten in nur drei Monaten 2.600 m² Natursteinfassade gereinigt und restauriert, 20.000 Antragungen vorgenommen und 22.000 m Fugen saniert werden.


Gastlichkeit auf der Wartburg

Die Wartburg als ursprünglich romanische Wehranlage verlor im ausgehenden Mittelalter ihre militärische Bedeutung und verwahrloste. Nach beinahe zweihundert Jahren ohne nennenswerte Baupflege erfuhr sie erst im 19. Jahrhundert eine neue Wertschätzung, die in dem erwachenden bürgerlichen Nationalbewusstsein wurzelte. Erzherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach entschloss sich 1838 zu einer grundlegenden Restaurierung der Burg, mit deren Leitung Hugo von Ritgen betraut wurde, der hier sehr freizügig die idealisierende Vorstellung umsetzte, die sich die deutsche Romantik von einer mittelalterlichen Burg machte.

Die Wartburg erhielt ein historistisches Erscheinungsbild, dessen Krönung die Fresken des österreichischen Malers Moritz von Schwind sind, die den Sängerkrieg und das Leben der heiligen Elisabeth thematisieren. Die Historismuskulisse verfehlte ihre Wirkung auf Besucher nicht – ein Effekt, der bis heute anhält und dem Objekt des UNESCO-Weltkulturerbes einen jährlichen Besucherstrom im Bereich einer halben Million beschert.

Dieser Ansturm verlangte schon bald nach Bewirtung und Beherbergung in unmittelbarer Nähe des Objektes. Bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert hatte man auf einem nordwestlich unter der Burg gelegenen Felsvorsprung einen kleinen Gasthof gebaut, der den wachsenden Ansprüchen nach wenigen Jahren nicht mehr genügte. Zwischen 1912 und 1914 wurde nach den Plänen des Berliner Burgenkundlers und Architekten Bodo Ebhardt ein Neubau errichtet – natürlich auch im Stil des Historismus mit Fachwerkgiebeln und einer romantisch kleinteilig gegliederten Fassade, steinsichtig gemauert aus dem rötlichen Wartburg-Konglomerat, das man durch Absenkung des Baugrundes unter dem Vorgängerbau um 10 m gewonnen hatte und mit Gewänden aus hellem Sandstein.



Restaurierung im Zweischichtbetrieb

Fast hundert Jahre hielt die Außenhaut des „Gasthofs für fröhliche Leut“ Wind und Wetter stand, dann hatten die Schädigungen ein Ausmaß erreicht, das eine Generalsanierung im Jahre 2011 unumgänglich machte. Für die Arbeiten an den Fassaden erhielt die Firma Bennert Restaurierungen GmbH den Auftrag, der mit besonderen Herausforderungen geradezu gespickt war: Die baubedingte Schließung des Hotels war auf das Äußerste zu minimieren, dabei zählte jeder Tag. Für Verzögerungen im Bauablauf waren hohe Konventionalstrafen vorgesehen. Deshalb mussten bis zu 45 Mitarbeiter im Mehrschichtsystem arbeiten.

Die Ausführung unterschiedlicher Leistungen an sehr kleinteiligen Fassadenabschnitten stellte außergewöhnliche Ansprüche an Organisation und Arbeitsvorbereitung.
Aus den sehr beengten Platzverhältnisse auf der Wartburg resultierten extreme Anforderungen an die Logistik der Baustelle. Eine Beeinträchtigung des Besucherverkehrs auf der Wartburg sollte möglichst ausgeschlossen werden.

Als nach dreieinhalb Monaten Bauzeit termingerecht die Fertigstellung gemeldet werden konnte, waren u. a. folgende Leistungen erbracht:

  • ca. 22 km Ausräumen und Schließen von Fugen
  • 2.600 m² Reinigung der Werksteinoberflächen im Wirbelstrahlverfahren und Nachreinigung mit Vakuum-Waschsauger
  • ca. 20.000 Stück Herstellung von Antragungen mit den erforderlichen Vorarbeiten wie Festigung des Steingrundes
  • ca. 1.300 Stück Austausch von zerstörten Werksteinen mit einer Gesamtmasse von 18 m³.

Inzwischen kann man die 37 „individuellen und mit Phantasie gestalteten“ Zimmer des Hotels auf der Wartburg in den Kategorien Elizabeth und Luther wieder buchen, und das Management bereitet sich schon auf das 100-jährige Jubiläum des Hauses im Jahr 2014 vor.

Um die Auslastung der Räume braucht man sich in den nächsten Jahren wohl keine Sorgen zu machen, fallen diese doch in die sogenannte Luther-Dekade, eine groß angelegte Veranstaltungsreihe, die am 21. September 2008 begann und mit dem Jubiläum des 500. Jahrestages des Thesenanschlags von Martin Luther im Jahr 2017 enden wird.

Gewerk Restaurierung

  • Fugensanierung
  • Festigung
  • Steinaustausch
  • Wirbelstrahlreinigung
  • Formergänzungen
  • Arbeiten im Zwei-Schichtsystem
  • Reinigung von Natursteinoberflächen
  • beachtliche 22 km Fugen saniert, 2.500 m² Naturstein gereinigt und die Oberflächen restauratorisch und konservatorisch behandelt. Eine besondere Herausforderung hierbei war die knappe Bauzeit von nur drei Monaten.

Zeitraum.
März 2011 – Juni 2011

Auftragswert
1.057.986,03 €

Ansprechpartner
Christoph Schmidt
Sybille Marr

Planungsbüro
Planungsbüro für Steinrestaurierung
Stefan Scheidemann
Burgstrasse 1
99894 Friedrichroda

Bauherr
Wirtschaftsbetriebe Wartburg GmbH – Frau Felsberg
Auf der Wartburg
99817 Eisenach

Sensibler Umgang mit Mauerwerksoberflächen – die Marienkirche in Beeskow

Einem der bedeutendsten Zeugnisse der norddeutschen Backsteingotik verlieh die Restaurierung der Mauerwerksoberfläche rechtzeitig zur 500-jährigen Kirchweihe neue Würde.


