Ausgewählte Referenzen

Zimmerer

Aufwändige Dachstuhlsanierung am Freiburger Augustinermuseum

Nach drei Jahren Bauzeit wurde das größte Museum Südbadens im März 2010 fertiggestellt und wiedereröffnet. Im Zuge der umfangreichen Sanierungsarbeiten bestand die Aufgabe im Ab- und Wiederaufbau des Dachstuhls sowie der Dekontaminierung der Hölzer mittels Trockeneisstrahlen.

Bauherr.
Stadt Freiburg im Breisgau
Hochbauamt
Fehrenbachallee 12
79106 Freiburg im Breisgau

 

Vergiftete Gotik

Ursprünglich war dieses Museum ein Kloster der Augustinereremiten, die darin von 1278 bis 1782 residierten. Die Saalkirche des gotischen Ensembles fungierte von 1823 bis zum Jahr 1910 als städtisches Theater. Damals befand man, dass das Objekt den bestmöglichen Rahmen für die Kunstsammlungen der Stadt böte und begann den Umbau zum Museum. Bald konnte eine bedeutende Kunstsammlung vom Mittelalter bis zum Barock mit der oberrheinischen Kunst als Kern präsentiert werden, die das Kloster zu einem der wichtigsten Museen Süddeutschlands aufsteigen ließ.

Irgendwann zwischen 1920 und 1980 fasste man in Freiburg den Entschluss, die alten Hölzer des Museumsbaus vor allen erdenklichen Holzschädlingen zu schützen und holte dazu aus dem Arsenal der Holzschutzmittel die schärfsten damals bekannten Waffen: Pentachlorphenol (PCP), Lindan und auch das nicht so häufig eingesetzte Chlornaphtalin. Erst in den späten 70er Jahren geriet Pentachlorphenol zunehmend in den Verdacht, Gesundheitsschäden bei Personen hervorzurufen, die sich in Räumen mit PCP-behandeltem Holz aufhielten. Im Augustinermuseum hatte der Feldzug mit der chemischen Keule gegen die Holzschädlinge zur Folge, dass einige Trakte unbenutzbar waren und für Jahre geschlossen werden mussten. Eine Generalsanierung stand an.

Die Stadt beauftragte das Frankfurter Büro Prof. Mäckler mit dem Entwurf eines recht revolutionären architektonischen Konzeptes, das man mit dem Begriff „Haus in Haus“ beschreiben könnte. Für die damit verbundenen Rohbauleistungen, zu denen die Entkernung, Freilegung der Gründung und die völlige Demontage des Daches gehörten, fand sich in einer europaweiten Ausschreibung zunächst kein Bieter. Nachdem wir den Auftrag für Demontage, Dekontamination und Wiederaufrichtung der Dachkon-
struktion erhalten hatten, konnte 2007 auch der Umbau von Langhaus und Chor beginnen, der insgesamt drei Jahre dauern sollte.

 

Arbeiten im kontarminierten Bereich

Der Umgang mit kontaminiertem Holz ist eine hochspezialisierte Leistung, die nicht nur einschlägige Erfahrung, sondern auch eine entsprechende betriebliche Organisationsstruktur erfordert, z. B. regelmäßige Kontrollen der Mitarbeiter durch den medizinischen Dienst.

Das Arbeiten mit Halbmaske und Schraubfilter beschreibt einer unserer Mitarbeiter als: „Wie ein 100-m-Lauf mit nur einem Nasenloch“.

 

Dekontaminierung der Holzbauteile im Trockeneisstrahlverfahren

Die Entgiftung der Konstruktionshölzer des Kirchendaches erwies sich für uns als zentrales Problem der Bauaufgabe. In Vollschutzkleidung und unter Atemschutzgerät, teilweise bei Temperaturen um die 30°C, mussten unserer Zimmerleute jedes einzelne Holzbauteil demontieren, deren Lage für den späteren Zusammenbau auf einem Plan skizzieren und dann durch die engen Gassen der badischen Metropole zu einer Lagerhalle transportieren. Dort wurden die Hölzer mittels Eisstrahlgerät dekontaminiert.

Dabei werden die zu behandelten Teile mit gefrorenen Kohlendioxidpellets bestrahlt, die nur leicht in das Material eindringen. Es eignet sich sehr gut zur Entfernung von Schadstoffen wie Holzschutzmitteln, die sich in oberflächennahen Schichten des Holzquerschnittes angelagert haben.

Wir behandelten einen Großteil der Hölzer im Trockeneisstrahlverfahren. Es dient zur schonenden Vorbereitung der Holzoberflächen für Anstriche oder zur Dekontamination schadstoffbelasteter Holzbauteile.

 

Maskierung von kontaminierten Holzbauteilen

Das früher im Bayer-Produkt Basileum SP 70 enthaltene Chlornaphtalin ist zwar nicht so stark gesundheits-
schädlich wie PCP, belästigt aber mehr durch seinen muffigen Geruch. Einen Ausweg bietet die „Maskierung“ der Hölzer, worunter ihre Beschichtung zu verstehen ist. Um den Erfolg der Maskierungstechnologie garantieren zu können, verblieben die beschichteten Hölzer über mehrere Wochen in einem geschlossenen Raum, dessen Luft kontinuierlich analysiert wird. Es konnten trotz hohen Dampfdrucks von Chlornaphtalin keine Ausgasungen festgestellt werden – die gestellte Aufgabe wurde erfüllt.

Die therapierte Dachkonstruktion konnte 2009 von uns wieder aufgerichtet werden; das Museum wurde mit beeindruckender neuer Architektur am 23. März 2011 eröffnet.

Gewerk Zimmerer

  • Abriss und Neubau des Dachstuhles
  • Einbau von Stahlkonstruktionen
  • Einbau von Fahrstuhlschächten aus Holzwerkstoff
  • Abbruch und Sicherung der Fachwerkfassade zum Hof
  • Einbau eines neuen Tragwerkes, wegen Einbau eines Atriums im Hof

Zeitraum
2007-2010

Auftragswert
1,2 Mio € (brutto)

Ansprechpartner
Holger Schmidt

Planungsbüro
Architekten
Prof. Christoph Mäckler
Friedrich-Ebert-Anlage 2-14
60325 Frankfurt/Main

Bauherr
Stadt Freiburg im Breisgau
Hochbauamt
Fehrenbachallee 12
79106 Freiburg im Breisgau

Beten und Arbeiten im Zisterzienserkloster Walkenried

Am ehemaligen Zisterzienserkloster Walkenried waren neben Arbeiten der Ruinensicherung auch hochanspruchsvolle Umbauten und Mauerwerkssanierungen an Klausur und Kreuzgang auszuführen.

 

Ora et Labora

Seine Randlage an der innerdeutschen Grenze versetzte das ehemalige Zisterzienserkloster Walkenried für mehr als vier Jahrzehnte in eine Art Dornröschenschlaf. Im Süden und Osten unmittelbar von DDR-Grenzposten „bewacht“, gelang es nur wirklich Interessierten, sich einen Weg in den verschlafenen Harzort zu bahnen. Dabei birgt die Gemeinde eines der drei ältesten Klöster des Zisterzienserordens auf deutschem Boden und eine der ehemals reichsten Abteien Niedersachsens. Die imposante frühgotische Kirchenruine lässt selbst den Laien die Bedeutung des Klosters erkennen. Die wenigen heute noch aufrecht stehenden Bauglieder vermitteln dem Besucher einen Eindruck davon, welch gewaltige Dimensionen die Basilika einst erreichte und wie vielen tiefgläubigen Gottesmännern sie seinerzeit Herberge für Meditation und Gebet war.

Die Angst vor herabstürzenden Mauerwerksteilen trübte jedoch in den vergangenen Jahrzehnten den Besuch einer der bedeutendsten Klosteranlagen des 13. Jahrhunderts im mitteldeutschen Raum. Zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts stürzten Teile der Chorruine ein und ein Novembersturm des Jahres 1972 löste die endgültige Entscheidung aus, den Bogen des letzten gotischen Maßwerkfensters wegen drohender Einsturzgefahr abzutragen.

