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Spezialbau

Translozierung eines Flüchtlingssiedlungshaus ins Freilichtmuseum am Kiekeberg

+++Kabel eins-Reportage: Die am 23.01.2022 bei Kabel eins ausgestrahlte Reportage Abenteuer Leben über die Translozierung finden Sie hier Kabel eins Reportage - Abenteuer Leben.+++

+++NDR-NEWS: Am 08.03.2021 wurde im NDR die NDR-Nordreportage - Ein Haus auf Reisen ausgestrahlt.+++

Mehrere Monate lang bereitete die Bennert GmbH das Flüchtlingssiedlungshaus in Tostedt für die Reise zum Kiekeberg vor, sicherte das Bauwerk und trennte das Erdgeschoss von den Fundamenten und vom Teilkeller. Am 27.01.2021 begann die Translozierung. In mehreren Schritten wurde das Gebäude mit Hydraulikpressen vorsichtig angehoben. Unter den Trauffassaden wurden anschließend hydraulische Verschubbahnen angebracht, auf denen das Haus am nächsten Tag horizontal bewegt werden konnte.


Das etwa 170 Tonnen schwere Flüchtlingssiedlungshaus bewegte sich auf der Verschubbahn langsam Richtung Straße, aufmerksam überwacht von Fachleuten des Transportunternehmens Kahl & Jansen GmbH.


Das Gebäude wurde dann von einem selbstfahrenden Schwerlastmodul unterfahren und darauf abgesetzt. Mit dem Selbstfahrer wurde das Haus aus der engen Wohnsiedlung in Tostedt auf die Ortstraße manövriert.


Anschließend erfolgte ein Umladeprozess des Hauses, von dem Selbstfahrer auf einen Tieflader mit 22 Achsen, das war erforderlich um mehrere Brückenbauwerke mit geringeren Achslasten überqueren zu können.


Spät in der Nacht erreichte der Transport sein Etappenziel auf der B75 bei Kakenstorf. Um die Pausenzeiten der Lkw-Fahrer und der Mannschaft einhalten zu können, blieb der 22-achsige Tieflader mit dem Flüchtlingssiedlungshaus am 29.01.2021 auf der B75 stehen.


Währenddessen erfolgten im und vor dem Museumsgelände letzte Vorbereitungen auf die Ankunft des Schwertransports. Um die Lasten optimal zu verteilen, wurde die Ehestorfer Straße kurz vor dem Museum mit Aluminium- und die Baustraße mit Stahlplatten ausgelegt. Der Wintereinbruch änderte nichts an dem Zeitplan.


Am 30.01.2021 gegen 10 Uhr morgens setzte sich der Schwertransport in Bewegung. Die zuverlässige Zusammenarbeit der Firmen Bennert und Kahl & Jansen, der Polizei und des Bereichs Bürgerservice/Verkehr beim Landkreis Harburg macht es möglich: Trotz winterlicher Straßenverhältnisse erreicht das Flüchtlingssiedlungshaus sicher seinen Parkplatz mitten auf der Harburger Str. in Vahrendorf und legte etwa 25 Kilometer zurück.


Am 31.01.2021 wurde das Gebäude in Vahrendorf erneut vom Tieflader auf den Selbstfahrer umgeladen. Dann ging es über die Ehestorfer Str. auf das Museumsgelände. Hier ist wieder Millimeterarbeit gefragt, denn das Fahrzeug muss an Bäumen, Zäunen und um viele Kurven zum Bestimmungsort. Gegen 18 Uhr wurde das Gebäude passgenau auf den zuvor hergestellten Keller abgesetzt.


Nun hat das Flüchtlingssiedlungshaus seinen endgültigen neuen Standort im Freilichtmuseum am Kiekeberg erreicht.


Zeitraum
27.01.2021 – 31.01.2021

 

Die Verlängerung des Meininger Theaters – Translozierung der östlichen Giebelwand

Für die Erweiterung des historischen Theaters in Meiningen war der gesamte Ostgiebel vom Rest des Gebäudes wie eine Scheibe Brot vom Laib zu schneiden und die 650 Tonnen schwere Wand um fünf Meter zu verschieben.


Wir schaffen mehr Platz für die Hinterbühne

Im Laufe unserer Firmengeschichte haben wir die Umzüge von sehr verschiedenartigen Gebäuden geplant und verwirklicht. Meist war der Wunsch nach Erhaltung von denkmalwürdiger Bausubstanz maßgeblich für die Bewegung von Objekten, bei deren Planung eine spätere Ortsveränderung noch undenkbar gewesen war; manchmal ist jedoch eine Translozierung sogar kostengünstiger als die Alternative Abriss und Neubau – so auch bei der Verschiebung der klassizistischen Theatergiebelwand in Meiningen.