Wiederaufbau nach schwerer Zerstörung als „Ruine unter Dach”

Die Beeskower Kirche St. Marien zählt mit ihren erstaunlichen Ausmaßen zu den bedeutendsten Zeugnissen der Backsteingotik in Norddeutschland. Ihr Hallenumgangschor ist einer der frühesten, die in der Mark errichtet wurden. Aber auch die jüngere deutsche Geschichte ist überdeutlich an der Erscheinung des gewaltigen Baus der Beeskower Marienkirche ablesbar: Als in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs die Ostfront über die kleine märkische Stadt rollte, wurde die Kirche durch Artilleriebeschuss so schwer beschädigt, dass der Turmhelm in den Dachstuhl stürzte; Dach und Kirche brannten mitsamt ihrer kostbaren Ausstattung vollständig aus.

Der Mangel der Nachkriegszeit verhinderte die Holzbeschaffung für ein Notdach. Der Witterung schutzlos preisgegeben, stürzten eine Stunde vor Beginn der Christvesper an Heiligabend 1947 das Chorgewölbe und vier Pfeiler der Backsteinkirche ein. Weitere Pfeiler und das Gewölbe von Haupt- und Seitenschiffen folgten in den Jahren darauf. Eine gigantische Ruine mit den hoch aufragenden Außenmauern des Kirchenschiffes und einem breit gelagerten Turmstumpf prägte daraufhin für die folgenden vier Jahrzehnte die Silhouette der märkischen Stadt. Der vollständige Verlust des Baus konnte vor allem durch die private Initiative von Bürgern der Stadt verhindert werden.

Nach der politischen Wende von 1989 eröffneten sich – wie für viele andere Baudenkmale im Osten Deutschlands – auch für die Ruine der Marienkirche neue Perspektiven. Bereits 1991 begann der Wiederaufbau der Kirche – vom ersten Tag an auch mit der Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und anderer Fördermittelgeber. Heute gilt die Kirche nur als eine Ruine unter Dach.



Sensibler Umgang mit Mauerwerksoberflächen

Seit April 2010 durfte unsere Firmengruppe ihre Erfahrungen bei der Sanierung und Restaurierung von Mauerwerksoberflächen bei dem Wiederaufbauprojekt in Beeskow einbringen. Gerade die Backsteingotik ist im Wesentlichen von den Nuancen in Farbe, Textur und Haptik des verwendeten Baumaterials und seiner Verfugung geprägt. Das erfordert, mehr noch als bei vielen anderen Bauten einen sensiblen Umgang mit den Oberflächen. Hinzu tritt, dass insbesondere bei Ergänzungen von Stein und Mörtel Fehler bei der Materialauswahl sofort sichtbar werden. Andererseits kann es dabei auch in ästhetisch zufrieden-stellender Weise gelingen, historisch begründete Verwundungen des Mauerwerks – wie beispielsweise Kriegsschäden – in diesen Ergänzungen gewollt sichtbar zu machen.

Sankt Marien – eines der bedeutendsten Zeugnisse der Backsteingotik in Norddeutschland.

Wir hatten an der Beeskower Kirchenfassade den am deutlichsten wahrnehmbaren Teil zu bearbeiten. Die Leistungen umfassten die sogenannte finale Mantelflächensanierung und Steinsubstitution auf der gesamten Südseite zwischen Sockel- und Kaffgesims, auf der Ostseite des Chors und der Westfassade bis in die Höhe des Kaffgesimses sowie Teilbereiche der Nordseite bis in die Höhe des Daches. Das Hauptaugenmerk lag dabei – wie beim übrigen Wiederaufbau auch – darauf bestandsanaloge Materialien einzusetzen. Neben den Substitutionen und Ergänzungen mit Handstrichziegeln wurde der Fugenmörtel unter restauratorischer Begleitung als Baustellenmischung entwickelt. Die Vorgabe der Denkmalpflege sah den Verzicht auf den unter anderem verwendeten Mörtelzuschlag mit Muschelbeimengung vor. Durch diese Maßnahme konnte eine weitgehende Angleichung des Erscheinungsbildes der bearbeiteten Oberflächen mit den angrenzenden originalen Mauerwerksflächen erreicht werden.

Unsere Arbeiten an der außergewöhnlichen Ruine wurden rechtzeitig zum Jubiläum der 500-jährigen Kirchweihe der Beeskower Marienkirche abgeschlossen – zwei Gründe für eine Festwoche der märkischen Stadt im August 2011.

Gewerk Maurer

  • Ergänzungen des Mauerwerks im Bereich der Wände mit eigens angefertigten Ziegelsteinen
  • finale Mantelflächensanierung und Steinsubstitution auf der gesamten Südseite zwischen Sockel- und Kaffgesims, auf der Ostseite des Chors und der Westfassade bis in die Höhe des Kaffgesimses sowie Teilbereiche der Nordseite bis in die Höhe des Daches
  • Einsatz bestandsanaloger Materialien
  • Substitutionen und Ergänzungen mit Handstrichziegeln
  • Entwicklung des Fugenmörtels unter restauratorischer Begleitung als Baustellenmischung
  • weitgehende Angleichung des Erscheinungsbildes der bearbeiteten Oberflächen mit den angrenzenden originalen Mauerwerksflächen

Zeitraum
2010 – 2011

Ansprechpartner
Enrico Herda

Planungsbüro
Dipl.-Ing. Arch. Thomas Alt
Wilhelm-Staab-Str. 4
14467 Potsdam

Bauherr
Evangelische Stadt- und Landkirchengemeinde Beeskow
Brandstr. 35
15848 Beeskow

Aus dem Berg geschnitten – Das Grottoneum in Saalfeld

Alles zum Anfassen: Was in den Feengrotten unter Tage streng verboten ist, sollte im Grottoneum wie selbstverständlich möglich sein – berühren, erleben, selbst entdecken. Eine Ausstellung, die alle Sinne anspricht und barrierefrei erlebbar ist.