 

Stetiges Absacken erforderte neue Sicherungsarbeiten

Das Fundament für den Ruin haben die mönchischen Bauherren im 13. Jahrhundert wohl selbst gelegt. Hunderte von Eichenpfählen bildeten die Basis für den Kirchenbau. Die Überlebensstrategie des Konvents basierte auf Eigenwirtschaft und Selbstversorgung und dafür war auch hier die Anlage dutzender Fischteiche nötig. Mit den Wasserläufen jedoch änderte sich auch der Grundwasserstand, was den Eichenstämmen, die die ungeheure Last der Kirchenmauern aufnehmen sollten, wohl den Halt nahm. Die Folge war ein deutliches Absacken und Verformen des aufgehenden Mauerwerks.

Maßnahmen zur statischen Ertüchtigung wurden bereits in den 80er Jahren durchgeführt. Die vergangenen zwei Jahrzehnte zeigten, dass die Gründung noch nicht zur Ruhe gekommen ist. Neben neuen Rissbildern ist eine teilweise deutliche Fortsetzung der Verformungen feststellbar, die neue Sicherungsarbeiten erfordern werden. Um den Verfall der frei begehbaren Kirchenruine zumindest zu verlangsamen und die Sicherheit von Besuchern zu gewährleisten, wurden durch uns im Vorgriff mit einem Personenlift lose Teile der Mauerkrone und Bewuchs entfernt sowie vorhandene Risse verschlossen.

Im Gegensatz zur Kirchenruine befindet sich der größte Teil der Klausurgebäude und des Kreuzgangs in seinem ursprünglichen baulichen Zustand. Er vereint sämtliche angrenzenden Gebäude des Klosters zu einer geschlossenen Architektur. Was den Walkenrieder Kreuzgang gegenüber unzähligen anderen Klosteranlagen Europas so einzigartig macht, ist sein wunderschöner zweischiffiger Nordflügel, eine Besonderheit, die nur wenige andere monastische Bauwerke aufweisen und deren Entstehung.

In Vorbereitung seiner neuen Nutzung als Zisterziensermuseum war nicht nur die Instandsetzung und Sicherung der Architektur des Klosters notwendig. Auch eine moderne Wegeführung musste durch sensible Einbauten realisiert werden. Der ursprünglich desolate Zustand des Ostflügels mit Abtei, Latrine und dem „Prolog“ des Dormitoriums verlangte unseren Mitarbeitern einmal mehr all ihre Fähigkeiten bei der Restaurierung hochwertiger Denkmalarchitektur ab.

 

Die zimmermannsmäßige Instandsetzung des Dachstuhls

Vor ca. 20 bis 30 Jahren hatte es bereits eine Komplettinstandsetzung der Dachstühle des Prologs Dormitorium und der Abtei gegeben, in deren Ausführung es jedoch teilweise erhebliche Mängel gab. Ziel der Arbeiten im Prolog des Dormitoriums war die zimmermannsmäßige Instandsetzung des Dachstuhls und angrenzender Dachstuhlteile des Kalefaktoriums bzw. Dormitoriums sowie die Errichtung einer begehbaren Fläche im 1. Obergeschoss über dem Kreuzgratgewölbe des Brüdersaales. Soweit es technisch möglich und sinnvoll war, wurden die Holzreparaturen im Querschnitt mit traditionellen zimmermannsmäßigen Holzverbindungen unter Verwendung moderner Verbindungsmittel ausgeführt.

Die Bearbeitung begann mit Abbruch von Resten der Holzbalkendecke über dem zukünftigen Treppenhaus. Nach Einrüstung und Aufnahme des kompletten Schadbildes der Dachkonstruktion durch Inaugenscheinnahme stellte sich heraus, dass der Umfang der Holzschäden weitaus größer war als vorher vermutet.

Die innere und äußere Mauerlatte auf der Ostseite wurde einschließlich der quer zur Mauerkrone angeordneten Lagerhölzer komplett mit Altholz Eiche erneuert. Am aufwendigsten gestaltete sich die Sanierung des nordwestlichen Dachbereichs im nördlichsten liegenden Stuhl, in dem nahezu alle Holzbauteile abschnittsweise ersetzt oder ergänzt werden mussten. Durch den weitaus größeren Umfang der Zimmerarbeiten wurden neben den beschriebenen Arbeiten an den Anschlusskehlen auch viel größere Eingriffe in die Dacheindeckung der Ostseite erforderlich. So musste durch die komplette Erneuerung der Aufschieber auf der Ostseite die Dacheindeckung einschließlich Dachlattung auf einer Dachhöhe von 3-4 m zurückgebaut und neu eingedeckt werden.

Die verbliebenen Bauteile im 1. Obergeschoss des Prologs (Stützen, Unterzüge) deren Holzverbindungen teilweise weit aufklafften wurden ertüchtigt indem passgenaue Ausklotzungen vorgenommen wurden. Die Gewölbe über dem Brüdersaal erhielten eine vollflächige entsprechend Vorgaben aufgedübelte Dämmung aus Mineralfaserdämmplatten. Parallel zu den beschriebenen Arbeiten erfolgte die Aufarbeitung der historischen, bauseits vorgehaltenen ca. 5 cm starken Dielenbretter. Diese mussten aufwendig sortiert, ausgewählt und „gesund“ geschnitten werden.

Gewerk Maurer

  • Entfernung loser Teile der Mauerkrone und des Bewuchses sowie vorhandener Risse mittels Personenlift
  • Wiederherstellung des Raumerlebnisses im Refektorium durch Rückbau des später eingefügten Kreuzgewölbes
  • Mauerwerksertüchtigung in der Abtei, der “Latrine”, im “Prolog” und dem nordöstlichen Treppenhaus
  • Bestücklung und Ausstellung mit aufgefundenen Artefakten, Spolien, Statuen und Werksteinfragmenten früherer Bauphasen des Klosters

 

Gewerk Zimmerer

  • Instandsetzung des Dachstuhls und angrenzender Dachstuhlteile des Kalefaktoriums bzw. Dormitoriums
  • Errichtung einer begehbaren Fläche im 1. Obergeschoss über dem Kreuzgratgewölbe des Brüdersaales
  • Die komplette Erneuerung der Aufschieber auf der Ostseite die Dacheindeckung einschließlich Dachlattung
  • Aufgedübelte Dämmung aus Mineralfaserdämmplatten im Bereich der Gewölbe über dem Brüdersaal
  • Aufarbeitung der historischen, bauseits vorgehaltenen ca. 5 cm starken Dielenbretter

 

Gewerk Restaurierungen

  • Restauratorische Bearbeitung von Wand-, Putz-. Werksteinflächen und Fußböden
  • Bestückelung uns Ausstellung mit aufgefundenen Artefakten, Spolien, Statuen und Werksteinfragmenten früherer Bauphasen des Klosters

Zeitraum
2004 – 2006

Auftragswert
450.000,- € (brutto)
680.000,- € (brutto)

Ansprechpartner
Bernd Miller

Planungsbüro
Architekturbüro Kleinberg und Pohl
Hamburger Straße 267
38114 Braunschweig

Objektadresse
Kloster Walkenried
Steinweg 4a
37445 Walkenried

Rekonstruktion des historischen Dachstuhls an der Kirche St. Christophorus in Tiefurt

Das Dachtragwerk des Kirchenschiffs der Kirche St. Christophorus in Weimar-Tiefurt zeigte gravierende konstruktive und biotische Schäden, die bis hin zum Versagen ganzer Bauteile reichten. Deshalb errichteten wir das gesamte Dach nach dem historischen Vorbild neu.

