Ausgewählte Referenzen

Komplexe Bauleistungen

Bukarest, Residenz des Botschafters der Bundesrepublik Deutschland

Bukarest liegt in einem uralten Siedlungsgebiet. Zuerst erwähnt wird die Stadt aber erstmals am 20. September 1459 – in einer Urkunde, die der Woiwode Vlad Tepes ausstellte, besser bekannt als Dracula. Heute ist Bukarest eine riesige, lebendige Stadt mit demnächst zwei Millionen Einwohnern. Und Bukarest gehört wie Tokio, Neapel oder San Francisco zu den Großstädten, die in einer hochaktiven Erdbebenregion liegen. Besonders stark bebte in Bukarest die Erde am 30. August 1986 und am 30. Mai 1990. Zum Glück hat man schon lange dieses Problem berücksichtigt und so sind gerade aus dem 19. und dem frühen 20. Jahrhunderts viele bedeutende Bauwerke erhalten geblieben, die bis heute dokumentieren, dass Bukarest damals nicht umsonst das „kleine Paris“ genannt wurde. In dieser Zeit orientierten sich die Eliten des noch jungen Königreichs Rumänien hinsichtlich der Lebensart nach Paris, hinsichtlich der Technik und der Organisation des Landes aber nach Deutschland, von wo man sich viele Techniker und solides technisches Wissen holte. Wenn so manches Gebäude dieser Zeit trotzdem in der Zwischenzeit verschwunden ist, so liegt das nur z. T. an den Kräften der Natur. Letztlich wirkten sich die Abrissaktionen des Diktators Nicolae Ceausescu, der Bukarest zu einer kommunistischen Musterstadt machen wollte, verheerender aus als alle Erdbeben der letzten hundert Jahre zusammen.

Zu den vielen schönen und luxuriösen Wohnbauten, die um 1900 in Bukarest entstanden, gehört eine 1903 bis 1904 gebaute herrschaftliche Villa, die die Bennert Gruppe jetzt zur Residenz des deutschen Botschafters umgebaut hat. Die Gestaltung des dreieinhalbgeschossigen Gebäudes orientiert sich an französischen Palais des 18. Jahrhunderts. Das gilt nicht nur für das Grundkonzept des Baus, sondern auch für solche Details wie den kunstvoll geschmiedeten eisernen Zaun. Es wurde an nichts gespart, wie schon die Stuckpilaster mit ihren ionischen Kapitellen bezeugen. Zwischen diesen der Wand vorgelegten flachen Säulen öffnen sich die hohen Fenster der beiden Hauptgeschosse, die jeweils mit einem kleinen Balkon geschmückt sind. Ein wirkliches Schmuckstück ist das in schwungvollen Jugendstilformen gehaltene Vordach, das den Haupteingang überspannt. Es sieht aus, als wäre es von einer Pariser Metrostation abmontiert und nach Bukarest gebracht worden.

Das alles und noch viel mehr zeigt, wie hoch das bauliche und künstlerische Niveau im damaligen Bukarest war. Dennoch: Auch die schönsten Jugendstilformen können nicht darüber hinwegsehen lassen, dass es heute andere Standards für Erdbebensicherheit gibt als 1904. Dass das Gebäude seither schon mehrere dramatische Situationen überstanden hat, ist kein Beweis dafür, dass es auch in Zukunft den seismischen Kräften trotzen wird. Die modernen Bestimmungen zur Erdbebensicherheit machten es jedenfalls erforderlich, das Gebäude grundständig zu sichern.
Es wurde einer der anspruchvollsten Aufträge, die die Bennert Gruppe je ausgeführt hat – und das unter den speziellen Bedingungen, die bei einem Bau für einen deutschen Botschafter einzuhalten sind, in einer Stadt, die von unserer „Basis“ im thüringischen Klettbach doch ziemlich weit entfernt ist. Beteiligt waren alle Gewerke, von den Bauhauptarbeiten über die restauratorische Instandsetzung bis hin zur gärtnerischen Gestaltung der Dachterrasse und der Außenanlagen. Die technische Gebäudeausstattung wurde mit Partnerfirmen auf modernstem technischen Niveau realisiert.