Das historische Theater der südthüringischen Stadt mit ihren derzeit 20000 Einwohnern ist unter den Bühnen der Welt eine Legende. Doch in den Jahren nach 1990 zeigte sich immer deutlicher, dass moderner Theaterbetrieb in einem Bau, dessen Konzept und technische Ausstattung sich über die letzten hundert Jahre praktisch nicht verändert hatten, unmöglich war. Die Aufführungen in der mit 733 Plätzen ausgestatteten Spielstätte erfolgten mit Ausnahmegenehmigungen für Brandschutz, Sicherheit und Fluchtwege – ein unhaltbarer Zustand. Vorsintflutlich war auch der Umgang mit Kulissen und Bühnenbildern, die teilweise außen an der Ostfassade hochgezogen und durch ein Fenster ins Gebäudeinnere bugsiert werden mussten.



Gebäudeteile versetzen – Die Bennert Translozierungen

Deshalb entschloss man sich, im Zuge der bis Dezember 2011 vorgesehenen und 21,5 Mio Euro teuren Generalsanierung die Rückwand des Bühnenraumes um 5 Meter nach außen zu versetzen. Dem Theaterchef Ansgar Haag wären 10 Meter zwar lieber gewesen, aber dann hätte die Wand bereits im See gestanden. Damit stand die Aufgabe einer Translozierung des Ostgiebels mit 14,58 m Breite, 20,86 m Höhe und einer Masse von 560 Tonnen.

Kernstück des von uns dafür vorgeschlagenen Konzeptes waren FLUID-Transportmodule, die aus einem hydraulischen Hubzylinder bestehen, durch dessen Mittelachse mit hohem Druck Stickstoff nach unten gepresst wird, so dass sich zwischen Transportmodul und Bodenplatte ein Gaspolster aufbaut, auf dem die Last praktisch schwebt. Auf diese Weise lassen sich Reibungsbeiwerte erreichen, die deutlich unter µ = 0,01 liegen, was die für den Verschub erforderlichen Horizontalkräfte drastisch reduziert. Vor allem gibt es aber bei dieser Technologie kaum noch einen Unterschied zwischen (größerer) Haftreibung und (kleineren) Gleitreibung; damit tritt auch der bei Translozierungen gefürchtete „Anfahrruck“ nicht auf, dessen Beschleunigungswerte die Bausubstanz schädigen können.

 

Zur prinzipiellen Abfolge der technologischen Schritte:

  • Statisch-konstruktive Sicherung der Fassade und angrenzender Bauteile durch Aussteifung der Öffnungen und Montage einer inneren und äußeren Fassadengurtung.
  • Montage eines Raumgerüstes im verbleibenden Gebäudeteil
  • Vergütung der freigelegten Giebelfundamente durch Injektion bzw. Verfugung
  • Herstellung von vier Fundamentdurchbrüchen mit einer maximalen Breite von 1,50 m für das Einbringen der Transportmodule
  • Herstellung von horizontalen Kernbohrungen für die unteren Stahlprofil-Querträger im Abstand von 1 m durch die Außenwand sowie Einschub und Verpressung der Profile
  • Montage der beidseitig der Wand verlaufenden Längsstahlprofile unter den Querträgern und Verspannung der Stahlkonstruktion
  • Herstellung von vier Verschubbahnen mit der geforderten Oberflächenbeschaffenheit auf der Bodenplatte
  • Einbau und Befestigung von Stahlprofilen als Aufstandsfläche für die wandaussteifenden Stahlfachwerkkonstruktionen
  • Montage und Aussteifung von vier Stahlfachwerken zur Wandscheibenstabilisierung
  • Lösen der Fassade vom Bestand, beginnend mit der Dachkonstruktion und anschließend der vertikalen Mauerwerksverbindungen mit Diamant-Sägetechnik
  • Herstellung des horizontalen Fundamenttrennschnitts unterhalb der Querträger mit Diamantseilsäge sowie Lagesicherung durch Auskeilungen
  • Positionierung und Einrichtung von acht FLUID-Transportmodulen – jeweils vier an der Innen- und Außenseite der Wandscheibe – unter den
  • Querstahlprofilen, Montage von zwei Hydraulikeinheiten für den Horizontalverschub einschl. Wegmesseinrichtungen
  • Ausheben der Wandscheibe durch die FLUID-Module, Feinjustierung mittels Wegmesseinrichtungen
  • Computergesteuerter Horizontalverschub unter ständiger Kontrolle der lotrechten Wandposition
  • Einfahren der Module durch vorbereitete Nischen im neu hergestellten Stahlbetonfundament der Giebelwand, Schließen des Zwischenraumes zwischen Wand und Fundament durch Spritzbeton, Überwachung der Module bis zur Aushärtung des Spritzbetons, Lagesicherung der Wandscheibe

Bennert GmbH Betrieb für Bauwerksicherung

  • Statisch-konstruktive Sicherung der Fassade und angrenzender Bauteile durch Aussteifung der Öffnungen und Montage einer inneren und äußeren
  • Fassadengurtung
  • Montage eines Raumgerüstes im verbleibenden Gebäudeteil
  • Vergütung der freigelegten Giebelfundamente durch Injektion bzw. Verfugung
  • Herstellung von vier Fundamentdurchbrüchen für das Einbringen der Transportmodule
  • Herstellung von vier Verschubbahnen
  • Lösen der Fassade vom Bestand mit Diamant-Sägetechnik
  • Ausheben der Wandscheibe durch die FLUID-Module, Feinjustierung mittels Wegmesseinrichtungen
  • Computergesteuerter Horizontalverschub