 

Rettung kurz vor dem statischen Versagen

Die Kirche St. Christophorus in Weimar-Tiefurt liegt unmittelbar am Rande des Tiefurter Parks und damit im Umgebungsschutzbereich UNESCO-Weltkulturerbes „Klassisches Weimar“. Die Tiefurter Kirche ist seit dem 16. Jahrhundert Patronatskirche der Weimarer Fürsten.

Das Dachtragwerk der Kirche wurde im April/Mai 2010 aus statischer und holzschutztechnischer Sicht untersucht. Die begutachtete Holzkonstruktion im Dachstuhl des Kirchenschiffs zeigte gravierende konstruktive und biotische Schäden, die bis hin zum Versagen ganzer Bauteile reichten. Die Konstruktion war aufgrund bereits vollständig zerstörter und fehlender Tragwerksglieder sowie der festgestellten umfangreichen Querschnittsschwächungen und Verformungen nicht mehr wirtschaftlich sanierungsfähig. Darüber hinaus wurden im Zuge der Untersuchungen gesundheitlich bedenkliche Holzschutzmittelaltlasten im Dachstuhl festgestellt. Nach Einschätzung des Statikers bestand das Risiko eines reißverschlussartigen Versagens der gesamten Konstruktion. Die Resttragfähigkeit der Dachkonstruktion beruhte lediglich noch auf der Scheibenwirkung der äußeren Dach- und der inneren Tonnenschalung.

 

Neuerrichtung nach historischer Vorlage

Diese Einschätzung führte am 13. April 2010 zur Sperrung der Kirche durch die Bauaufsichtsbehörde. Dem Engagement der Kirchgemeinde und aller anderen Beteiligten ist es zu verdanken, dass schon nach kurzer Planungs- und Finanzierungsdauer mit der notwendigen Sanierung der Kirche begonnen werden konnte. Nach umfangreichen Variantenuntersuchungen und Kostenermittlungen wurde als Vorzugsvariante der Abriss und die Neuerrichtung des Daches nach historischer Vorlage beschlossen.

 

Oben ohne und dennoch dicht

Nach dem Abtragen des Daches schützte eine Technologie der BENNERT-Gruppe das Bauwerk: Dabei wird der gesamte Dachraum zur Bewitterung freigegeben und das eindringende Niederschlagswasser erst auf der Oberseite der Dachgewölbe gestoppt. Auf diese Fläche wird eine doppelte, verschweißte Teichfolie aufgebracht, in deren Tiefpunkten das Wasser durch Fallrohre oder Pumpen mit Schwimmerschalter abgeführt werden kann.

Auf die vorhandene Mauerkrone wurde zur Stabilisierung umlaufend ein neuer Ringanker betoniert. Dieser wirkt gleichzeitig als Durchwuchssperre für den festgestellten Echten Hausschwamm.

Den Dachstuhl selbst rekonstruierten unsere Zimmerer als Neubau aus Schwarzwaldlärche und in traditionell zimmermannstechnischem Abbund in allen seinen historischen Dimensionen – nach der notwendigen Stabilisierung der geschädigten Mauerkrone.

Wie sich erst kürzlich herausgestellt hat, ist der Pyramidenkanzelaltar eine rare Kostbarkeit. Dieser Altar stammt aus den Jahren 1715 bis 1725 und ist einer von neun noch vorhandenen Pyramidenkanzelaltären im Herrschaftsbereich des Weimarer Herzogtums. Diese Altäre sind ausschließlich in den Herzogtümern Sachsen-Weimar und Hessen-Waldeck verbreitet und stellen kunsthistorisch eine regionale Besonderheit dar.

Gewerk Zimmerer

  • Rekonstruktion des historischen Dachstuhls
  • Errichtung einer Abschottungsebene für die kontaminierten Dachkonstruktion vor Beginn der Abbrucharbeiten
  • Einhausung der zu schützenden Bauteile mit Plattenmaterial
  • Herstellung eines regendichten, wintertauglichen Notdaches mittels Abdichtungsbahn
  • Neubau des gesamten Dachstuhls als traditioneller zimmermannstechnischer Abbund

 

Gewerk Maurer

  • Herstellung eines Ringankers auf der geschädigten Mauerkone zur Stabilisierung und als Durchwuchssperre gegen Echten Hausschwamm

Zeitraum
November 2010 – Juni 2012

Ansprechpartner
Dipl.-Ing. Holger Schmidt

Bauherr
Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Tiefurt
Herderplatz 8
99423 Weimar

Besuchermagnet an den Saaletalsperren – Der Saaleturm von Burgk

Die grandiose Aussicht über das reizvolle Umland der Gemeinde Burgk, mit seinen Wäldern und der Saaleschleife, genießt man jetzt beim Erklimmen des neuen hölzernen Aussichtsturmes.

Die ostthüringische Gemeinde Burgk ist durchaus wohlhabend. Ihre idyllische Lage an der Saale-Kaskade hat ihr noch einen anderen Segen beschert: lebhaft sprudelnde Gewerbesteuern des Energiekonzerns Vattenfall, der die Kaskade zur Stromerzeugung nutzt. Trotzdem gehört Burgk zu der Vielzahl stark schrumpfender Dörfer; es hat zwischen 1994 und 2010 28% seiner Einwohner verloren. Der für das Wohl von gerade noch 92 Seelen verantwortliche Gemeinderat stand 2009 vor der Frage, wie man den siebenstelligen Betrag auf dem Gemeindekonto so verwendet, dass er die Zukunftsfähigkeit des Örtchens möglichst nachhaltig sichert. Als bewährte Strategie zur Erreichung dieses Ziels kann eine signifikante Steigerung der touristischen Anziehungskraft gelten.

Aus dem Wunsch, die äußere Schönheit von Schloss Burgk für Besucher erlebbar zu machen, entstand die Idee eines Aussichtsturms. Über 192 Stufen gelangt der Besucher auf die Plattform des Aussichtsturmes in 36 m Höhe und kann einen grandiosen Ausblick über die Thüringer Kulturlandschaft genießen. Der Turm selbst misst eine stattliche Höhe von 43 m. Der perfekte Standpunkt und die optimale Höhe wurden bereits im Vorfeld optimiert und mit Hilfe einer 3D-Animation sowie fotodokumentarischen 360°-Untersuchungen ermittelt.

In den Diskussionen um das Vorhaben wurde bald klar, dass ein solches Bauwerk noch eine zweite Funktion zu erfüllen hätte. Er sollte rundum über viele Kilometer die Blicke auf sich ziehen und Interesse wecken, den Ort zu besuchen, an dem man ihn errichtet hatte.

 

Holz-Stahl-Konstruktion aus Leimholzbindern

Als Baumaterial kam in der waldreichen Gegend nur Holz in Frage, und ein Vorbild war auch bald gefunden: der im Jahre 2004 durch unsere Zimmererabteilung erbaute Aussichtsturm am Felixsee. Erfahrungen des konstruktiven Holzschutzes, die man an ihm gewonnen hatte, konnten von vornherein in das neue Vorhaben einfließen.

Das Tragwerk ist eine Holz-Stahl-Konstruktion mit sechs Brettschichtholzstützen, deren Antransport an die Baustelle bereits ein logistisches Problem darstellte. Noch kniffliger war die Montage, weil die Lagesicherung der übergroßen Brettschichtelemente erst durch ein umfangreiches System von Zugstangen und Druckstützen gewährleistet ist. Um die Mittelstütze wendelt sich die Treppenanlage mit 192 Stufen; ihr Versatz war erst möglich, als das eigentliche Tragwerk stand.

An die stählerne Mittelrohrstütze wurden Stück für Stück Bogenbinder aus Brettschichtholz von 34 m Länge, 1,10 m Tiefe und 0,24 m Breite über Radialriegel angelehnt. Tangentialriegel verbinden die Bogenbinder untereinander. Radialriegel hingegen wurden zwischen den Bindern und der Mittelrohrstütze versetzt angeordnet angebracht.