Im Zentrum der Bauaufgabe stand jedoch die Erdbebensicherung. Entscheidend dafür war die Errichtung eines massiven Betonkerns, der sich vertikal durch das Gebäude erstreckt und an den die Geschossdecken kraftschlüssig angeschlossen sind. Die Basis für die Erdbebensicherheit des Betonkernes bilden 24 Bohrpfähle mit einem Durchmesser von 40 cm, die 8 m in den Untergrund abgetäuft wurden und eine massive 80 cm starke Bodenplatte. Diese Arbeiten waren mit Respekt vor der historischen Bausubstanz unter stark beengten Verhältnissen unterhalb des Gebäudes auszuführen. Gleichzeitig konnten in diesem Betonkern der Aufzug, die Küche und die Nasszellen untergebracht werden. Besondere Aufmerksamkeit galt den Decken, deren Stabilität für den Erdbebenschutz entscheidend ist. Die Decke über dem Hochparterre musste dabei mit besonderer Sorgfalt behandelt werden, um den kostbaren Stuck zu erhalten. Deshalb wurde hier eine Stahlbeton-Holzverbundkonstruktion hergestellt, um die gewünschte Deckentragwirkung zu erreichen. Alle anderen Geschossdecken wurden in Massivbauweise ersetzt. Ein weiterer großer Teil unserer Arbeiten betraf das Dachgeschoss.

Da der vorhandene nachbauzeitliche Bestand im Rahmen der Erdbebensicherung beseitigt werden musste, bot es sich an, hinter der hohen Attika eine moderne Dachterrasse anzulegen, die einen ungehinderten Ausblick über die Stadt bietet und die als Ersatz für einen größeren Garten dient, über den die Anlage nicht verfügt. Im Inneren lag ein Schwerpunkt auf der Restaurierung der historischen Repräsentationsräume, die mit ihrem filigranen Stuck, ihren Wandverkleidungen, sowie den originalen Fenstern und Türen echten Pariser Charme widerspiegeln, den man im alten Bukarest so liebte.

Die Vorbildwirkung Deutschlands in der Umweltpolitik, die durch den VW-Skandal etwas gelitten hat, zeigt sich hier jedoch besonders im energetischen Konzept. Eine Wärmepumpe, die ihren Wärmegewinn aus 14 Erdsonden ohne CO2-Ausstoß und Stickoxide bezieht, sorgt für die nötige Wärme im Winter, und im Sommer durch eine Umkehr des Betriebes für die erforderliche Raumkühlung.
Die historischen Fenster wurden unter Beibehalt ihrer formschönen Profilierung und Sprossung mit Isolierglasscheiben energetisch aufgewertet, Das Farbkonzept, das nach ausgiebiger Befundung entwickelt wurde, orientiert sich am Pariser Jugendstil der Erbauungszeit.

Ein paar Zahlen, die den Umfang der Arbeiten dokumentieren: 3.500 Tonnen Schutt mussten entsorgt werden. Bei den Bauhauptarbeiten haben wir 110 Tonnen Betonstahl und 650 m³ Beton verbaut. 320 m² historische Balkendecken waren zu sanieren, ebenso 1.500 m² Putz- und Stuckfassaden und 250 m² Doppelfensterflächen. 6500 m² wurden gestrichen. In den Außenanlagen haben wir ungefähr 4500 Pflanzen eingesetzt. Nicht zu vergessen: der Einbau einer Großküche. Durchschnittlich waren pro Tag fast 60 Mitarbeiter auf der Baustelle.

Natürlich lief nicht immer alles wie am Schnürchen, schließlich hielt unsere Villa einige Überraschungen parat, wie zum Beispiel die zu geringe Fundamentierung in den Tiefkellerbereichen. Die zusätzlichen Unterfangungen kosteten zusätzliche Bauzeit aber durch die gute, konstruktive Zusammenarbeit aller am Bau Beteiligten konnten wir die Reibungsverluste sehr gering halten. Bei den enormen Mengen, die auf engstem Raum abzuarbeiten waren, war Einfallsreichtum gefragt, um die Effektivität hochzuhalten. Weil die Gebäudeunterfangungen noch nicht abgeschlossen waren, wurde beispielsweise der Betonkern von oben nach unten etagenweise betoniert. Durch die nötige Sorgfalt bei den Betonarbeiten, trafen sich die oberen und unteren Wände in den vorberechneten Punkten und wir konnten Bauzeit einsparen. Und am Ende spricht das Werk für sich. Innerhalb von nur zwei Jahren haben wir das 862seitige Leistungsverzeichnis mit seinen ungefähr 3000 Positionen in bester Qualität bewältigen können. Darauf dürfen wir schlicht und einfach stolz sein.


