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Spezialtiefbau

Die Verlängerung des Meininger Theaters – Translozierung der östlichen Giebelwand

Für die Erweiterung des historischen Theaters in Meiningen war der gesamte Ostgiebel vom Rest des Gebäudes wie eine Scheibe Brot vom Laib zu schneiden und die 650 Tonnen schwere Wand um fünf Meter zu verschieben.


Wir schaffen mehr Platz für die Hinterbühne

Im Laufe unserer Firmengeschichte haben wir die Umzüge von sehr verschiedenartigen Gebäuden geplant und verwirklicht. Meist war der Wunsch nach Erhaltung von denkmalwürdiger Bausubstanz maßgeblich für die Bewegung von Objekten, bei deren Planung eine spätere Ortsveränderung noch undenkbar gewesen war; manchmal ist jedoch eine Translozierung sogar kostengünstiger als die Alternative Abriss und Neubau – so auch bei der Verschiebung der klassizistischen Theatergiebelwand in Meiningen.

Das historische Theater der südthüringischen Stadt mit ihren derzeit 20000 Einwohnern ist unter den Bühnen der Welt eine Legende. Doch in den Jahren nach 1990 zeigte sich immer deutlicher, dass moderner Theaterbetrieb in einem Bau, dessen Konzept und technische Ausstattung sich über die letzten hundert Jahre praktisch nicht verändert hatten, unmöglich war. Die Aufführungen in der mit 733 Plätzen ausgestatteten Spielstätte erfolgten mit Ausnahmegenehmigungen für Brandschutz, Sicherheit und Fluchtwege – ein unhaltbarer Zustand. Vorsintflutlich war auch der Umgang mit Kulissen und Bühnenbildern, die teilweise außen an der Ostfassade hochgezogen und durch ein Fenster ins Gebäudeinnere bugsiert werden mussten.



Gebäudeteile versetzen – Die Bennert Translozierungen

Deshalb entschloss man sich, im Zuge der bis Dezember 2011 vorgesehenen und 21,5 Mio Euro teuren Generalsanierung die Rückwand des Bühnenraumes um 5 Meter nach außen zu versetzen. Dem Theaterchef Ansgar Haag wären 10 Meter zwar lieber gewesen, aber dann hätte die Wand bereits im See gestanden. Damit stand die Aufgabe einer Translozierung des Ostgiebels mit 14,58 m Breite, 20,86 m Höhe und einer Masse von 560 Tonnen.

Kernstück des von uns dafür vorgeschlagenen Konzeptes waren FLUID-Transportmodule, die aus einem hydraulischen Hubzylinder bestehen, durch dessen Mittelachse mit hohem Druck Stickstoff nach unten gepresst wird, so dass sich zwischen Transportmodul und Bodenplatte ein Gaspolster aufbaut, auf dem die Last praktisch schwebt. Auf diese Weise lassen sich Reibungsbeiwerte erreichen, die deutlich unter µ = 0,01 liegen, was die für den Verschub erforderlichen Horizontalkräfte drastisch reduziert. Vor allem gibt es aber bei dieser Technologie kaum noch einen Unterschied zwischen (größerer) Haftreibung und (kleineren) Gleitreibung; damit tritt auch der bei Translozierungen gefürchtete „Anfahrruck“ nicht auf, dessen Beschleunigungswerte die Bausubstanz schädigen können.

 

Zur prinzipiellen Abfolge der technologischen Schritte:

  • Statisch-konstruktive Sicherung der Fassade und angrenzender Bauteile durch Aussteifung der Öffnungen und Montage einer inneren und äußeren Fassadengurtung.
  • Montage eines Raumgerüstes im verbleibenden Gebäudeteil
  • Vergütung der freigelegten Giebelfundamente durch Injektion bzw. Verfugung
  • Herstellung von vier Fundamentdurchbrüchen mit einer maximalen Breite von 1,50 m für das Einbringen der Transportmodule
  • Herstellung von horizontalen Kernbohrungen für die unteren Stahlprofil-Querträger im Abstand von 1 m durch die Außenwand sowie Einschub und Verpressung der Profile
  • Montage der beidseitig der Wand verlaufenden Längsstahlprofile unter den Querträgern und Verspannung der Stahlkonstruktion
  • Herstellung von vier Verschubbahnen mit der geforderten Oberflächenbeschaffenheit auf der Bodenplatte
  • Einbau und Befestigung von Stahlprofilen als Aufstandsfläche für die wandaussteifenden Stahlfachwerkkonstruktionen
  • Montage und Aussteifung von vier Stahlfachwerken zur Wandscheibenstabilisierung
  • Lösen der Fassade vom Bestand, beginnend mit der Dachkonstruktion und anschließend der vertikalen Mauerwerksverbindungen mit Diamant-Sägetechnik
  • Herstellung des horizontalen Fundamenttrennschnitts unterhalb der Querträger mit Diamantseilsäge sowie Lagesicherung durch Auskeilungen
  • Positionierung und Einrichtung von acht FLUID-Transportmodulen – jeweils vier an der Innen- und Außenseite der Wandscheibe – unter den
  • Querstahlprofilen, Montage von zwei Hydraulikeinheiten für den Horizontalverschub einschl. Wegmesseinrichtungen
  • Ausheben der Wandscheibe durch die FLUID-Module, Feinjustierung mittels Wegmesseinrichtungen
  • Computergesteuerter Horizontalverschub unter ständiger Kontrolle der lotrechten Wandposition
  • Einfahren der Module durch vorbereitete Nischen im neu hergestellten Stahlbetonfundament der Giebelwand, Schließen des Zwischenraumes zwischen Wand und Fundament durch Spritzbeton, Überwachung der Module bis zur Aushärtung des Spritzbetons, Lagesicherung der Wandscheibe

Betrieb für Bauwerkssicherung

  • Statisch-konstruktive Sicherung der Fassade und angrenzender Bauteile durch Aussteifung der Öffnungen und Montage einer inneren und äußeren
  • Fassadengurtung
  • Montage eines Raumgerüstes im verbleibenden Gebäudeteil
  • Vergütung der freigelegten Giebelfundamente durch Injektion bzw. Verfugung
  • Herstellung von vier Fundamentdurchbrüchen für das Einbringen der Transportmodule
  • Herstellung von vier Verschubbahnen
  • Lösen der Fassade vom Bestand mit Diamant-Sägetechnik
  • Ausheben der Wandscheibe durch die FLUID-Module, Feinjustierung mittels Wegmesseinrichtungen
  • Computergesteuerter Horizontalverschub

Zeitraum
2010

Auftragswert
300.000,- €

Ansprechpartner
Andreas Wallot
Konrad Kahle

Planungsbüro
Arge.org II:
Architekturbüro Kessler & Partner,
BauConsult Hermsdorf GmbH,
PGS+P Planungsgesellschaft
Steiner und Palme mbH

Objektadresse
Meininger Theater
Südthüringisches Staatstheater
Bernhardstr. 5
98617 Meiningen

Die Rettung und Wiedererweckung von Burg Storkow

Der Palas der Burg Storkow wäre buchstäblich fast untergegangen. Die Burg versank in zweieinhalb Jahren um 13 Zentimeter. Erst Bohrpfähle mit einer Länge von 13 m konnten das Gebäude für kommende Generationen sichern.

 

Eine Burg versinkt …

Dort, wo heute Besucher des Kultureums auf der Burg Storkow entspannt Konzerten lauschen und im NatureumAusstellungen zu Natur und Geschichte betrachten können, fühlten sich noch vor zehn Jahren Brennnessel, Giersch und Quecke heimisch. Vom einst stolzen bischöflichen Wohnschloss, dem Palas, standen zu diesem Zeitpunkt bereits seit zwei Jahrzehnten nur noch die Außenwände.

Ein durch Fahrlässigkeit ausgelöster Großbrand hatte Ende der 1970er Jahre den Renaissancebau schwer zerstört. Zudem drohte die Burg als eine der ältesten und bedeutendsten Burganlagen des östlichen Brandenburg buchstäblich fast unterzugehen. Der Palas versank in nur zweieinhalb Jahren um 13 Zentimetern im märkischen Boden. Zumindest mittelfristig stand der Gesamtverlust der Burganlage bevor.