Zur Aussteifung der sechseckigen Turmkonstruktion dienen Edelstahlzugstäbe, die entsprechend dem optischen Gesamtkonzept glasperlengestrahlt wurden und so ihre aufgeraut matte Wirkung entfalten können. Die Grundkonstruktion der Binder aus Kiefer erhielt eine Wetterschutzschicht, die wenn nötig ausgewechselt werden kann. Diese Wetterschutzschicht – die sogenannte Opferschicht – aus Lärchenholz hat, zusätzlich hinterlüftet, die Aufgabe, dauerhafte Durchfeuchtungen an den tragenden Stützen zu verhindern, Fäulnisprozesse zu vermeiden und Schädlinge fernzuhalten. Auch alle horizontalen Elemente sind hinterlüftet und mit Blech abgedeckt, um die Dauerhaftigkeit der Konstruktion zu gewährleisten.

Zugang zum Aussichtsturm erhalten die Besucher über kesseldruckimprägnierte Stufen aus Lärchenholz. Zwei Podeste auf 4,50 m sowie auf 7,50 m laden zum Verweilen ein und bieten ausreichend Platz für Informationstafeln zu den Besonderheiten des Ortes.

Als der Aussichtsturm schließlich unter dem Namen Saale-Turm am 28. Mai 2011 der Öffentlichkeit übergeben wurde, waren zusätzlich zu seinem Betonfundament folgende Mengen an Material verbaut worden:

  • 55,2 m³ gebogene Brettschichtholz-Binder
  • 32,8 m³ Riegel und Verbände aus Lärchenholz
  • 4,8 m³ Treppenwangen
  • 20,4 m³ Treppenstufen und Beläge aus Lärchenholz
  • 33,3 t Stahlteile einschließlich der Mittelstütze

Gewerk Zimmerer

  • Turmhöhe 43m, Höhe der oberen Plattform 36m
  • 6 Bogenbinder aus Brettschichtholz – 34m lang, 1,10m tief, 0,24m breit
  • Endmontage mittels 3 Krantechnik und alpiner Zugangstechnik
  • Grundkonstruktion der Binder – Kiefernholz
  • Wetterschutzschicht – Lärchenholz
  • Mittelrohrstütze – Stahl

Zeitraum
Aug. – Okt. 2010

Auftragswert
660.223,- € (brutto)

Ansprechpartner
Dipl.-Ing. Holger Schmidt

Planungsbüro
ARING Bauplanungsgesellschaft mbH
Gärtnerstraße 6
03130 Spremberg

Bauherr
Gemeinde Burgk
Ortsstraße 10
07607 Burgk

Restaurierung in künstlerischer Vollendung

Das Rathaus von Burgkunstadt gilt als Hauptwerk des Meisters der fränkischen Holzbaukunst des 17. Jahrhunderts, des Zimmerers und Baumeisters Jörg Hoffmann. Bei der Restaurierung von Fachwerk und die Bildschnitzwerke der Fassade wurde Handwerk zum Kunsthandwerk.

 

Hochblüte der Holzbaukunst

Mit dem 1690 entstandenen Fachwerk des Rathauses von Burgkunstadt haben das handwerkliche Können und die Gestaltungskraft des Meisters Jörg Hoffmann ein Kunstwerk hervorgebracht, das die Hochblüte der Holzbaukunst in Franken zum Ende des 17. Jahrhunderts markiert. Das Rathaus gilt zu Recht als Hauptwerk des in Zeil am Main von 1660 bis 1734 lebenden Zimmerers und Bildschnitzers.

Die beiden massiven Sockelgeschosse des Burgkunstädter Rathauses entstanden im 15. Jahrhundert durch Umbau eines romanischen Vorläuferbaus. 1689 beschloss der ganze ehrbare Rat auf diesen Sockel ein weiteres Stockwerk mit zwei hohen Giebeln aufsetzen zu lassen. Nach Verhandlungen mit Jörg Hoffmann und Meister Crantz aus Kronach erhielt der erstere den Auftrag. Sieben Monate nach Auftragserteilung richtete man den gewaltigen Dachstuhl auf, und bereits am 25. 06. 1690 wurde die Rechnung „Ablass Ausgebens über den allhießigen großen Rathausbau“ abgeschlossen. In einem Zeitraum, dessen Kürze uns heute staunen lässt, waren nicht nur die Konstruktionsteile des Fachwerks hergestellt und gerichtet, sondern auch eine unglaubliche Vielzahl bildplastischer Elemente geschaffen worden.

 

Fehler des konstruktiven Holzschutzes korrigiert

Die lang andauernde Durchfeuchtung führte zu Fäulnisschäden und Undichtigkeiten; Schlagregen drang bis zur Wandinnenseite ein, und es gab konstruktive Gefährdungen. Die Sanierung begann mit einer Abnahme der deckenden Farbschichten, die an den bildplastischen Elementen mittels Heißluft und Profilklingen erfolgte. Entfernt wurden auch alte Ausspanungen sowie sämtliche Rückstände von Kitt, Kunstharz und Silikon.
Seit der Aufstockung durch Jörg Hoffmann blieb das Äußere des Rathauses von Burgkunstadt für mehr als drei Jahrhunderte mit geringfügigen Reparaturen praktisch unverändert. Für diese Langlebigkeit ihres Werks hatten die Erbauer dadurch gesorgt, dass sie mit der auskragenden Bauweise und dem ausreichenden Dachüberstand an den Giebeln Prinzipien des konstruktiven Holzschutzes umsetzten.

Erst im 20. Jahrhundert verstieß man mit zwei Maßnahmen eklatant gegen Grundsätze des Umgangs mit Holzfachwerk. Man hatte die Gefache mit einem Zementputz versehen und hydrophobiert; Regenwasser drang (vorhersehbar!) trotzdem ein und konnte nur noch schwer verdunsten. Außerdem war das Fachwerk mit Dispersionsfarbe bzw. deckend ausgeführten Lasuren gestrichen und damit die Dampfdiffusion dramatisch reduziert worden.
Das Schließen der Risse in den teilweise stark zerklüfteten Holzoberflächen erfolgte bis zu einer Breite von 0,6 cm mit der Holzrisspaste Sanopas; größere Risse mussten mit artgleichem Holz ausgespant und anschließender Bestandsprofilierung angepasst werden. Der konstruktive Holzschutz wurde dadurch verbessert, dass alle horizontalen Bauteile eine Wasserfase erhielten.

Stark zerstörte Substanz war durch Vierungen oder Ergänzungsstücke zu ersetzen. Vor allem die Ausführung dieser Leistung erforderte ein Einfühlen in die Formensprache des Jörg Hoffmann vor mehr als dreihundert Jahren.

Gewerk Zimmerer

  • Farbabnahme an den Fachwerkfassaden sowie erforderliche Instandsetzungsarbeiten
  • thermisches Entfernen der Farbanstriche vom Sichtfachwerk
  • Abnehmen alter Kittungen
  • Entfernen verwitterter Holzschichten bis auf tragfähigen Grund
  • Nacharbeiten und Ergänzen von Fehlstellen im Schnitzwerk
  • Ausspanen von Rissen im Fachwerk des Sichtfachwerkes
  • Verwendung einer mobilen Brandmeldeanlage während der thermischen Arbeiten

Zeitraum
Mai 2008 – Nov. 2008

Auftragswert
93.860,00 €

Ansprechpartner
Gerit Kühnhausen

Planungsbüro
Architekturbüro HUTH
Dr.-Baur-Siedlung 6a
96224 Burgkunstadt

Bauherr
Stadt Burgkunstadt
Vogtei 5
96224 Burgkunstadt

Die Rettung und Wiedererweckung von Burg Storkow

Der Palas der Burg Storkow wäre buchstäblich fast untergegangen. Die Burg versank in zweieinhalb Jahren um 13 Zentimeter. Erst Bohrpfähle mit einer Länge von 13 m konnten das Gebäude für kommende Generationen sichern.