Wir danken den Mitarbeitern der Deutschen Botschaft in Bukarest für ihre Unterstützung bei vielen organisatorischen Herausforderungen, die im Ausland eben doch anders zu lösen sind als in Deutschland. Wir danken allen deutschen und rumänischen Planern und Fachplanern, vor allem Herrn Reckow und Herrn Fiege vom Büro Dr. Krekeler, die sich genau wie wir immer wieder neu auf die baulichen Herausforderungen einstellen mussten. Und wir danken unserem Auftraggeber, dem BBR für einen pragmatischen und fairen Umgang mit allen baulichen und finanziellen Herausforderungen dieser Bauaufgabe. Weiterhin bedanken wir uns besonders bei unseren Mitarbeiten vor Ort, Ingo Lange, Sorin Tont, Adrian Pandele, Tim Klopfer und Giancarlo Nisi sowie allen beteiligten Bennert Mitarbeitern in Deutschland, die durch ihre engagierte Mitarbeit zum Gelingen des Projektes beigetragen haben.

Unsere größte Baustelle – Die Bastion Maria-Theresia in Timisoara

Nach über 2,5 Jahren Bauzeit ist das mit fast 10 Mio. € Umsatz größte Bauvorhaben unserer Firmengeschichte, die Maria-Theresia-Bastion in Timisoara, erfolgreich beendet. Die Sanierung der gewaltigen Festung beschäftigte nahezu all unsere Gewerke und umfasste unter anderem die Aufarbeitung von 25.000 m² Klinkermauerwerk, die Herstellung von 6.800 m² Gründächern oder die Verlegung von 30.000 m² Cat6-Kabel.



Festungsreste im Westen Rumäniens

Die Geschichte Timisoaras reicht bis in das 1. Jahrhundert zurück, Ursprung der Stadt war ein römischer Wehrbau zwischen Theiß und Donau gegen die Daker. Über das gesamte Mittelalter bis in die Neuzeit hinein blieb das als Banat bezeichnete Gebiet ein heiß umkämpftes Bollwerk abendländischer Kultur gegen Invasoren aus Asien und dem Orient. Die später zum Königreich Ungarn gehörende Stadt Timisoara wird 1552 schließlich von den Türken eingenommen und gehört 162 Jahre lang zum Osmanischen Reich.

Erst im Zuge des venezianisch-österreichischen Türkenkrieges gelingt es 1716, das Banat wieder von den Osmanen zu befreien. Nun siedelten hier auch Deutsche aus dem Südwesten des Reiches – die Banater Schwaben – und errichtete zwischen 1723 und 1765 in Timisoara eine moderne Festung, welche die alte mittelalterliche Zitadelle ersetzte. Die Anlage war eine der größten Europas und von insgesamt 9 Bastionen umgeben. Heute ist allerdings nur noch die 1,7 ha umfassende Maria-Theresia-Bastion vollständig erhalten.

Auch die Maria-Theresia-Bastion war eigentlich für den Abriss bestimmt, erstaunlicherweise entschied man sich für eine Integration der Festungsüberreste in das Stadtbild. Nach dem Sturz der kommunistischen Diktatur in Rumänien gab es erste Bemühungen um eine Revitalisierung. Aber erst 2008 bekommt die alte Festung wirklich eine neue Chance: Die EU stellt 5 Millionen Euro aus dem PHARE-Fonds für die Sanierung und bauliche Aufwertung der riesigen Anlage zur Verfügung. Im Ergebnis einer europaweiten Ausschreibung liegt die BENNERT-Gruppe nur auf dem dritten Platz, erhält jedoch wegen der ungleich besseren Referenzen den Zuschlag – und damit einen Auftrag, der das Unternehmen vor neue Herausforderungen stellt.