Vor mehr als 900 Jahren war die Burg Storkow Ausgangspunkt der deutschen Besiedlung Ostbrandenburgs gewesen. Die mittelalterliche Burganlage legte man als Niederungsburg in sumpfigem Gelände an. Der slawische Name von Ort und Burg leitet sich wohl aus dem feuchten Wohnort ab: „sturkuowe“ – Weg durch den Sumpf.

Aus der eintausend Jahre alten Entscheidung für eine Sumpfburg resultierten ebenso typische wie massive Probleme bei der Erhaltung des Bauwerks. Die Gründung der Ziegelbauten bestand aus Spickpfählen, einer in feuchten Baugebieten seit dem Mittelalter durchaus üblichen Gründungsart. Dabei rammte man kurze Pfähle dicht an dicht und zueinander versetzt in den Untergrund, so dass der entstehende verfestigte Erdkörper als Fundament wirken konnte. Auf dem – aus Sicht der heutigen Bodenmechanik – so entstandenen „bewehrten Verbundkörper“ und damit direkt auf den Pfahlköpfen ruhte das aufgehende Mauerwerk.
Im Falle der Burg Storkow jedoch waren diese Pfahlköpfe durch säurebedingte Hydrolyse und hinzutretenden Pilzbefall so fortschreitend verrottet, dass unkontrollierte Absenkungen mit Setzungsraten von mehreren Zentimetern pro Jahr und damit erhebliche Deformationen an der gesamten Burganlage folgten.

 

Gemeinsam dem Morast abgetrotzt

Der Vielseitigkeit der zu bewältigenden Aufgaben stellte sich auch unsere Firmengruppe während der vergangenen Jahre mit beinahe ihrem gesamten Leistungsspektrum. Diese Bandbreite ist beispielhaft für die Stärke unserer Firmengruppe, in der Facharbeiter, Handwerksmeister und Ingenieure in nahezu allen Gewerken am Ziel einer innovativen und qualitätvollen Arbeit am Baudenkmal arbeiten.

Unsere Garten- und Landschaftsbauer schufen mit der Anlage einer nicht alltäglichen Baustraße einschließlich Dränagearbeiten und temporärer Wasserhaltung auf dem schwierigen Untergrund die Voraussetzung für den Transport von Technik und Baumaterialien.

Die Abteilung Spezialtiefbau nahm die Herausforderung unter teils sehr schwierigen Bedingungen an, den biotopartig überwachsenen Gewölbekeller im Palas zu beräumen und mit einer Nachgründung durch Kleinbohrpfähle das Gebäude und das nebenstehende Brauhaus zu stabilisieren. Allein diese Spezialarbeiten nahmen ein Jahr Bauzeit in Anspruch. Die Gesamtlänge der am Mauerwerk eingebrachten Bohrpfähle, die bis zu dreizehn Metern in die Tiefe reichen, würde eine Strecke von 2,5 Kilometern ergeben. Schon die Zahlen von 1400 m³ Beton und 200 t Bewehrungsstahl verdeutlichen die Mengen der mit Streichbalken, Fundamenten, Bodenplatten und Decken notwendigen neuen Tragelemente an diesen Gebäuden der Burg.

Verantwortlich für den mittlerweile wieder malerisch erstrahlenden Kontrast aus Ziegelstein- und Zyklopenmauerwerk am Palas und den historischen Burgmauern zeichnet unsere Maurerabteilung. Den Ergänzungen des Mauerwerks im Bereich der Wände und Gewölbe mit eigens angefertigten Ziegelsteinen, der Fugensanierung, den Abdichtungsmaßnahmen und dem Aufbringen von Putzen und Lasuren gingen Verankerungen und Vernadelungen in unterschiedlichsten Ausführungen voraus. Risssanierungen und Verpressarbeiten wurden ebenso ausge-
führt wie Hohlraumverfüllungen mit Injektionsschaummörtel. Den Schwammbekämpfungsmaßnahmen im Bestandsmauer-
werk stand der Neubau der gesamten nördlichen Umfassungsmauer inklusive eines Torbogens gegenüber.

Unsere Steinrestauratoren übernahmen es, Formergänzungen im Bereich von Ziegelsteinflächen und Naturwerksteinen vorzunehmen. Insgesamt waren am Ende 100.000 Ziegelsteine und etwa 350 t Mauer- und Fugenmörtel verbaut worden.