 

Eine Burg versinkt …

Dort, wo heute Besucher des Kultureums auf der Burg Storkow entspannt Konzerten lauschen und im NatureumAusstellungen zu Natur und Geschichte betrachten können, fühlten sich noch vor zehn Jahren Brennnessel, Giersch und Quecke heimisch. Vom einst stolzen bischöflichen Wohnschloss, dem Palas, standen zu diesem Zeitpunkt bereits seit zwei Jahrzehnten nur noch die Außenwände.

Ein durch Fahrlässigkeit ausgelöster Großbrand hatte Ende der 1970er Jahre den Renaissancebau schwer zerstört. Zudem drohte die Burg als eine der ältesten und bedeutendsten Burganlagen des östlichen Brandenburg buchstäblich fast unterzugehen. Der Palas versank in nur zweieinhalb Jahren um 13 Zentimetern im märkischen Boden. Zumindest mittelfristig stand der Gesamtverlust der Burganlage bevor.

Vor mehr als 900 Jahren war die Burg Storkow Ausgangspunkt der deutschen Besiedlung Ostbrandenburgs gewesen. Die mittelalterliche Burganlage legte man als Niederungsburg in sumpfigem Gelände an. Der slawische Name von Ort und Burg leitet sich wohl aus dem feuchten Wohnort ab: „sturkuowe“ – Weg durch den Sumpf.

Aus der eintausend Jahre alten Entscheidung für eine Sumpfburg resultierten ebenso typische wie massive Probleme bei der Erhaltung des Bauwerks. Die Gründung der Ziegelbauten bestand aus Spickpfählen, einer in feuchten Baugebieten seit dem Mittelalter durchaus üblichen Gründungsart. Dabei rammte man kurze Pfähle dicht an dicht und zueinander versetzt in den Untergrund, so dass der entstehende verfestigte Erdkörper als Fundament wirken konnte. Auf dem – aus Sicht der heutigen Bodenmechanik – so entstandenen „bewehrten Verbundkörper“ und damit direkt auf den Pfahlköpfen ruhte das aufgehende Mauerwerk.
Im Falle der Burg Storkow jedoch waren diese Pfahlköpfe durch säurebedingte Hydrolyse und hinzutretenden Pilzbefall so fortschreitend verrottet, dass unkontrollierte Absenkungen mit Setzungsraten von mehreren Zentimetern pro Jahr und damit erhebliche Deformationen an der gesamten Burganlage folgten.

 

Gemeinsam dem Morast abgetrotzt

Der Vielseitigkeit der zu bewältigenden Aufgaben stellte sich auch unsere Firmengruppe während der vergangenen Jahre mit beinahe ihrem gesamten Leistungsspektrum. Diese Bandbreite ist beispielhaft für die Stärke unserer Firmengruppe, in der Facharbeiter, Handwerksmeister und Ingenieure in nahezu allen Gewerken am Ziel einer innovativen und qualitätvollen Arbeit am Baudenkmal arbeiten.

Unsere Garten- und Landschaftsbauer schufen mit der Anlage einer nicht alltäglichen Baustraße einschließlich Dränagearbeiten und temporärer Wasserhaltung auf dem schwierigen Untergrund die Voraussetzung für den Transport von Technik und Baumaterialien.

Die Abteilung Spezialtiefbau nahm die Herausforderung unter teils sehr schwierigen Bedingungen an, den biotopartig überwachsenen Gewölbekeller im Palas zu beräumen und mit einer Nachgründung durch Kleinbohrpfähle das Gebäude und das nebenstehende Brauhaus zu stabilisieren. Allein diese Spezialarbeiten nahmen ein Jahr Bauzeit in Anspruch. Die Gesamtlänge der am Mauerwerk eingebrachten Bohrpfähle, die bis zu dreizehn Metern in die Tiefe reichen, würde eine Strecke von 2,5 Kilometern ergeben. Schon die Zahlen von 1400 m³ Beton und 200 t Bewehrungsstahl verdeutlichen die Mengen der mit Streichbalken, Fundamenten, Bodenplatten und Decken notwendigen neuen Tragelemente an diesen Gebäuden der Burg.

Verantwortlich für den mittlerweile wieder malerisch erstrahlenden Kontrast aus Ziegelstein- und Zyklopenmauerwerk am Palas und den historischen Burgmauern zeichnet unsere Maurerabteilung. Den Ergänzungen des Mauerwerks im Bereich der Wände und Gewölbe mit eigens angefertigten Ziegelsteinen, der Fugensanierung, den Abdichtungsmaßnahmen und dem Aufbringen von Putzen und Lasuren gingen Verankerungen und Vernadelungen in unterschiedlichsten Ausführungen voraus. Risssanierungen und Verpressarbeiten wurden ebenso ausge-
führt wie Hohlraumverfüllungen mit Injektionsschaummörtel. Den Schwammbekämpfungsmaßnahmen im Bestandsmauer-
werk stand der Neubau der gesamten nördlichen Umfassungsmauer inklusive eines Torbogens gegenüber.

Unsere Steinrestauratoren übernahmen es, Formergänzungen im Bereich von Ziegelsteinflächen und Naturwerksteinen vorzunehmen. Insgesamt waren am Ende 100.000 Ziegelsteine und etwa 350 t Mauer- und Fugenmörtel verbaut worden.

 

Der neue Dachstuhl nach überlieferten Formen

Einer anspruchsvollen Aufgabe stellten sich auch unsere Zimmerleute: Der Dachstuhl des Palas sollte vollständig neu errichtet, der des Brauhauses wegen des hohen Schädigungsgrades substantiell erneuert werden. Die überlieferten Formen von Dach und Gauben treten nun wieder nach außen in Erscheinung. Dabei gelang es, den modernen Dachstuhl an den historischen, nicht parallelen Verlauf der Palasmauern anzupassen, ohne dass dies nach außen hin sichtbar wäre. Im Ganzen wurden etwa 150 m³ Holz verschiedenster Qualitäten verbaut.
Den Dachstuhl des Palas, des Brauhauses und des Torbogens deckten unsere Dachdecker in einer gemischten Biberschwanzdoppeldeckung ein: eine seltene und nur von uns angewandte, aber im Ergebnis ästhetisch sehr überzeugende Maßnahme. Eine weitere Besonderheit des Daches sind die Fledermausgauben, deren Details der Zimmerer- als auch der Dachdeckerleistungen eine Ausnahmeerscheinung darstellen. Die Mauerkronenab-
deckungen und Wandanschlüsse führten unsere Dachspezialisten in Walzblei aus.

Gewerk Spezialtiefbau

  • Beräumung des überwachsenen Gewölbekellers im Palas
  • Nachgründung durch Kleinbohrpfähle mit einer Gesamtlänge von 2,5 Kilometern und einer Tiefe von bis zu 13 m
  • Einbringen von 1400 m³ Beton und 200 t Bewehrungsstahl an Streichbalken, Fundamenten, Bodenplatten und Decken
  • Sicherung der erhaltenen Teile des Kellergewölbes mit bewehrten Spritzbetonschalen
  • Nachgründung der historischen Umfassungsmauern aus Ortbetonpfählen

 

Gewerk Maurer

  • Ergänzungen des Mauerwerks im Bereich der Wände und Gewölbe mit eigens angefertigten Ziegelsteinen
  • Fugensanierung, Abdichtungsmaßnahmen und Aufbringen von Putzen und Lasuren
  • Verankerungen und Vernadelungen in unterschiedlichsten Ausführungen
  • Risssanierungen und Verpressarbeiten
  • Hohlraumverfüllungen mit Injektionsschaummörtel
  • Schwammbekämpfungsmaßnahmen im Bestandsmauerwerk
  • Neubau der gesamten nördlichen Umfassungsmauer inklusive eines Torbogens

 

Gewerk Restaurierung

  • Formergänzungen im Bereich von Ziegelsteinflächen und Naturwerksteinen

 