Vielfältige Anfonderungen in höchster Qualität

Die Höhe der Einzelaufträge liegt bei einem Sanierung- und Restaurierung-Unternehmen wie der BENNERT-Gruppe meistens im sechsstelligem Bereich; Millionenaufträge sind in der Minderzahl. Grundsätzlich ist dies wünschenswert, weil die Vermeidung der Abhängigkeit von wenigen Großaufträgen höhere wirtschaftliche Stabilität verspricht. Dennoch freuten wir uns über den Eingang eines Auftrags mit einem Volumen von 9,9 Millionen Euro, auch wenn der Ort seiner Ausführung 1.152 Autokilometer vom Firmensitz entfernt lag. Auch wenn in der Vergangenheit sporadisch im europäischen Ausland gearbeitet wurde, waren für die Sanierung der gewaltigen Festung logistische Probleme in einer neuen Größenordnung zu bewältigen.

Als Maßeinheit für mehrere Positionen des Leistungsverzeichnisses wären Hektar und Kilometer durchaus angebracht gewesen; entsprechend hoch war der Materialbedarf für Leistungen, von denen nur einige hier aufgeführt werden sollen:

  • Aufarbeitung von 25.000 m² Klinkermauerwerk mit Austausch von Einzelsteinen, Verfugung, Festigung und Hydrophobierung
  • Austausch von 750 m³ Mauerwerk
  • 800 m Risssanierung
  • Bearbeitung von 17.000 m² Putz- und Malerflächen
  • Verlegung von 12.000 m² Kalksteinplatten innen und außen
  • Herstellung von 6.800 m² Gründächern
  • Aufbringen von 2.300 m² Biberschwanzdoppeldeckung einschließlich der Unterkonstruktion
  • Verlegung von 2.200 m² Parkett
  • 7.000 m³ Erdaushub
  • Abbund von 300 m³ Konstruktionshölzern
  • Herstellen von 650 m³ Ortbeton
  • Einbau von 1.500 m² Fenster und Türen
  • Installation von 1.200 Stück Lampen
  • Verlegung von 30.000 m Cat6-Kabel

Auch der Neubau aus Beton und Glas, der zu zwei Dritteln unter der Erde liegt, war sehr aufwändig. Denkmalpflegerische Prinzipien besaßen bei dem Bauvorhaben nicht die von Deutschland gewohnte Priorität, stattdessen mussten höchste Ansprüche an die Qualität von Material und Ausführung erfüllt werden.

Unsere umfangreiche Leistungspalette verwandelte das Areal zum Knotenpunkt zwischen historischem Stadtkern und neueren Gebieten.

Gewerk Maurer

  • Entfernung loser Teile der Mauerkrone und des Bewuchses sowie vorhandener Risse mittels Personenlift
  • Wiederherstellung des Raumerlebnisses im Refektorium durch Rückbau des später eingefügten Kreuzgewölbes
  • Mauerwerksertüchtigung in der Abtei, der “Latrine”, im “Prolog” und dem nordöstlichen Treppenhaus
  • Bestücklung und Ausstellung mit aufgefundenen Artefakten, Spolien, Statuen und Werksteinfragmenten früherer Bauphasen des Klosters

 

Gewerk Zimmerer

  • Instandsetzung des Dachstuhls und angrenzender Dachstuhlteile des Kalefaktoriums bzw. Dormitoriums
  • Errichtung einer begehbaren Fläche im 1. Obergeschoss über dem Kreuzgratgewölbe des Brüdersaales
  • Die komplette Erneuerung der Aufschieber auf der Ostseite die Dacheindeckung einschließlich Dachlattung
  • Aufgedübelte Dämmung aus Mineralfaserdämmplatten im Bereich der Gewölbe über dem Brüdersaal
  • Aufarbeitung der historischen, bauseits vorgehaltenen ca. 5 cm starken Dielenbretter

 

Gewerk Restaurierung

  • Restauratorische Bearbeitung von Wand-, Putz-. Werksteinflächen und Fußböden
  • Bestückelung uns Ausstellung mit aufgefundenen Artefakten, Spolien, Statuen und Werksteinfragmenten früherer Bauphasen des Klosters

Zeitraum
2008 – 2010

Auftragswert
12,24 Mio. € (brutto)

Ansprechpartner
Dipl.-Ing. Jörg Frobel
Dipl.-Ing. Steffen Steinke

Planungsbüro
S.C. ARCHAEUS S.R.L.
Domnul M.Miclaus

Objektadresse
Maria-Theresia-Bastion
Strada Hector – Popa Sapca
300054 Timisoara
Rumänien

Bauherr
Consiliul Judetean Timis