 

Entdecken - Staunen – Mitmachen

Vor fast 100 Jahren entdeckte ein Trupp wagemutiger Männer zufällig die unterirdische Tropfsteinwelt der Saalfelder Feengrotten. Seitdem begeistert dieses faszinierende Naturschauspiel aus unzähligen Tropfsteinen jährlich hunderttausende Besucher – bis 2011 waren es insgesamt mehr als 18 Millionen Menschen, die sich durch das weltbekannte Schaubergwerk führen ließen. Ein Eintrag im Guinness Buch der Rekorde bezeichnet die Feengrotten als die farbenreichsten Schaugrotten der Welt. Die Saalfelder Feengrotten sind damit eine der beliebtesten Touristenattraktionen in Mitteldeutschland.

Das von Monumedia entwickelte Konzept lässt die unterirdische Tropfsteinwelt zur Ausstellungsarchitektur werden. Künstliche Felswände und ein verlassenes Bergwerk bilden die Kulisse für ein ungewöhnliches Museum, das die Geschichte der Untertage-Wunderwelt begreifbar werden lässt.

 

Reise durch den Berg

Wo früher Mineralwasserflaschen vom Band liefen, kann man sich heute nasse Finger holen beim Berühren feuchter Felsen und großer Tropfsteine. Im denkmalgeschützten Quellenhaus der Feengrotten entstand in den Räumen der ehemaligen Abfüllanlage der „Gralsquelle“ das Grottoneum. Das mehr als 350 m² große Erlebnismuseum bietet spannende Einblicke in die Geschichte der Feengrotten vom Beginn des Bergbaus über den Verfall des Alaunbergwerkes bis hin zur Wiederentdeckung und Einrichtung des Schaubergwerkes.

Saalfeld Grottoneum
Das Grottoneum im Überblick

 1 Licht und Luft
 2 Kindergrotte
 3 Bodenschätze
 4 Werkzeuge
 5 Markscheiderei
 6 Grubenwasser
 7 Transport
 8 Mineralien
 9 Molekültisch
10 Tropfsteine
11 Nutzung
12 Grottenkino
13 Heilwasser
14 Die Feengrotten
15 Schatzkammer

 

Auf der Suche nach dem weißen Kristall

Der erste Teil der Ausstellung im Grottoneum erzählt vom Bergbau und möchte dennoch alles andere als traditionell sein.

Nicht nur nach den Schätzen im Berg soll der Besucher im Grottoneum selbst suchen. Die Ausstellung nähert sich ganz verschiedenen Einzelaspekten des Bergbaus.

Das Problem der Bewetterung der unterirdischen Grubenbaue kann an einem großen Blasebalg erfahren werden, der nicht nur Luft fördert, sondern auch mit dem einströmenden Sauerstoff das Licht zum Leuchten bringt. Filme in Full HD-Auflösung zeigen, wie der Bergmann unter Tage ohne Streichhölzer und Feuerzeug sein Licht anzündete und wie die Bergleute mit Hilfe des Markscheiders die Orientierung behalten konnten.

Die Schwierigkeiten des in den Berg einströmenden Grubenwassers zeigt anschaulich eine Kaskade echten Tiefenwassers aus den Feengrotten, das in der Ausstellung über den Felsen fließt und berührt werden kann. Mit der Zeit entstehen aus dem sich absetzenden Sinter auf den künstlichen Felsen damit sogar echte Tropfsteine.

Auf den Leitern der Bergleute – den Fahrten – kann man eine Haspelbühne erklimmen und mit dem Nachbau einer Handhaspel selbst Gestein aus der Tiefe fördern. Nahezu alle Einbauten und Geräte wurden eigens für das Grottoneum entworfen, geplant und gebaut.

 

Zerbrechliche Schönheiten und lebendige Steine

Die Feengrotten sind die farbenreichsten Schaugrotten der Welt. Das Grottoneum zeigt, warum dies so ist.

Die Saalfelder Feengrotten sind etwas ganz Besonderes. Die einmalige Zusammen-
setzung des Alaunschiefers und der anderen Gesteine im Berg ließen im verlassenen Bergwerk abertausende Tropfsteine wachsen. Eine Herausforderung war es, diese komplexen chemischen, hydro- logischen und geologischen Prozesse interessant und spannend zu erzählen, gestalterisch darzustellen und spielerisch zu vermitteln. So kann man auf einem multi- touchfähigen Spieltisch im Feengrotten- gestein vorkommende Minerale zu Mole- külen zusammenpuzzeln. Ganz nebenbei und ohne Schwellenangst vor der Chemie kann der Besucher die Vielfalt der möglichen Kristalle und deren Zusammensetzung erfahren. Einige dieser Minerale können natürlich auch real in Augenschein genommen werden, während man sich deren wahrer Schönheit in mehreren Vergrößerungsstufen über ein Drehrad nähern kann. Ein ganzer Komplex aus nachgebildeten Tropfsteinen lädt zum Anfassen ein, während man an mehreren Bildschirmen in deren Wachstum eingreifen kann. Filmaufnahmen von ein-
maliger Schönheit zeigen in Großaufnahmen den Entstehungsprozess der Tropfsteine unter Tage.

 

Tanz der Moleküle

Chemie ist das, was stinkt und knallt? Bisweilen schon, manchmal aber produziert sie auch fantastische Formen und bezaubernde Farben. Und das Verlangen, dabei mitmischen zu wollen.