Gewerk Dachsanierung

  • Eindeckung des Palas’, des Brauhauses und des Torbogens in gemischter Biberschwanzdoppeldeckung
  • Neubau und Eindeckung von Fledermausgauben mit einer Traglattung aus Rundstahl statt in Holz

 

Gewerk Zimmerer

  • vollständige Neuerrichtung des Dachstuhls des Palas
  • substantielle Erneuerung des Dachstuhls des Brauhauses
  • raumbildender Ausbau des offenen Dachstuhls in Form einer eingehangenen Galerie
  • ingenieurstechnisch abgebundener Dachstuhl mit Verspannungen und Stahlsonderteilen
  • Neubau eines Dachstuhls über der neu errichteten Toreinfahrt
  • insgesamter Verbau von etwa 150 m³ Holz verschiedenster Qualitäten
  • Neubau der Traglattung an den Fledermausgauben mit Rundstahl statt in Holz
  • Verkleidung der Innenseite der Fledernmausgauben durch dünnes Birkensperrholz, das die geschweifte Form der äußeren Gauben vollständig aufnimmt

 

Gewerk Freiflächengestaltung

  • Anlage einer Baustraße einschließlich Dränagearbeiten und temporärer Wasserhaltung auf sumpfigem Untergrund

Zeitraum
2002 – 2008

Ansprechpartner
Enrico Herda

Planungsbüro
Dipl.-Ing. Arch. Thomas Alt
Wilhelm-Staab-Str. 4
14467 Potsdam

Bauherr
Stadt Storkow
Bauamtsleiter Manfred Filor
Rudolf-Breitscheid-Str. 74
15859 Storkow

Rathaus Todtnau – Bauen im Bestand

Das klassizistische Bauwerk des Rathauses zu Todtnau konnte den heutigen Ansprüchen an eine moderne, effiziente und bürgerfreundliche Verwaltung nicht mehr gerecht werden. Die darüber hinaus festgestellten statischen und energetischen Defizite machten eine Generalsanierung unumgänglich.

Das in Todtnau liebevoll als „Schlössle“ bezeichnete Rathaus wurde 1859 ursprünglich als eine Fabrikantenvilla erbaut. Die Stadt Todtnau erwarb das Gebäude 1953 und baute es zum Rathaus um. Im Laufe der fast 50-jährigen Nutzung wurden die Innenräume mehrfach umgebaut und den jeweiligen Anforderungen angepaßt. Den heutigen Ansprüchen an eine moderne, effizente und bürgerfreundliche Verwaltung konnte das klassizistische Bauwerk aufgrund seiner historischen, einschränkenden Grundrissstruktur nicht mehr gerecht werden. Die darüberhinaus festgestellten statischen und energetischen Defizite machten eine Generalsanierung schließlich unumgänglich.

 

Umgang mit bestehender Bausubstanz

Unter Einbeziehung der Originalsubstanz sollte mit geeigneten baulichen Ergänzungen die Zweckmäßigkeit des Gebäudes verbessert und eine neue gestalterische Qualität erzielt werden. Dabei bleibt der historische Baukörper von außen und innen klar ablesbar. Die Entwurfsidee, den U-förmigen historischen Hauptbaukörper in seiner baulichen Struktur zu erhalten und den Hofbereich als Ganzes räumlich mit einzubeziehen, lässt auch die das Gebäude prägenden hofseitigen Laubengangfassaden in ihrer ursprünglichen Form bestehen und stärkt trotz der baulichen Erweiterung die Dominanz des Altbaus. Der zweigeschossige Innenraum ist nun das „Herz“ des Rathauses. Er ist in beiden Bürogeschossen präsent und prägt die Identität des Gebäudes als offenes und lichtdurchflutetes Rathaus.

 

Modernster Werkstoff: Holz

Der Baustoff Holz wurde unter Bezug auf die regionale Bautradition der Schwarzwald-
region sinnvoll und innovativ eingesetzt.

Eine klar gegliederte Weißtannen-Lamellenverkleidung prägt die Gestaltung des Innenraumes. Geschlossene Flächen und Öffnungen sind klar strukturiert und definieren auch die das Gebäude ehemals prägenden Laubengangfassaden in ihrer ursprünglichen Form. Diese Verkleidung ist auf Abstand schalltechnisch hinterlegt und gewährleistet somit in der Treppenhalle als auch im Bürgeramt eine angenehme Akustik.

Die abgehängte Holzdecke im Innenraum erscheint schwebend und verdeckt die Deckenkonstruktion. Durch eine Schattenfuge dringt indirekte Beleuchtung.

Ein besonders auffallendes Element stellt der die Treppenhalle dominierende Aufzugs-
schacht in seiner Holz-Glas-Konstruktion dar. Die beiden Wandscheiben mit einer Dimensionierung von 14 m Höhe und 2,20 m Breite bestehen aus 13,5 cm starken Brettsperrholz-Platten. Diese dienen gleichzeitig als statisches Traggerüst für die Aufzugstechnik und deren Lasten sowie als Raumabschluss und Eingreifschutz.

Die Erdgeschossdecke wurde aufgrund der hohen Spannweite und Nutzlasten als Holz-Beton-Verbunddecke ausgeführt. Die vorhandenen, unterdimensionierten historischen Deckenbalken konnten dadurch erhalten werden. Auch die Holzbalken-
decken der Seitenflügel wurden durch statische Ergänzungen größtenteils bewahrt.

Bei der Erneuerung des Dachstuhles wurde das ursprüngliche Pfettendach auf dem alten Achssystem in traditioneller Holzkonstruktionen rekonstruiert. Dabei wurden die das Gebäude prägenden, stark profilierten Zierfriese an den Ortgängen und die Balkenkopfgesimse übernommen, teils restauriert oder handwerklich ergänzt.

Im Zuge der Sanierung des Daches wurden die vorhandenen Kniestock- und Giebelwände belassen und mit einem neuen Ringgurt versehen. Der Dachstuhl wurde komplett erneuert und ähnlich dem alten Dachstuhl mit traditionellen Holzverbindungen errichtet. Aus Gründen des Brandschutzes wurden die Holzgauben mit Blechverkleidung neu geplant und errichtet.

 

Weiterentwicklung der Energieeffizienz des Bauwerkes

Das Einfügen der zweigeschossigen Halle in den ehemaligen Hofbereich reduziert die Hüllfläche des Gebäudes erheblich. Zusätzlich wurden zugunsten der Energieeffizienz die Dachflächen überdimensional wärmegedämmt. Ein Wärmedämmverbundsystem auf der historischen Schmuckfassade schied aus denkmalpflegerischer und gestalterischer Sicht aus. Die wärmetechnische Verbesserung der Gebäudehülle wurde durch eine 8 cm starke Kalzium-Silikat- Dämmung als Innendämmung sichergestellt.

Die historischen Außenfassaden erhielten in Anlehnung an die ursprüngliche Einteilung neue Fenster. Eine Fußbodenheizung, gespeist durch eine Hackschnitzelanlage, sorgt für die umweltfreundliche Beheizung des Gebäudes. Neben den real meßbaren Energieeinsparungen verfügt das Rathaus durch die Sanierungsmaßnahmen nun auch über einen zeitgemäßen Gebäudekennwert.