Zeitraum
2010

Auftragswert
300.000,- €

Ansprechpartner
Andreas Wallot

Planungsbüro
Arge.org II:
Architekturbüro Kessler & Partner,
BauConsult Hermsdorf GmbH,
PGS+P Planungsgesellschaft
Steiner und Palme mbH

Objektadresse
Meininger Theater
Südthüringisches Staatstheater
Bernhardstr. 5
98617 Meiningen

Translozierung Norddeutscher Backsteingotik an der Ev.-Luth. Kirche St. Nicolaus in Hamburg, Alsterdorf

Die Evangelische Stiftung Alsterdorf beabsichtigt nun, die neugotische, denkmalgeschützte Stiftungskirche St. Nicolaus grundlegend zu sanieren und umzubauen sowie ihr Umfeld neu zu gestalten. Das Altarbild aus der NS-Zeit sollte dabei nicht mehr in der Kirche verbleiben. Aus denkmalpflegerischer Sicht sollte es aber als Zeugnis der damaligen Zeit erhalten werden und so entschloss man sich, es als Mahnmal für die Alsterdorfer Opfer der Euthanasie in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche wieder aufzustellen.

 

Wir erhielten den Auftrag, die komplette Apsiswand mit dem Altarbild in Kratzputztechnik aus dem Jahr 1938 vom restlichen Bestandsgebäude zu entkoppeln und an einen neuen Standort auf dem Gelände zu versetzen. Unsere ersten Aufgaben bestanden darin, die im Baufeld vorhandenen Baugrund- und Gründungsverhältnisse zu prüfen und die für die Translozierung erforderlichen Bestandsuntersuchungen an der Fassade sowie im Bereich des angrenzenden Baubestandes durchzuführen, um darauf aufbauend ein Translozierungskonzept zu entwickeln.

Als erste Arbeiten standen der geordnete Rückbau der inneren Fußbodenflächen und die äußere Abschachtung entlang der zu verschiebenden Wandscheibe - beides notwendig für die Herstellung von Stahlbetontragbalken für den Verschub - an. Nach erfolgter Freilegung wurden Microbohrpfähle zur Gründung der Stahlbetontragbalken eingebracht. Die inneren und äußeren Balken wurden durch die alte Wandgründung hindurchgeführt, um ein monolithisches Verschubfundament zu gewährleisten. Dann konnte mit der Sicherung der Wandscheibe begonnen werden. Aufgrund der Mehrschaligkeit der Bestandswand sind unter anderem zahlreiche Mauerwerksvernadelungen erforderlich gewesen. Alle diese Arbeiten mussten unter höchster Vorsicht und Rücksichtnahme durchgeführt werden, um das unter Denkmalschutz stehende Wandbild nicht zu beschädigen.

Nachdem die Sicherungs- und Stabilisierungsarbeiten abgeschlossen waren, wurden Stahlfachwerkskonstruktionen, welche die Wandscheibe im Zuge der einzelnen Translozierungsprozesse sichern sollen, an der Innen- und Außenseite der Wand montiert. Im Anschluss erfolgten der komplizierte Sägeschnitt im oberen Bogenabschnitt mittels Diamant-Seilsäge und anschließend die vertikalen und horizontalen Schnitte mit großem Diamantblatt (d = 1,40 m). Um das Wandelement später mit dem Kran versetzen zu können, musste es aus der Bestandswandachse erst einmal horizontal um ca. 1,60 m hinaus verschoben werden.  Der Verschub erfolgte auf zehn Schwerlasttransportrollen mit einer Tragkraft von je sechs Tonnen.

Jetzt war alles vorbereitet, um das Giebelwandelement in die vorbereitete Baugrube des späteren Endstandortes mit einem 500-Tonnen-Kran zu versetzen. Am 26. Mai 2021 war dann der große Tag. Die großen Schäkel des Krans wurden mit der Stahlkonstruktion und dem Wandelement verbunden. Die knapp 60 Tonnen waren am Haken und schwebten langsam in Richtung der neuen Baugrube auf dem Gelände, wo Sie dann auf dem neu errichteten Betonsockel abgesetzt und verankert wurden. Nachdem nun der spannendste Teil geschafft war und der Giebel sicher an seinem neuen Bestimmungsort stand, durften sämtliche Sicherungskonstruktionen zurückgebaut werden.


Zeitraum
2020 - 2021

Ansprechpartner
Enrico Herda

Planungsbüro
zymara & loitzenbauer Architekten
Im Moore 17b
30167 Hannover

Bauherr
Ev. Stiftung Alsterdorf
Alsterdorfer Markt 14
22297 Hamburg