Um die wichtigsten in den Saalfelder Feengrotten vorkommenden Mineralien und ihre Zusammensetzung zu erläutern, sollten in einer spielerischen Multitouchanwendung die entsprechenden Molekülverbindungen als Puzzlespiel begreifbar gemacht werden Erläutert werden fünf der mehr als 40 vorkommenden Mineralien: Apatit, Diadochit, Dypingit, Pyrit und Volborthit. Die ausgewählten Minerale sind eigentlich komplexe chemische Verbindungen aus den verschiedensten Elementen. Diese sollten vereinfacht und anschaulich die Vielfalt der in den Feengrotten vorkommenden Elemente und deren Zusammenschlüsse darstellen.
Als Hardware kam ein Multitouchdisplay zum Einsatz, die Größe für das Display beträgt 43“ Bildschirmdiagonale. Der Multitouchtisch konnte als Komplettsystem inklusive Display, Rechner, Software und Gehäuse geliefert werden.

 

Im Grottenkino wird Geschichte lebendig

Für den Grottenfilm wurde ein komplettes 3D-Unterwasser-Set in das Silurmeer verlegt. Verschiedene Charaktere mussten gefunden werden, die aus den wenigen bekannten Fossilien des Silur ausgewählt wurden.

Die Wahl fiel schließlich auf einen Vertreter der für das Silurmeer typischen, mehr als drei Meter langen Riesenskorpione und Exemplare der ebenso charakteristischen Nautiliden, Kopffüßer mit einer unverkennbaren Gehäuseform. Wissenschaftliche Rekonstruktionen dieser Fossilien wurden zugrunde gelegt, die als Fundament erster Modelle dienten. Bewegungsabläufe der fossilen Tiere mussten selbstverständlich eigenständig erarbeitet werden, da vergleichbare Exemplare längst ausgestorben sind und nur noch entfernte Verwandte mit gänzlich anderer Morphologie existieren.

Auch die Pflanzenwelt des Silur wurde reanimiert. Und selbst die rätselhaften Graptolithen, die als Leitfossilien des Silur auch Abdrücke im Alaunschiefer der Feengrotten hinterlassen haben, werden im Film gezeigt.

 

Schatzkammer Feengrotten

Allein das Wasser ist schon etwas ganz Besonderes, genauer sind es die Wässer. Neben dem Mineralwasser, das aus den Tiefen der Gesteine unterhalb der Feengrotten stammt und das einem Tropfstein mitten im Grottoneum in Trinkwasserqualität entspringt, wurde in den Feengrotten lange Zeit Heilwasser abgefüllt und erfolgreich verkauft. Die hohe Mineralisation des Wasser kann man jetzt im Grottoneum selbst schmecken.

Staunen kann man auch über die großen Kristalle des Alauns, einem Rohstoff, der noch vor etwas mehr als 100 Jahren allgegenwärtig war und der hier in einem Siedehaus über Jahrhunderte produziert wurde. Als dessen Zeit zu Ende ging, gewann man aus dem Eisenocker des Grubenwassers Pigmentfarben. Noch heute bildet sich der Ocker unter Tage ebenso, wie die mehr als 40

verschiedenen Minerale, die in kleinen und großen, farbenfrohen Kristallen auf den Wänden des alten Bergwerkes wachsen und die im Grottoneum ans Licht geholt werden. Um von der Geschichte der Saalfelder Feengrotten zu berichten, muss von der Geschichte des Alauns erzählt werden. Das Grottenkino schildert die Entstehung des Gesteins im Erdzeitalter des Silur vor 440 Millionen Jahren aus den Schalen und Resten unzähliger Meeresbewohner. Der Film, der mitten in die Felslandschaft projiziert wird, zeigt auch den Abbau des aus dem vorgeschichtlichen Meeresboden entstandenen Alaunschiefers und den komplizierten Prozess der Gewinnung der weißen Kristalle aus dem schwarzen Gestein. In einer 127°-Projektion sitzt der Besucher mitten im Geschehen und erlebt die Entdeckung der unterirdischen Märchenwelt durch die Expedition von 1914 mit.

Monumedia

  • Konzeption und Ideenentwicklung
  • Ausstellungsgestaltung des Erlebnismuseums von mehr als 350 m²
  • Planung der Ausstellungsarchitektur und Umbauten
  • Erarbeitung der Inhalte
  • Produktion der Medienleistungen (Text, Bild, Grafik, Film, Audio)
  • Ausstellungsaufbau

Zeitraum
2010 – Mai 2011

Ansprechpartner
Hendrik Fuchs
fuchs.hendrik@bennert.de

Bauherr
Saalfelder Feengrotten und Tourismus GmbH
Feengrottenweg 2
07318 Saalfeld

Krönung unserer zwanzigjährigen Tätigkeit am Rathaus in Arnstadt – “Die Wilden Leute”

Restaurierung und Neufassung vom “Wilden Mann” und der “Wilden Frau”. Die beiden Skulpturen aus Seeberger Sandstein zierten bereits in der Renaissance den Südgiebel des Arnstädter Rathauses. Mit Glocken an jeweils einem beweglichen Holzarm läuten sie nun schon seit dem Jahre 1587 die vollen Stunden ein.

Aus einer Hand zu neuem Glanz

Das nach dem großen Stadtbrand von 1581 im Stil der Renaissance erbaute Arnstädter Rathaus beherrscht mit seinen aus Ziergiebeln und zahlreichen Schmuckelementen bestehenden Fassade die Nordseite des Marktplatzes der ältesten Stadt Thüringens. Im Grunde ist das Rathaus ein ganzer Komplex von Gebäuden: Das Renaissancerathaus von 1586 ist mit zwei Bürgerhäusern aus dem 19. Jahrhundert verbunden. Auf der Rückseite beherrscht seit der denkmalgerechten Sanierung ein großzügiger, moderner Zweckbau das Ensemble.