Gewerk Zimmerer

  • Dokumentation, Kartierung und Demontage aller Teile des Dachstuhls des Langhauses
  • Transport und Lagerung zur Weiterbearbeitung in eine angemietete Produktionshalle
  • Dekontamination aller Teile des Dachstuhls
  • Sanierung aller geschädigten Bauteile
  • Rücktransport und Wiederaufschlagen nach verformungsgerechtem Aufmaß
  • Einbau von zusätzlichen statischen Sicherungsmaßnahmen
  • klassische zimmermannsmäßige Sanierung der historischen Chordachstuhlkonstruktion vor Ort

 

Spezialleistungen

  • Bearbeiten der Bauteile mittels Trockeneisstrahlpistole in einer staubdichten Einhausung
  • Schonende Reinigung der Holzoberfläche durch das Trockeneisstrahlverfahren
  • Staubdichte Strahlkabine mit vorgeschaltetem Schutzzelt

Zeitraum
April 2007 – Juli 2008

Auftragswert
281.000,- € (brutto)

Ansprechpartner
Dipl.-Ing. Holger Schmidt
Maik Detzner

Planungsbüro
Schaudt Architekten BDA
Hafenstraße 10
78462 Konstanz

Bauherr
Stadtverwaltung Todtnau
Meinrad-Thoma-Strasse 8
79674 Todtnau

Rokokosaal in der Schwebe – Anspruchsvolle Sanierung der Anna Amalia Bibliothek

Im Feuer der Brandnacht des 2. September 2004 verbrannten in der Weimarer Herzogin Anna Amalia-Bibliothek nicht nur mehr als 50.000 Bücher von unschätzbarem Wert. Vor allem auch das Gebäude selbst wurde vom Feuer stark geschädigt.

 

Weltkulturerbe fast verbrannt

Das historische Bibliotheksgebäude mit seinem berühmten Rokokosaal gehört seit 1998 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Über 1 Millionen Bücher gehören zum Bibliotheksbestand, darunter zahlreiche, die nur noch in wenigen Exemplaren weltweit existieren. Wenige Wochen, bevor die lange geplante Sanierung beginnen sollte, zerstörte ein Großbrand die beiden Mansardgeschosse und beschädigte das Gebäude schwer.

Der Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek war ein dramatisches und folgenreiches Ereignis für die Kulturlandschaft Thüringens und für die Stadt Weimar. Im wahrsten Sinne hautnah war dieser Eindruck für die Mitarbeiter, die über Wochen rund um die Uhr mit großer Einsatzbereitschaft die Brandruine zu sichern, zu beräumen und vor der Witterung zu schützen hatten. Aber auch in der gesamten Folgezeit bis zur Wiedereröffnung blieb die Arbeit an der Bibliothek eine besondere Herausforderung. Die vielfältigen Probleme verlangten nicht nur von den Planern außergewöhnliche Kreativität, sondern auch von den Ausführenden außerordentliches Engagement und Ideenreichtum.

 

Im Kampf gegen Brandschutt und Löschwasser

Insbesondere die bis zu 285.000 Liter Löschwasser, die das Gebäude durchtränkten, haben den komplexen Bauorganismus empfindlich getroffen. Die Schäden reichen von revitalisiertem Befall mit Echtem Hausschwamm an den Fußbodenbalken des Rokokosaals über durchfeuchtete Renaissancegewölbe des Erdgeschosses bis zu komplett durchnässtem Mauerwerk.
Seit dem ersten Tag war die Herzogin Anna Amalia-Bibliothek für uns nahezu tägliche Herausforderung und erforderte zahlreiche innovative Ideen. Bereits am Tag nach dem Brand schwebte über dem noch schwelenden Dachgebälk unser Krankorb, von dem aus die Brandursachenermittler die Situation einschätzten. Die Entscheidung, den nicht begehbaren Brandschutt sofort mit einem am Kranhaken hängenden Minibagger zu beräumen, erwies sich als rettende Idee: Unter der 1,20 m hohen Schicht aus verkohltem Holz, verbrannten Büchern, herabgestürztem Schiefer, Asche und Löschmitteln verbargen sich ausgedehnte Glutnester. Ohne das unverzügliche Abtragen des Brandschutts hätten sich diese Glutnester durch die Decke des Rokokosaales gebrannt – damit wäre dessen Untergang unvermeidlich geworden.
Die ungeheuren Mengen an Löschwasser waren bis in die Gewölbe des Erdgeschosses vorgedrungen und hatten die Gewölbefüllung durchnässt. Um eine Trocknung zu ermöglichen, mussten die Balken aufgenommen werden, die darüber in einer sogenannten Mannlage Balken an Balken den Fußboden des Rokokosaales bildeten. Dabei fanden wir alte Bestände eines Schwammbefalls, den das eingedrungenen Löschwasser revitalisiert hatte und der sich innerhalb kürzester Zeit über die gesamte Manndecke ausbreitete. Die vom Neubefall des Echten Hausschwamms betroffenen Hölzer waren noch nicht physisch zerstört und konnten deshalb nach dem Ausbau durch eine Begasung mit Methylbromid gerettet werden. Viele der Deckenbalken waren jedoch vom Altbefall so zersetzt, dass sie ihre Tragwirkung verloren hatten.

 

Rokokosaal in der Schwebe

Die Masse des Saales lastete somit auf den Gewölbekappen des Erdgeschosses und gefährdete deren Stabilität: es bildeten sich Risse, und die Gewölbe verformten sich. Um diese zu entlasten und die Balken unter den Stützen des Rokokosaales auszubauen, hoben wir den kompletten Rokokosaal um 3 mm an und hielten ihn für viele Wochen in der Schwebe. Dies gelang uns mit einer Stahlkonstruktion, die ihre Anschlagpunkte an Trapezrahmen über der ehemaligen Brandebene des Dachgeschosses hatte und die Lasten des Saales auf die massiven Außenwände leitete.

Die Holzbalken sollten nach der Planung des Ingenieurbüros Trabert und Partner durch massive Stahlträger ersetzt werden. Ein Einbau von neuen Holzbalken war nicht möglich, da der Abstand zwischen Gewölbe und Saal für die erforderlichen Holzquerschnitte zu gering gewesen wäre. Stattdessen ruhen die Stützen des historischen Saales jetzt auf Stahlträgern, welche die Kräfte über die Auflager in die Außenwände der Bibliothek ableiten. Diese Träger, die durch ihre dreigeteilte, um drei Millimeter überhöhte Konstruktion wie eine gewölbte Ebene vorgespannt sind, nahmen beim Ablassen der historischen Holzkonstruktion deren Vertikalschub auf und formten sich erst dadurch zu einer waagerechten Trägerlage.

 

Der Neubau des Daches

Teichfolie statt Wetterschutzdach
Nach der Beräumung des Brandschuttes auf der obersten Deckenebene hatte das Gebäude der Anna Amalia Bibliothek ein Notdach erhalten, dessen Vorhandensein für einen längeren Zeitraum der Sicherung und Instandsetzung auch nach den vorbeschriebenen Verfahren unabdingbar war. Problematisch wurde seine Existenz jedoch mit dem Zeitpunkt, zu dem die Montage der am Boden vorgefertigten großen Dachbinder anstand. Aus diesem Grund haben wir dem Bauherrn eine Technologie empfohlen, die wir mit hohem wirtschaftlichen Nutzen bereits bei der Dacherneuerung der großen gotischen Hallenkirchen St. Marien in Halle und St. Michael in Jena angewendet hatten. An ein Foliennotdach für die Anna Amalia Bibliothek waren auf Grund der kurzen Stellzeiten für das neue Dach weitaus geringere Anforderungen zu stellen; eine einlagige Ausführung mit Schutz gegen mechanische Beschädigungen reichte aus.

Die schützenden Gummischrotmatten stellten mit ihrem Gewicht gleichzeitig auch eine Sogsicherung bei höheren Windgeschwindigkeiten dar. Sorgfalt war allerdings bei der Anarbeitung an aufgehende Konstruktionsteile wie Sparrenfüße sowie bei der Eindichtung der Abläufe geboten. Die Folienabdeckung erwies sich auch auf der Anna Amalia Bibliothek als sehr brauchbare Möglichkeit zur Einsparung von Baukosten.Eigentlich hätten die Zimmererarbeiten im Bereich des Mansarddachs die Montage eines Raumgerüstes erfordert. Ein solches Gerüst kostet nicht nur Geld, es behindert auch immer wieder die durch den Dachraum vorzunehmenden Transporte. So entstand als alternative Zugangstechnik eine einfache Lösung, bei der eine mit Rollen versehene Arbeitsebene auf Gerüstkonsolen verschoben werden konnte.