 

Der neue Dachstuhl nach überlieferten Formen

Einer anspruchsvollen Aufgabe stellten sich auch unsere Zimmerleute: Der Dachstuhl des Palas sollte vollständig neu errichtet, der des Brauhauses wegen des hohen Schädigungsgrades substantiell erneuert werden. Die überlieferten Formen von Dach und Gauben treten nun wieder nach außen in Erscheinung. Dabei gelang es, den modernen Dachstuhl an den historischen, nicht parallelen Verlauf der Palasmauern anzupassen, ohne dass dies nach außen hin sichtbar wäre. Im Ganzen wurden etwa 150 m³ Holz verschiedenster Qualitäten verbaut.
Den Dachstuhl des Palas, des Brauhauses und des Torbogens deckten unsere Dachdecker in einer gemischten Biberschwanzdoppeldeckung ein: eine seltene und nur von uns angewandte, aber im Ergebnis ästhetisch sehr überzeugende Maßnahme. Eine weitere Besonderheit des Daches sind die Fledermausgauben, deren Details der Zimmerer- als auch der Dachdeckerleistungen eine Ausnahmeerscheinung darstellen. Die Mauerkronenab-
deckungen und Wandanschlüsse führten unsere Dachspezialisten in Walzblei aus.

Gewerk Spezialtiefbau

  • Beräumung des überwachsenen Gewölbekellers im Palas
  • Nachgründung durch Kleinbohrpfähle mit einer Gesamtlänge von 2,5 Kilometern und einer Tiefe von bis zu 13 m
  • Einbringen von 1400 m³ Beton und 200 t Bewehrungsstahl an Streichbalken, Fundamenten, Bodenplatten und Decken
  • Sicherung der erhaltenen Teile des Kellergewölbes mit bewehrten Spritzbetonschalen
  • Nachgründung der historischen Umfassungsmauern aus Ortbetonpfählen

 

Gewerk Maurer

  • Ergänzungen des Mauerwerks im Bereich der Wände und Gewölbe mit eigens angefertigten Ziegelsteinen
  • Fugensanierung, Abdichtungsmaßnahmen und Aufbringen von Putzen und Lasuren
  • Verankerungen und Vernadelungen in unterschiedlichsten Ausführungen
  • Risssanierungen und Verpressarbeiten
  • Hohlraumverfüllungen mit Injektionsschaummörtel
  • Schwammbekämpfungsmaßnahmen im Bestandsmauerwerk
  • Neubau der gesamten nördlichen Umfassungsmauer inklusive eines Torbogens

 

Gewerk Restaurierung

  • Formergänzungen im Bereich von Ziegelsteinflächen und Naturwerksteinen

 

Gewerk Dachsanierung

  • Eindeckung des Palas’, des Brauhauses und des Torbogens in gemischter Biberschwanzdoppeldeckung
  • Neubau und Eindeckung von Fledermausgauben mit einer Traglattung aus Rundstahl statt in Holz

 

Gewerk Zimmerer

  • vollständige Neuerrichtung des Dachstuhls des Palas
  • substantielle Erneuerung des Dachstuhls des Brauhauses
  • raumbildender Ausbau des offenen Dachstuhls in Form einer eingehangenen Galerie
  • ingenieurstechnisch abgebundener Dachstuhl mit Verspannungen und Stahlsonderteilen
  • Neubau eines Dachstuhls über der neu errichteten Toreinfahrt
  • insgesamter Verbau von etwa 150 m³ Holz verschiedenster Qualitäten
  • Neubau der Traglattung an den Fledermausgauben mit Rundstahl statt in Holz
  • Verkleidung der Innenseite der Fledernmausgauben durch dünnes Birkensperrholz, das die geschweifte Form der äußeren Gauben vollständig aufnimmt

 

Gewerk Freiflächengestaltung

  • Anlage einer Baustraße einschließlich Dränagearbeiten und temporärer Wasserhaltung auf sumpfigem Untergrund

Zeitraum
2002 – 2008

Ansprechpartner
Enrico Herda

Planungsbüro
Dipl.-Ing. Arch. Thomas Alt
Wilhelm-Staab-Str. 4
14467 Potsdam

Bauherr
Stadt Storkow
Bauamtsleiter Manfred Filor
Rudolf-Breitscheid-Str. 74
15859 Storkow