Mit den nach der Wende reichlich fließenden Denkmalmitteln wurden die eindrucksvollen Bauwerke nicht nur gesichert sondern bekamen sogar ihren früheren Glanz zurück – und wir waren von 1990 an mit dabei. Neben den zwölf weiteren Objekten ist das Rathaus, an dem wir mit kurzer Unterbrechung von 2004 bis 2009 arbeiten durften, zweifellos die Krönung unserer Tätigkeit in Arnstadt.

Im Jahre 2008 entschied die Arnstädter Stadtverwaltung nun, daß das betagte Paar der “Wilden Leute” einer Generalüberholung bedürfe und übergab die Figuren unserer Obhut. Unter der Leitung von Frank Voigt wurden die Skulpturen in kurzer Zeit fachmännisch restauriert.

Unsere Steinmetze verarzten die „Wilden Leute“

In unserer Steinmetzwerkstatt wurden die zwei Sandsteinfiguren, die “Wilde Frau” und der “Wilde Mann”, restauriert. Die beiden Skulpturen aus Seeberger Sandstein zierten bereits in der Renaissance den Südgiebel des Arnstädter Rathauses und läuteten schon seit dem Jahr 1587 mit Glocken an jeweils einem beweglichen Holzarm die vollen Stunden ein.
Zementergänzungen entfernt und die zerbrochene “Wilde Frau” besteht nach sorgsamen Klebungen wieder aus einem Stück. Zudem wurden an den Rückseiten beider Plastiken stützende Edelstahlkonstruktionen angebracht. Fehlstellen an Schulter- und Fußbereichen wurden plastisch wieder aufgearbeitet bzw. ergänzt. Neben einer neuen frischen Farbfassung erhielten die Figuren außerdem neue Edelstahlfahnen aus der firmeneigenen Metallwerkstatt.
Nachdem die Figuren abschließend noch mit einem Abbeizer gereinigt und eine neue Farbfassung aufgetragen wurde, erhielten sie neue Edelstahlfahnen aus unserer Metallwerkstatt, können die Wilden Leute seit dem 15. Mai 2009 wieder ihren angestammten Platz auf dem Arnstädter Rathaus einnehmen.

Gewerk Restaurierung

  • vorsichtige Demontage
  • Restaurierung der Steinskulpturen in unserer Restaurierungswerkstatt
  • Oberflächenformulierung, Natursteinrekonstruktion
  • Ergänzung von Fehlstellen
  • Reinigung
  • Steinfestigung
  • neue Farbfassung

Zeitraum
2009

Planungsbüro
Restaurator (VDR)
Stephan Scheidemann
Burgstraße 1
99894 Friedrichroda

Ansprechpartner
Christoph Schmidt

Bauherr
Stadt Arnstadt
Markt 1
99310 Arnstadt

Die Rettung und Wiedererweckung von Burg Storkow

Der Palas der Burg Storkow wäre buchstäblich fast untergegangen. Die Burg versank in zweieinhalb Jahren um 13 Zentimeter. Erst Bohrpfähle mit einer Länge von 13 m konnten das Gebäude für kommende Generationen sichern.

 

Eine Burg versinkt …

Dort, wo heute Besucher des Kultureums auf der Burg Storkow entspannt Konzerten lauschen und im NatureumAusstellungen zu Natur und Geschichte betrachten können, fühlten sich noch vor zehn Jahren Brennnessel, Giersch und Quecke heimisch. Vom einst stolzen bischöflichen Wohnschloss, dem Palas, standen zu diesem Zeitpunkt bereits seit zwei Jahrzehnten nur noch die Außenwände.

Ein durch Fahrlässigkeit ausgelöster Großbrand hatte Ende der 1970er Jahre den Renaissancebau schwer zerstört. Zudem drohte die Burg als eine der ältesten und bedeutendsten Burganlagen des östlichen Brandenburg buchstäblich fast unterzugehen. Der Palas versank in nur zweieinhalb Jahren um 13 Zentimetern im märkischen Boden. Zumindest mittelfristig stand der Gesamtverlust der Burganlage bevor.

Vor mehr als 900 Jahren war die Burg Storkow Ausgangspunkt der deutschen Besiedlung Ostbrandenburgs gewesen. Die mittelalterliche Burganlage legte man als Niederungsburg in sumpfigem Gelände an. Der slawische Name von Ort und Burg leitet sich wohl aus dem feuchten Wohnort ab: „sturkuowe“ – Weg durch den Sumpf.

Aus der eintausend Jahre alten Entscheidung für eine Sumpfburg resultierten ebenso typische wie massive Probleme bei der Erhaltung des Bauwerks. Die Gründung der Ziegelbauten bestand aus Spickpfählen, einer in feuchten Baugebieten seit dem Mittelalter durchaus üblichen Gründungsart. Dabei rammte man kurze Pfähle dicht an dicht und zueinander versetzt in den Untergrund, so dass der entstehende verfestigte Erdkörper als Fundament wirken konnte. Auf dem – aus Sicht der heutigen Bodenmechanik – so entstandenen „bewehrten Verbundkörper“ und damit direkt auf den Pfahlköpfen ruhte das aufgehende Mauerwerk.
Im Falle der Burg Storkow jedoch waren diese Pfahlköpfe durch säurebedingte Hydrolyse und hinzutretenden Pilzbefall so fortschreitend verrottet, dass unkontrollierte Absenkungen mit Setzungsraten von mehreren Zentimetern pro Jahr und damit erhebliche Deformationen an der gesamten Burganlage folgten.