 

Der Neubau des Daches

Holzprothetik
Die brandgeschädigten Balkenköpfe der Manndecke konnten nur durch das BETA-Verfahren denkmalverträglich saniert werden. Im Feldbereich der Deckenbalken wurde mit dem Polymerbeton COMPONO eine wesentliche Erhöhung der Tragfähigkeit erreicht.

Mauerwerkstrocknung
Die Mauerwerkstrocknung durch Mikrowellen und Infrarottechnologie konnte im Rahmen eines Forschungsvorhabens beurteilt und bewertet werden, das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert wurde.

Schwammbekämpfung

Die Schimmelbekämpfung an den Deckenbalken konnte nur durch eine Begasung mittels Methylbromid erfolgen, wobei auch gleichzeitig alte Schadstellen des Echten Hausschwammes mitbehandelt wurden. Die fungizide Wirkung von Methylbromid hat hier zur Abtötung aller Pilze geführt.

Bereits im Oktober 2007, zum 200. Todestag Anna Amalias, konnte das historische Stammgebäude der Bibliothek als „Studienzentrum für das alte Buch“ wiedereröffnet werden.
Die beim Brand verlorene zweite Galerie des Rokokosaals beherbergt heute unter dem von uns gerichteten Dachstuhl einen Sonderlesesaal.

Spezialleistungen

  • Beräumung der Brandebene, beginnend am Morgen nach dem Brand
  • Notsicherung der oberen Geschoßdecke und des Stucks im Rokokosaal
  • Bewahrung der Geschoßdecke vor dem Einsturz
  • Temporäre Abdichtung der offenen Dachebene mittels Teichfolie anstatt eines Wetterschutzdaches
  • Anheben des gesamten Rokokosaals zum Einbau einer neuen Tragkonstruktion
  • zahlreiche weitere Leistungen in den Gewerken Zimmerer und Maurer

 

Gewerk Zimmerer

  • Herstellen Notdach
  • Neubau von Dachstuhl
  • Bautrocknung, Reinigung
  • Schwammbekämpfung mit Microwelle
  • Schädlingsbekämpfung durch Begasung
  • Sanierung und Verstärkung der Deckenbalkenebene des Rokokosaals
  • Verstärkung durch neue Stahlträger in Deckenebene
  • Konstruktion des Daches
  • Brettschichtholzgebinde in Mansarddachform mit eingeschlitzten Stahlsonderteilen
  • Eingehängte Koppelpfetten und aufgesetzte Zwischensparren
  • Zwischengehängte Deckenbalken mit aufgeschraubter Furnierschichtplatte als aussteifende Scheibe
  • Einbau von Gaupen nach historischem Vorbild
  • Abdichtung des Gebäudes in der Montageebene mit Spezialfolie

 

Gewerk Maurer

  • bergmännisches Abteufen eines Aufzugsschachtes im bestehenden massiven Wandbereich

 

Monumedia

  • 3D-Visualisierung von verschiedenen Sicherungs- und Sanierungsverfahren im Rahmen des Projektes “Beseitigung spezieller Löschwasserschäden im Stammhaus” der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU)
  • Photogrammetrie der geschädigten Decke im Rokokosaal
  • Photogrammetrie der Fussbodenebene

Zeitraum
Sep. 2004 – Dez. 2007

Auftragswert
327.750,- € (brutto)

Ansprechpartner
Dipl.-Ing. Bernd Miller
Dipl.-Ing. Jörg Frobel
Dipl.-Ing. Holger Schmidt

Planungsbüro
Architekturbüro
Grunwald + Burmeister
Rainer-Maria-Rilke-Str.35
99425 Weimar

Bauherr
Stiftung Weimarer Klassik
Burgplatz 4
99425 Weimar

Rundumsanierung bei laufendem Betrieb

In der Regel ist ein Denkmal ein zur Ruhe gekommenes Monument. Am Erfurter Anger 10 erlebten wir das Gegenteil: Ein Denkmal voller Lebendigkeit, dessen Nutzung durch die Sanierung nicht beeinträchtigt werden durfte.

 

Altes Freimaurerhaus am Anger strahlt wieder

Die Freimaurerei hat eine lange Tradition. Was Anfang des 18. Jahrhunderts in England zunächst mit dem Ziel des Zusammen- schlusses von Handwerkern entstand, avancierte durch die aufkommende akademische Bewegung bald zum Überbegriff für Weltoffenheit und Toleranz.

Die Geschichte der deutschen Freimaurer begann 1737 in Hamburg. Nachdem dort die erste Loge auf deutschem Boden gegründet wurde, schwappte die Gründungswelle der Freimaurerlogen auf das gesamte Reichsgebiet über. So gründete sich am 17. Februar 1797 in Erfurt u. a. die Loge „Licht und Wahrheit“, die sich allerdings im Zuge der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten – denen eine solch liberale Geisteshaltung fremd war – im April 1933 auflösen musste.

Das von uns restaurierte Haus am Anger 10 in Erfurt, dessen markante Sandsteinfassade schon einen selbstsicheren und stolzen Eindruck vermittelt, wurde im Jahre 1896 erbaut und diente lange als Treffpunkt der Erfurter Freimaurer.

 

Eine Sanierung während des Tagesgeschäftes

An die alten Freimaurer erinnern allerdings lediglich noch die an der Fassade glänzenden, für Menschlichkeit und Arbeit stehenden Symbole Winkel und Zirkel. Im Inneren sind Kreditinstitute, Immobilien- und Kommunikationsfirmen sowie Modegeschäfte untergebracht. Das bedeutete, dass eine Sanierung während des Tagesgeschäftes und laufenden Betriebes stattfinden musste, was bei dem Umfang der auszuführenden Leistungen keine einfache Aufgabe war. Das Ziel der dortigen Sanierung war eine Überarbeitung der gesamten Dachkonstruktion sowie der Gaupen, der Dachdeckung und der Einbau einer nichtvorhandenen Dämmung als Vorarbeit für einen kompletten Dachausbau. Der Bauherr, eine Immobilienfirma aus Berlin, schenkte uns sein vollstes Vertrauen, dass sämtliche Sanierungsarbeiten ohne Beeinträchtigung der Mieter dieses Hauses vonstatten gehen würden.

Hier mussten hohe Anforderungen an die Durchsetzung des Arbeitsschutzes gestellt werden, was in der Endkonsequenz den Einsatz einiger Schnellinnovationen, wie die Trennung zwischen dem Sanierungsbereich und dem Arbeitsbereich der Computer- arbeitsplätze durch abgehangene Kassetten- bzw. Unterdecken, erforderlich machte. Auch außerhalb des Gebäudes musste im Bereich des Angers auf bestimmte Veranstaltungen und Märkte Rücksicht genommen werden. Dies wurde uns immer wieder durch ein beherztes Eingreifen einiger Damen des Ordnungsamtes versüßt, welche des Öfteren versuchten, über den Kopf des Kulturdezernates hinweg unsere Baustelle zum Stillstand zu bringen, was allerdings zur Folge gehabt hätte, dass der angesetzte Weihnachtsmarkt vollends entfallen wäre.

Gewerk Zimmerer

  • komplettes Entkernen der Dachräume
  • Sanierung der tragenden Holzkonstruktionen
  • Dämmen des gesamten Daches
  • komplette Überarbeitung des Fußbodenaufbaues von den Deckenbalken bis über den Teppichboden

 

Gewerk Restaurierung

  • steinmetzmäßige Überarbeitung bzw. das Herstellen von zerstörten Sandsteinelementen am geschwungenen Ziergiebel des Gebäudes

 

Gewerk Maurer

  • Maurer- und Putzarbeiten an Brandwänden und im Traufbereich
  • Erstellen von Trockenbauwänden, Fliesenspiegel, Malerarbeiten etc.