 

Gemeinsam dem Morast abgetrotzt

Der Vielseitigkeit der zu bewältigenden Aufgaben stellte sich auch unsere Firmengruppe während der vergangenen Jahre mit beinahe ihrem gesamten Leistungsspektrum. Diese Bandbreite ist beispielhaft für die Stärke unserer Firmengruppe, in der Facharbeiter, Handwerksmeister und Ingenieure in nahezu allen Gewerken am Ziel einer innovativen und qualitätvollen Arbeit am Baudenkmal arbeiten.

Unsere Garten- und Landschaftsbauer schufen mit der Anlage einer nicht alltäglichen Baustraße einschließlich Dränagearbeiten und temporärer Wasserhaltung auf dem schwierigen Untergrund die Voraussetzung für den Transport von Technik und Baumaterialien.

Die Abteilung Spezialtiefbau nahm die Herausforderung unter teils sehr schwierigen Bedingungen an, den biotopartig überwachsenen Gewölbekeller im Palas zu beräumen und mit einer Nachgründung durch Kleinbohrpfähle das Gebäude und das nebenstehende Brauhaus zu stabilisieren. Allein diese Spezialarbeiten nahmen ein Jahr Bauzeit in Anspruch. Die Gesamtlänge der am Mauerwerk eingebrachten Bohrpfähle, die bis zu dreizehn Metern in die Tiefe reichen, würde eine Strecke von 2,5 Kilometern ergeben. Schon die Zahlen von 1400 m³ Beton und 200 t Bewehrungsstahl verdeutlichen die Mengen der mit Streichbalken, Fundamenten, Bodenplatten und Decken notwendigen neuen Tragelemente an diesen Gebäuden der Burg.

Verantwortlich für den mittlerweile wieder malerisch erstrahlenden Kontrast aus Ziegelstein- und Zyklopenmauerwerk am Palas und den historischen Burgmauern zeichnet unsere Maurerabteilung. Den Ergänzungen des Mauerwerks im Bereich der Wände und Gewölbe mit eigens angefertigten Ziegelsteinen, der Fugensanierung, den Abdichtungsmaßnahmen und dem Aufbringen von Putzen und Lasuren gingen Verankerungen und Vernadelungen in unterschiedlichsten Ausführungen voraus. Risssanierungen und Verpressarbeiten wurden ebenso ausge-
führt wie Hohlraumverfüllungen mit Injektionsschaummörtel. Den Schwammbekämpfungsmaßnahmen im Bestandsmauer-
werk stand der Neubau der gesamten nördlichen Umfassungsmauer inklusive eines Torbogens gegenüber.

Unsere Steinrestauratoren übernahmen es, Formergänzungen im Bereich von Ziegelsteinflächen und Naturwerksteinen vorzunehmen. Insgesamt waren am Ende 100.000 Ziegelsteine und etwa 350 t Mauer- und Fugenmörtel verbaut worden.

 

Der neue Dachstuhl nach überlieferten Formen

Einer anspruchsvollen Aufgabe stellten sich auch unsere Zimmerleute: Der Dachstuhl des Palas sollte vollständig neu errichtet, der des Brauhauses wegen des hohen Schädigungsgrades substantiell erneuert werden. Die überlieferten Formen von Dach und Gauben treten nun wieder nach außen in Erscheinung. Dabei gelang es, den modernen Dachstuhl an den historischen, nicht parallelen Verlauf der Palasmauern anzupassen, ohne dass dies nach außen hin sichtbar wäre. Im Ganzen wurden etwa 150 m³ Holz verschiedenster Qualitäten verbaut.
Den Dachstuhl des Palas, des Brauhauses und des Torbogens deckten unsere Dachdecker in einer gemischten Biberschwanzdoppeldeckung ein: eine seltene und nur von uns angewandte, aber im Ergebnis ästhetisch sehr überzeugende Maßnahme. Eine weitere Besonderheit des Daches sind die Fledermausgauben, deren Details der Zimmerer- als auch der Dachdeckerleistungen eine Ausnahmeerscheinung darstellen. Die Mauerkronenab-
deckungen und Wandanschlüsse führten unsere Dachspezialisten in Walzblei aus.

Gewerk Spezialtiefbau

  • Beräumung des überwachsenen Gewölbekellers im Palas
  • Nachgründung durch Kleinbohrpfähle mit einer Gesamtlänge von 2,5 Kilometern und einer Tiefe von bis zu 13 m
  • Einbringen von 1400 m³ Beton und 200 t Bewehrungsstahl an Streichbalken, Fundamenten, Bodenplatten und Decken
  • Sicherung der erhaltenen Teile des Kellergewölbes mit bewehrten Spritzbetonschalen
  • Nachgründung der historischen Umfassungsmauern aus Ortbetonpfählen

 

Gewerk Maurer

  • Ergänzungen des Mauerwerks im Bereich der Wände und Gewölbe mit eigens angefertigten Ziegelsteinen
  • Fugensanierung, Abdichtungsmaßnahmen und Aufbringen von Putzen und Lasuren
  • Verankerungen und Vernadelungen in unterschiedlichsten Ausführungen
  • Risssanierungen und Verpressarbeiten
  • Hohlraumverfüllungen mit Injektionsschaummörtel
  • Schwammbekämpfungsmaßnahmen im Bestandsmauerwerk
  • Neubau der gesamten nördlichen Umfassungsmauer inklusive eines Torbogens

 

Gewerk Restaurierung

  • Formergänzungen im Bereich von Ziegelsteinflächen und Naturwerksteinen

 

Gewerk Dachsanierung

  • Eindeckung des Palas’, des Brauhauses und des Torbogens in gemischter Biberschwanzdoppeldeckung
  • Neubau und Eindeckung von Fledermausgauben mit einer Traglattung aus Rundstahl statt in Holz

 

Gewerk Zimmerer

  • vollständige Neuerrichtung des Dachstuhls des Palas
  • substantielle Erneuerung des Dachstuhls des Brauhauses
  • raumbildender Ausbau des offenen Dachstuhls in Form einer eingehangenen Galerie
  • ingenieurstechnisch abgebundener Dachstuhl mit Verspannungen und Stahlsonderteilen
  • Neubau eines Dachstuhls über der neu errichteten Toreinfahrt
  • insgesamter Verbau von etwa 150 m³ Holz verschiedenster Qualitäten
  • Neubau der Traglattung an den Fledermausgauben mit Rundstahl statt in Holz
  • Verkleidung der Innenseite der Fledernmausgauben durch dünnes Birkensperrholz, das die geschweifte Form der äußeren Gauben vollständig aufnimmt

 

Gewerk Freiflächengestaltung

  • Anlage einer Baustraße einschließlich Dränagearbeiten und temporärer Wasserhaltung auf sumpfigem Untergrund

Zeitraum
2002 – 2008

Ansprechpartner
Enrico Herda

Planungsbüro
Dipl.-Ing. Arch. Thomas Alt
Wilhelm-Staab-Str. 4
14467 Potsdam

Bauherr
Stadt Storkow
Bauamtsleiter Manfred Filor
Rudolf-Breitscheid-Str. 74
15859 Storkow

Die tausendjährige Klosteranlage Sankt Wigbert in Göllingen

Nach der Sicherung und Restaurierung des ungewöhnlichen Kirchturms des ehemaligen Klosters Göllingen ermöglichten unsere Spezialleistungen, die touristische Attraktivität der Gesamtanlage nachträglich zu erhöhen.

Konzept, Sanierung, Nachnutzung

Mit der Umsetzung eines mehrstufigen Konzeptes bis 2007 gelang es, über die Visualisierung der im Boden verborgenen romanischen Kirchenmauern, mit zwei Filmen zu Bau- und Gründungsgeschichte sowie einer Klanginstallation in der Krypta die touristische Attraktivität nachhaltig zu erhöhen.

Gabionen schützen die archäologischen Befunde

Nach den von uns ausgeführten Sicherungs- und Restaurierungsarbeiten am Turm der seit Jahrhunderten zu großen Teilen verschwundenen Klosterkirche wurde die touristische Erlebbarkeit der beeindruckenden Anlage durch unsere Spezialleistungen erheblich verbessert.

Die Ausgrabungen der Landesarchäologen wurden durch uns baulich begleitet. So konnte der wiederentdeckte Grundriss der ungewöhnlichen Kirche für die Besucher durch eine ansprechende Freiflächengestaltung erlebbar gemacht werden, die zugleich die archäologischen Befunde im Boden schützt.

Gewerk Restaurierung

  • Steinrestaurierung/Steinergänzung
  • Einbau neuer Geschossebenen und Treppenanlagen


Zeitraum
2008

Ansprechpartner
Sören Blankenburg
blankenburg.soeren@bennert.de

Planungsbüro
Klaus Wagner
Zwickauer Weg 1
Erfurt


Gewerk Freiflächengestaltung

  • Bauliche Unterstützung der archäologischen Grabungen
  • Darstellung des Kirchengrundrisses im Außenraum durch verschiedene Oberflächen und Natursteintrockenmauern (Gabionen)
  • barrierefreie Zuwegung zum Turm

Zeitraum
2006 – 2007

Ansprechpartner
Enrico Herda

Bauherr
Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten
Schloss Heidecksburg 1
07391 Rudolstadt

Rundumsanierung bei laufendem Betrieb

In der Regel ist ein Denkmal ein zur Ruhe gekommenes Monument. Am Erfurter Anger 10 erlebten wir das Gegenteil: Ein Denkmal voller Lebendigkeit, dessen Nutzung durch die Sanierung nicht beeinträchtigt werden durfte.

 

Altes Freimaurerhaus am Anger strahlt wieder

Die Freimaurerei hat eine lange Tradition. Was Anfang des 18. Jahrhunderts in England zunächst mit dem Ziel des Zusammen- schlusses von Handwerkern entstand, avancierte durch die aufkommende akademische Bewegung bald zum Überbegriff für Weltoffenheit und Toleranz.

Die Geschichte der deutschen Freimaurer begann 1737 in Hamburg. Nachdem dort die erste Loge auf deutschem Boden gegründet wurde, schwappte die Gründungswelle der Freimaurerlogen auf das gesamte Reichsgebiet über. So gründete sich am 17. Februar 1797 in Erfurt u. a. die Loge „Licht und Wahrheit“, die sich allerdings im Zuge der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten – denen eine solch liberale Geisteshaltung fremd war – im April 1933 auflösen musste.

Das von uns restaurierte Haus am Anger 10 in Erfurt, dessen markante Sandsteinfassade schon einen selbstsicheren und stolzen Eindruck vermittelt, wurde im Jahre 1896 erbaut und diente lange als Treffpunkt der Erfurter Freimaurer.

 

Eine Sanierung während des Tagesgeschäftes

An die alten Freimaurer erinnern allerdings lediglich noch die an der Fassade glänzenden, für Menschlichkeit und Arbeit stehenden Symbole Winkel und Zirkel. Im Inneren sind Kreditinstitute, Immobilien- und Kommunikationsfirmen sowie Modegeschäfte untergebracht. Das bedeutete, dass eine Sanierung während des Tagesgeschäftes und laufenden Betriebes stattfinden musste, was bei dem Umfang der auszuführenden Leistungen keine einfache Aufgabe war. Das Ziel der dortigen Sanierung war eine Überarbeitung der gesamten Dachkonstruktion sowie der Gaupen, der Dachdeckung und der Einbau einer nichtvorhandenen Dämmung als Vorarbeit für einen kompletten Dachausbau. Der Bauherr, eine Immobilienfirma aus Berlin, schenkte uns sein vollstes Vertrauen, dass sämtliche Sanierungsarbeiten ohne Beeinträchtigung der Mieter dieses Hauses vonstatten gehen würden.

Hier mussten hohe Anforderungen an die Durchsetzung des Arbeitsschutzes gestellt werden, was in der Endkonsequenz den Einsatz einiger Schnellinnovationen, wie die Trennung zwischen dem Sanierungsbereich und dem Arbeitsbereich der Computer- arbeitsplätze durch abgehangene Kassetten- bzw. Unterdecken, erforderlich machte. Auch außerhalb des Gebäudes musste im Bereich des Angers auf bestimmte Veranstaltungen und Märkte Rücksicht genommen werden. Dies wurde uns immer wieder durch ein beherztes Eingreifen einiger Damen des Ordnungsamtes versüßt, welche des Öfteren versuchten, über den Kopf des Kulturdezernates hinweg unsere Baustelle zum Stillstand zu bringen, was allerdings zur Folge gehabt hätte, dass der angesetzte Weihnachtsmarkt vollends entfallen wäre.

Gewerk Zimmerer

  • komplettes Entkernen der Dachräume
  • Sanierung der tragenden Holzkonstruktionen
  • Dämmen des gesamten Daches
  • komplette Überarbeitung des Fußbodenaufbaues von den Deckenbalken bis über den Teppichboden

 

Gewerk Restaurierung

  • steinmetzmäßige Überarbeitung bzw. das Herstellen von zerstörten Sandsteinelementen am geschwungenen Ziergiebel des Gebäudes

 

Gewerk Maurer

  • Maurer- und Putzarbeiten an Brandwänden und im Traufbereich
  • Erstellen von Trockenbauwänden, Fliesenspiegel, Malerarbeiten etc.

 

Austausch einer Säulentrommel am Brandenburger Tor

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Schaden am Brandenburger Tor nur notdürftig mit Holzstützen gesichert. Im Rahmen einer Gesamtrestaurierung 2000 bis 2002 tauschten wir mit großem technischen Know-how eine Säulentrommel aus.

 

Ein lange vergessener Kriegsschaden

Bei der großen Restaurierungskampagne ab dem Jahr 2000 entdeckte man am Brandenburger Tor einen lange vergessenen Kriegsschaden: Eine Säule hatte man in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg nur notdürftig repariert und die mit Holz ausgesteifte Fehlstelle später mit Sandstein verblendet, so dass auf den verbleibenden Säulenquerschnitt von wenigen Quadratzentimetern eine Last von mehr als 80 Tonnen einwirkte. Langfristig gefährdeten damit die vom Verfall bedrohten Holzstützen im Inneren der Säule die Stabilität eines der berühmtesten Bauwerke Deutschlands.

Wegen unserer bei Umlastungen und Translozierungen an verschiedenen Denkmalobjekten gewonnenen Erfahrungen konnten wir ein Sanierungskonzept vorlegen, das einen Austausch der geschädigten Säulentrommel in drei Abschnitten vorsah. Eine Herausforderung war es dabei, dass die Entnahme jeweils eines tragenden Abschnittes der Säule unter voller Last erfolgen musste, da die komplizierten Bodenverhältnisse eine Ablastung in den Untergrund neben der Säule nicht zuließen. Daher konzipierten wir eine zwischenzeitliche Abstützung durch rechnergesteuerte hydraulische Pressen innerhalb des Säulenquerschnittes. Die eigentlich verworfene Säulentrommel musste dafür statisch ertüchtigt werden. Nach dem Ausbau jeweils eines Drittels der geschädigten Säulentrommel wurden dann über ein mehrschichtiges Verschubsystem drei Sandsteinsegmente versetzt. Für deren Lagerfugen kam ein Spezialmörtel zum Einsatz: In dem Maße, wie dessen Festigkeit zunahm, konnten die Pressenkräfte heruntergefahren werden. Schließlich konnte die – die Originalsubstanz schützende – Stahlmanschette abgebaut und die neue Säulentrommel zur steinmetzmäßigen Bearbeitung freigegeben werden.

Nicht nur der Ausbau des geschädigten Säulenelementes und die temporäre Sicherung der unter einer Last von 80 t stehenden Säule erforderte ein innovatives Verfahren. Auch der Einbau der drei Segmente aus Sandstein erwies sich als ziemlich intelligenzintensives Vorhaben. Bei der Kombination von großer Masse mit minimaler Fugenbreite waren die üblichen Versetztechniken des Steinmetzhandwerks überfordert, so dass ein mehrschichtiges Verschubsystem konstruiert werden musste. Während die Vertikalfugen zwischen den Segmenten mit Epoxydharz vergossen wurden, kam in den Lagerfugen ein Spezialmörtel zum Einsatz. In dem Maße, wie die Druckfestigkeit dieses Mörtels zunahm, konnten die Pressenkräfte heruntergefahren werden. Letzter Akt der Sicherung war der Einbau von neun eingeklebten Edelstahlankern in das neue Element, das noch weitere vier Wochen messtechnisch überwacht wurde, bis wir schließlich die Stahlmanschette abbauen und die Säulentrommel zur steinmetzmäßigen Überarbeitung freigeben konnten.

Gewerk Maurer

  • Austausch einer kriegszerstörten Säulentrommel bei Ablastung einer anstehenden Last von 80 Tonnen innerhalb des Bauwerks und gleichzeitiger B
  • Begrenzung der Verformung am Bauwerk um wenige hundertstel Millimeter

 

Gewerk Restaurierung

  • Spezialmontage von Natursteinelementen
  • Steinmetz- und Steinbildhauerarbeiten

Zeitraum
2000 – 2002

Ansprechpartner
Bernd Miller
Sören Blankenburg

Objektadresse
Brandenburger Tor
Berlin